Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
"Hart aber fair": Frauen gegen Frauen

Talk-Runde zu Gleichberechtigung "Hart aber fair": Frauen gegen Frauen

Man kann nur hoffen, dass der WDR nicht jede misslungene Sendung von "Hart aber fair" wiederholt: In der ARD wurde am Montagabend erneut über das Thema Gleichberechtigung gestritten. Ein Ergebnis gab es auch dieses Mal nicht. Dafür waren sich vor allem die Frauen zu uneinig.

Voriger Artikel
Scholl entschuldigt sich bei Gomez
Nächster Artikel
"Wir sind alle nicht vollkommen"

Die Gäste der Sendung: Jörg Schönenborn (WDR-Fernsehdirektor, l-r), Sybille Mattfeldt-Kloth (stv. Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen), Anne Wizorek (Bloggerin und Autorin), Anton Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Grüne), Sophia Thomalla (Schauspielerin und Model), Wolfgang Kubicki (stellv. FDP-Bundesvorsitzender), Birgit Kelle (Publizistin) und Gastgeber Frank Plasberg.

Quelle: Oliver Ziebe/WDR/dpa

Hannover. Es waren 70 Minuten vergangen, die Sendung war schon fast vorbei, als endlich klar wurde, warum der WDR das Thema Gleichberechtigung zu Recht noch einmal aufgegriffen hatte. Das lag an einem kurzen Film, den Moderator Frank Plasberg einspielte. Journalisten des Westdeutschen Rundfunks hatten dafür Paare in einer Fußgängerzone angesprochen und sie danach befragt, wie viel Hausarbeit der Mann übernehme. Das Ergebnis war ernüchternd.

Die Journalisten ließen drei, vier Paare zu Wort kommen, und jedes Mal machte der Mann so gut wie nichts, abgesehen von Müll hinausbringen. Alles andere, abwaschen, bügeln, staubsaugen, erledigte die Frau. Eine einleuchtende Erklärung dafür hatten die Männer nicht. "Es hat sich bisher nicht ergeben", sagte einer. "Mir fehlt das Talent im Haushalt", sagte ein anderer. "Meine Frau sieht einfach mehr" – und deshalb putze sie auch, meinte ein Dritter.

Frauen gegen Frauen

Jetzt wissen wir nicht, wie lange die Journalisten nach diesen Beispielen in einer Fußgängerzone gesucht haben. Aber untypisch sind die Antworten nicht. Es lohnt sich also durchaus, über die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu reden. Erst recht, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft und der Politik oder um die Frage der gleichen Bezahlung geht. Frauen sind hierbei immer noch benachteiligt.

Darüber hätten Plasbergs Gäste also gut diskutieren können. Stattdessen redeten sie aufeinander ein und aneinander vorbei. Dabei teilten sie sich in zwei Lager, aber nicht etwa in Frauen auf der einen und Männer auf der anderen Seite, sondern in Befürworter und Gegner von Gender Mainstreaming. Es waren also die gleichen Parteien wie vor einigen Monaten.

Plasberg gibt Fehler zu

Damals hatte Plasberg schon einmal eine Talk-Runde über die Gleichberechtigung von Mann und Frau diskutieren lassen – mit fast denselben Gästen wie am Montagabend. Er und der WDR waren anschließend dafür kritisiert worden. Die Gäste seien falsch ausgewählt, das Thema nicht ernsthaft genug behandelt worden. Am Montagabend gab Plasberg zu: Er und die Redaktion hätten "noch nie eine Sendung so verhauen" wie jene vom 2. März.

Dieses Mal machten sie es aber auch nicht besser, abgesehen vom Einspieler am Ende. Die Autorin Anne Wizorek kritisierte zum Beispiel zu Recht, dass in der Sendung über Genderforschung gesprochen werde, aber keine Genderforscherin eingeladen worden sei. Diese hätte vielleicht erklären können, wozu ihr Fach gut ist.

Helme für Frauen

So übernahm diese Aufgabe Anton Hofreiter, und der Fraktionschef der Grünen im Bundestag zählte als Errungenschaften von Gender Mainstreaming unter anderem auf: Schutzhelme, ein künstliche Knie und Parkplätze für Frauen. Man hätte wahrscheinlich noch weitere Beispiele nennen können. Die Genderforschung wäre dann in einem anderen, besseren Licht erschienen.

Allerdings hätten sich ihre Gegner wahrscheinlich auch dann nicht überzeugen lassen. Denn das wurde in der Sendung immerhin deutlich: Über das Thema Gleichberechtigung streiten Frauen nicht nur mit Männern, sondern mindestens genauso mit anderen Frauen. Manchmal, wie am Montagabend, sogar noch viel mehr mit ihnen als mit den Männern.

Gegenseitige Abneigung

Das wird sich auch nicht ändern. Dafür sind jedenfalls Autorin Anne Wizorek (Initiatorin des Hastags #aufschrei) und Publizistin Birgit Kelle (Autorin des Buches "Gendergaga") zu unterschiedlicher Meinung. Weil Kelle Wizorek Feminismus vorwarf, während diese der anderen alte Rollenbilder unterstellte.

Der WDR könnte dieselbe Talk-Runde also noch oft einladen, und trotzdem würde die Diskussion mit keinem anderen Ergebnis enden. Warum hat er es trotzdem ein zweites Mal gemacht? Weil er, nachdem er wegen der ersten Sendung kritisiert worden war, die Aufzeichnung aus der Mediathek entfernte, und als ihm dann Zensur vorgeworfen wurde, die Sendung wieder hineinstellte. Ein souveränes Verhalten sieht anders aus.

Wenig überzeugend

Trotzdem wehrte sich WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn am Montag gegen den Eindruck, der Westdeutsche Rundfunk habe auf öffentlichen Druck reagiert. "Wir sind unabhängig." Und genau deshalb habe der WDR die Sendung wieder in die Mediathek genommen. Überzeugend klang das nicht. "Es hatte einen albernen Touch", sagte Hofreiter.

Zumal jeder die Sendung weiter sehen konnte – über Youtube, wie Sybille Mattfeldt-Kloth zu Bedenken gab. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen, ihr Verband war es unter anderem gewesen, der die erste Sendung kritisiert hatte. Der Gleichheitsgrundsatz sei verletzt worden, beklagte Mattfeldt-Kloth, durch die Art und Weise, wie auf auf das Thema Gleichberechtigung und Genderforschung eingegangen worden sei.

Das wiederum verstand Kelle nicht. Wie könne ein Geschlecht benachteiligt worden sein, wenn die erste Talk-Runde aus drei Frauen und zwei Männern bestanden habe, fragte sie. Die Kritiker der Sendung dürften nur nicht erwarten, dass die Frauen auch dieselbe Meinung wie sie hätten. Das ist vielleicht das eigentliche Problem.

Markus Werning

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Fernsehen
HAZ-Volontäre gewinnen Medienpreis der Architektenkammer

Mit ihrer multimedialen Berichterstattung über die Wasserstadt Limmer haben die Volontäre der HAZ beim Medienpreis der Bundesarchitektenkammer den ersten Platz belegt.

Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen