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Fernsehen "Toy Story" war anfangs ein riesiger Flop
Nachrichten Medien Fernsehen "Toy Story" war anfangs ein riesiger Flop
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09:11 19.11.2015
Das Abenteuer von Cowboy Woody (links) und Astronaut Buzz Lightyear (links) wurde so erfolgreich, dass Pixar noch zwei weitere Teile entwickelte. Quelle: dpa
Frankfurt am Main

Beinahe hätte es "Toy Story" gar nicht gegeben. Als die Macher ihren Film in einem frühen Stadium erstmals einem Testpublikum zeigten, fiel er so dermaßen bei den Zuschauern durch, dass Financier Disney kurz davor stand, das komplette Projekt einzustampfen. Dabei war das Studio selbst schuld. Disney-Animationschef Jeffrey Katzenberg hatte Regisseur John Lasseter und sein Team so lange gedrängt, die Geschichte um lebendiges Spielzeug hip und cool zu machen, bis keiner mehr die Charaktere leiden konnte.

Pixel mit Seele

Lasseter, ein großer Mann mit einer Vorliebe für Hawaiihemden, wollte eigentlich einen Film mit viel Herz machen. Einen Kumpel-Film über einen Cowboy und einen Astronauten, die zu dem Jungen zurückzukehren wollen, dessen Lieblingsspielzeug sie sind. 1983 hatte Lasseter Disney als Animator verlassen, um für Pixar zu arbeiten - damals noch die Forschungsabteilung für Computergrafik von Star-Wars-Regisseur George Lucas. Wenige Jahre später wurde sie von Steve Jobs gekauft.

Lasseter arbeitete stetig daran, den Pixeln und Polygonen der Bilder aus dem Rechner nicht nur Leben, sondern auch eine Seele einzuhauchen. Die digitalen Kurzfilme aus Lasseters Team begeisterten in den frühen 80ern vor allem die Welt der Technik-Geeks immer wieder aufs Neue. Mit dem Fünfminüter "Tin Toy" (1988) gewann dann auch erstmals ein Werk aus dem Hause Pixar den Oscar für den besten animierten Kurzfilm. Und Lasseter hatte seine Bestätigung, dass Computer mehr können. Aus "Tin Toy" entstand die Idee, einen längeren Film über Spielzeuge zu machen - und somit die Schwächen des Rechners, in dessen Bildern alles ein bisschen wie Plastik aussieht, in Stärken zu verwandeln.

"Toy Story" war nur ein Arbeitstitel

Pixars Plan war ursprünglich, einen halbstündigen Film für das Weihnachts-Fernsehprogramm zu produzieren. Disney schoss 1989 das nötige Kapital vor und überzeugte die Macher, es stattdessen mit einem abendfüllenden Spielfilm zu versuchen. Für "Toy Story" - anfangs nur ein Arbeitstitel - wurde Tom Hanks als Sprecher für eine Hauptrolle und Randy Newman für die Filmmusik gewonnen.

Aber Disney-Titan Katzenberg wollte immer mehr sarkastische Sprüche und kantige Figuren. Nach dem Desaster bei der Testvorführung blieben Lasseter und seinen Mitarbeitern nur zwei Wochen, um "Toy Story" mit Drehbuchänderungen sein Herz zurückzugeben und sich ihre kreative Freiheit zurückzuerobern - zumindest erzählen es die Pixar-Mitarbeiter heute so.

Am 22. November kam der Film in den USA in die Kinos, im März 1996 in Deutschland. Und wurde ein Riesenerfolg. Der Film um Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear spielte mit seinen Fortsetzungen bis heute allein an den Kinokassen über 800 Millionen Dollar ein, gewann zahlreiche Preise.

Im Jahr 2006 kaufte Disney Pixar, John Lasseter ist heute der Kreativchef beider Animationsstudios. Wer "Toy Story" vor 20 Jahren im Kino sah, wusste, dass er etwas Besonderes vor sich hatte. Der Film war mit seinen Computerbildern nicht nur optisch völlig neuartig. Auch der Erzählstil, der für Erwachsene und Kinder gleich gut funktionierte, war ein Novum in der Animationslandschaft - am Drehbuch schrieb unter anderem "Avengers"-Regisseur Joss Whedon mit.

Einziger Computeranimationsfilm auf der Liste der besten amerikanischen Filme

Entsprechend groß war der Boom, den der Film auslöste. Dass heute jedes Jahr fünf bis zehn computeranimierte Filme in den Kinos starten, dass der von Hand gezeichnete Trickfilm im Mainstreamkino quasi nicht mehr existiert, das alles geht auch auf den erstaunlichen Erfolg von "Toy Story" zurück. Anfang des Jahrtausends wurde sogar eine neue Oscar-Kategorie für Animationsfilme aus der Taufe gehoben, in der sich auch etablierte Spielfilmregisseure wie Wes Anderson ("Der fantastische Mister Fox") oder George Miller ("Happy Feet") tummeln. Und "Toy Story" steht als einziger Animationsfilm neben Pionier "Schneewittchen" (1937) auf der Liste der 100 besten amerikanischen Filme des American Film Institute (AFI).

Pixar gelang es im Kielwasser des Erfolges, aus der Mischung von Herz und Intelligenz eine Art Zaubertrank zu destillieren, mit dem es seitdem immer wieder ins Schwarze getroffen hat. Kein Konkurrenzstudio, egal ob DreamWorks ("Shrek"), Blue Sky ("Ice Age") oder Sony ("Hotel Transsilvanien") stößt auf so viel Fan-Verehrung wie Pixar mit "Findet Nemo" (2003), "Wall-E" (2008) oder "Oben", der 2009 sogar die Filmfestspiele von Cannes eröffnete. Selbst der zweite und dritte "Toy-Story"-Teil (1999 und 2010) können dem Vergleich mit dem Original standhalten.

Erst in den vergangenen Jahren fiel das Studio mit einigen weniger spektakulären Filmen bei Fans in Ungnade. In diesem Jahr gab es aber wieder gute Kritiken für "Alles steht Kopf". Und mit "Arlo und Spot" startet am 26. November der 16. Pixar-Film in den deutschen Kinos.

epd/isc

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