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Fernsehen „Ich mag skurrile Scherze“
Nachrichten Medien Fernsehen „Ich mag skurrile Scherze“
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00:18 04.08.2015
Von Sonja Fröhlich
Lockvogel mit Leidenschaft: Moderator Guido Cantz hat seinen Vertrag für „Verstehen Sie Spaß?“ gerade um zwei Jahre verlängert. Quelle: Alexander Kluge
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Herr Cantz, Sie sind gerade im Urlaub im Süden. Wie war das im Flugzeug: Haben Sie die Lachfilmchen mit versteckter Kamera gesehen, die während des Fluges immer gezeigt werden?

Nein, diesmal habe ich ein Buch gelesen. Ich kenne aber diese „Just For Laugh“-Filme der Kollegen. Die sind meistens ohne Text, damit sie international funktionieren.

Meistens werden nichts ahnende Passanten darin erschreckt. Etwa mit explodierenden Mülltonnen. Können Sie darüber lachen?

Ich persönlich lache eher über skurrile Sachen. Solche, bei denen Leute an sich selbst zweifeln. Wenn sie Blau sehen, obwohl es eigentlich Rot sein müsste.

„Verstehen Sie Spaß?“ ist eine Familienshow. Haben Jung und Alt den gleichen Humor?

Junge Leute haben eine andere Schmerzgrenze, sie wollen frechere Scherze sehen. Für eine 73-Jährige würde das wohl zu weit gehen. Beides zusammenzubringen ist die Kunst. Aber genau dafür bin ich angetreten. Wir erreichen bis 11 Prozent beim jungen Publikum. Und unser Youtube-Kanal hat 184 Millionen Klicks - das ist herausragend.

Im September läuft ihre erste Spezialshow im SWR, in der Kinder die Lockvögel spielen. Was ist da anders?

Wir haben Filme mit Kindern zusammengestellt, die teilweise noch vor meiner Zeit als Moderator von „Verstehen Sie Spaß?“ gedreht worden sind. Da dürfen sich Kinder etwa so viel Eis kaufen, wie sie wollen. Und dann versuchen sie, einen Türknauf zu öffnen, obwohl sie fünf Eis in der Hand haben. Ich bin selbst Vater und finde das sehr süß.

Sie moderieren die Sendung im fünften Jahr und haben den Vertrag gerade um zwei Jahre verlängert. Ihre Vorgänger Harald Schmidt, Dieter Hallervorden und Cherno Jobatey hielten sich nicht so lange. Warum funktioniert das bei Ihnen?

Ich stehe seit 25 Jahren auf der Bühne, auch beim Kölner Karneval und mit meinen eigenen Comedyprogrammen. Die Mischung gefällt mir. Frank Elstner war noch länger bei „Verstehen Sie Spaß?“ als ich. Und auch er hat gesagt, dass das Format gut zu mir passt.

Sie sorgen als Lockvogel dafür, dass Menschen immer irgendwie in eine Falle tappen. Ist Schadenfreude tatsächlich die schönste Freude?

Wir haben das nicht erfunden. Wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht, müssen wir darüber lachen - vorausgesetzt, es passiert nichts Schlimmes. Der Mensch tickt so.

Wann ist Schluss mit lustig?

Ein Gag darf nie so weit gehen, dass jemand weint. Man muss sich in die Augen sehen können und sagen: Ja, das war komisch. Und bei „Verstehen Sie Spaß?“ gibt auch jeder Protagonist vorher seine Zustimmung zur Ausstrahlung.

Schon mal etwas gründlich schiefgegangen?

Beim Interview mit dem Sänger Ray Garvey haben wir Polizisten eine Kneipe stürmen lassen. Da sagte Ray sofort: „Mein Vater war Polizist. Ich glaube, ich bin hier bei „Verstehen Sie Spaß?“. Auch das haben wir ausgestrahlt.

Heute Abend gibt es ein Best-of der Show. Was ist Ihr persönlicher Favorit?

Als wir vor zwei Jahren Mario Barth reingelegt haben. Der wollte einen neuen Weltrekord aufstellen und innerhalb von 24 Stunden 100 000 Menschen im Olympiastadion Berlin versammeln. Aber egal, was Mario Barth für Ideen hatte, vom Bühnenbild bis Feuerwerk, alles wurde als nicht durchführbar abgelehnt. Das ging gut einen halben Tag lang so. Das war ein enormer Aufwand, aber es hat sich gelohnt.

Gehen Ihnen und Ihrem Team nicht mal die Ideen aus?

Wir bekommen ohne Ende Post von Zuschauern, die ihre Freunde hinters Licht führen wollen. Da sind tolle Ideen dabei. Es gibt auch immer wieder Beobachtungen im Alltag. Kürzlich war ich auf einem Supermarktparkplatz. Da schob eine Frau ihr Ticket in den Automaten. Plötzlich drängte ein Auto vor und fuhr durch die offene Schranke. Die ging dann wieder runter. Sie hätten mal das Gesicht der Frau sehen müssen.

Sie haben eine interessante Familienchronik. Neben Theodor Heuss zählt Grace Kelly zu Ihren Vorfahren. Und: Fürst Albert von Monaco ist Ihr Großneffe - obwohl er älter ist. Wollen Sie den nicht mal hochnehmen?

Ich würde ihn vor allem gern mal kennenlernen. Aber ich warte immer noch auf eine Einladung. Irgendwann fahre ich mal hin, klingele und sage: „Hallo, die Verwandtschaft ist zu Besuch.“

Der denkt dann, er wäre bei „Verstehen Sie Spaß?“.

Das hätte was - in doppelter Hinsicht.

Diese Promis sind auch schon reingefallen

Auf der Straße

Scherz statt Stalking: Eigentlich wollte Schlagersängerin Beatrice Egli nur von München nach Tegernsee fahren, um dort einen Werbedeal abzuschließen. Natürlich muss sie pünktlich kommen – doof nur, dass ein aufdringlicher Fan ihr folgt und sie immer wieder aufhält und sie dann auch noch in eine Polizeikontrolle gerät. Fassungslos muss Egli dann auch noch mitansehen, wie der Fan vor ihr am Ziel ankommt und den Werbedeal an Land zieht. Der wird ihm überreicht von – Guido Cantz.

In der Luft

Bankräuber im Blumenhemd: Comedian Paul Panzer, bekannt durch Scherzanrufe im Radio, steigt mit zwei Personen, die einen Rundflug über Hambug mit ihm gewonnen haben, in ein Flugzeug. Gerade wollen sie starten, da stoppt sie die Polizei. Scheinbar hat einer der Gewinner zuvor eine Bank ausgeraubt. Aber statt ihm wird Panzer verdächtigt. Dieser ist außer sich – und weiß endlich, wie sich die Personen am anderen Ende bei seinen Telefonstreichen gefühlt haben.

Auf dem Gutshof

Fieses Doppel: Drei junge Frauen beginnen nichtsahnend ihren ersten Tag als Aushilfen auf einem Gutshof. Ihr erster Job: Das Cabrio der ihnen noch unbekannten Chefin zum Hof bringen. Dort stellen sie es an einer Wiese ab. Als sie zurückkommen, ist es komplett unter Wasser gesetzt – scheinbar vom Gartensprenger der als Landwirtin getarnten Schauspielerin Christine Neubauer. Schnell umgezogen schlüpft sie außerdem in die Rolle der hysterischen Chefin – bis sie die Szenerie auflöst.

mbr

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