Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen Jamie-Lee fährt für Deutschland zum ESC
Nachrichten Medien Fernsehen Jamie-Lee fährt für Deutschland zum ESC
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:23 25.02.2016
Gelungener Auftritt beim ESC-Vorentscheid: Jamie-Lee Kriewitz. Quelle: ARD/Screenshot
Anzeige
Köln

Türkisfarbener Minirock, karierte Kniestrümpfe, schrille Puschelohren – und ein Schuss Märchenmystik im Manga-Stil: Die 17-jährige Jamie-Lee Kriewitz aus Springe bei Hannover wird Deutschland am 14. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm vertreten. Mit ihrem Ohrwurm "Ghost" siegte sie am Donnerstagabend beim deutschen ARD-Vorentscheid "Unser Lied für Stockholm" – vor 1000 Zuschauern in exakt jenem Kölner Studio in der Schanzenstraße, in dem einst Lena Meyer-Landrut den Siegeszug nach Oslo antrat.

Zur Galerie
Eine 17-jährige Schülerin aus Springe wird Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten: Jamie-Lee Kriewitz gewann den deutschen ESC-Vorentscheid. Sehen Sie hier die schönsten Bilder der Show "Unser Lied für Stockholm".

In einer Art nebligem Zauberwald, zwischen verkrüppelten Bäumchen, ließ sich die "The Voice Of Germany"-Siegerin ganz von ihrem selbstgeschriebenen Hit ins Traumland tragen. Die Hoffnung steigt, dass die deutsche ESC-Gesandtschaft die Schmach von Wien wird vergessen machen können. Denn der Titel "Ghost" ist reinstes ESC-Material. In der Finalrunde ließ sie Avantasia und Alex Diehl hinter sich.

Mehr zu Jamie-Lee Kriebitz

"Lena ist schon ein Vorbild für mich": Interview mit Jamie-Lee Kriebitz
Was ist das Geheimnis von Jamie-Lees Erfolg?
Was hat es mit Jamie-Lees Kostümen auf sich?

Es war eine weitgehend fremdschamfreie, für ARD-Verhältnisse überraschend selbstironische Popshow, koproduziert von Raab TV. Moderatorin Barbara Schöneberger nahm schadenfrohen Zynikern gleich zu Beginn mit einem Medley aus ESC-Klassikern zur Xavier-Naidoo-Peinlichkeit den Wind aus den Segeln ("Dieser Weg wird kein leichter sein, ohne Xavier müssen wir tapfer sein"). Und warnte am Ende: "Wenn du mir den Kümmert machst, mach' ich Hackfleisch aus dir."

So waren die anderen Kandidaten

Die putzigen Metal-Helden von Avantasia lieferten mit "Mystery Of A Blood Red Rose" eine flammenreiche Drei-Minuten-Rockoper im Scorpionssound ab. Sänger Tobias Sammet sah aus wie ein veganer Meatloaf in Zirkusuniform. Es reichte nicht. 

Hoch gehandelt auch der bayerische Songwriter Alex Diehl. Seine Hymne "Nur ein Lied", spontan geschrieben unter dem Eindruck der Pariser Anschläge im November, war zwar gut gemeint, musikalisch aber zu wenig eingängig.

Die Rückkehr von Ralph Siegel, dem "Donald Trump des ESC" (Schöneberger), geriet nicht zum Triumph. Die Düsseldorferin Laura Pinski (19) arbeitete sich vergeblich in einem Trickkleid nach alter Väter Sitte durch überzuckerten Siegel-Pomp nach vertrautem Strickmuster.

Die Weimarer Schlagerhoffnung Ella Endlich, ausgestattet mit zwei goldbesprühten, spektakulären Beinen, sah aus und klang wie die B-Seite von Helene Fischer. Ihr Autoscooter-Stampfer "Adrenalin" blieb eine Behauptung.

Die blutleere Vollmondhymne der Hamburger Schwestern von Joco war zu verkopft und angestrengt, ebenso wie das sphärische Ballädchen von Keoma und den Polarkreis-18-Überlebenden von Woods of Birnam, deren Frontmann Christian Friedel mit schwerer Rückenlage tanzend Kreuzzschäden befürchten muss.

Geradezu tragisch altmodisch waren die Knödelmönche der finanziell unfassbar erfolgreichen Mittelalterkombo Gregorian. Pyrotechnik. Schwarze Kutten. Fackeln. Bodennebel – das war schlimmster "Der Name der Rose"-Kitsch. Wie Rammstein für Waldorfschüler. Dafür ist Umberto Eco nicht gestorben.

Überraschend flach geriet auch der als Mitfavorit gehandelte Hit "Solange Liebe in Mir Wohnt" der Iserlohner Livekonzertexperten Luxuslärm. Mit einem Text, den Silbermond abgelehnt hätten. "Barfuß über Scherben", "tiefer als der Ozean" – ein schnell vergessener Stadtfestschlager für Auf-die-Eins-und-die-Drei-Klatscher.

Unsere Prognose für Stockholm

Jamie-Lee also. Die Zauberwald-Idee für ihre Inszenierung wurde mitentwickelt von Studenten der Universität Hildesheim. Der NDR hatte ausgewählte Unis um Gestaltungskonzepte gebeten – nicht zuletzt unter dem Eindruck der aufwendigen Trickfilmshow, mit der Schweden im vergangenen Jahr gesiegt hatte.

Und warum denn auch nicht? Mystik hat ihren festen Platz beim europäischen Musikkarneval. Ruslanas "Wild Dances", die dänische Barfußelfe Emmelie de Forest, der norwegische Teufelsgeiger Alexander Rybak – sie alle spielten (und siegten) mit Märchenelementen und verträumter Optik.

Gewagte Prognose: Jamie-Lee Kriewitz wird in Stockholm nicht Letzte. Das wäre ja schon mal etwas.

Die Sendung zum Nachlesen – in unserem Live-Ticker.

scribblelive

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Weil das Thema Homosexualität nicht familienfreundlich ist, wurde eine Stelle eines TV-Interviews zwischen US-Talkerin Ellen DeGeneres und US-Präsident Barack Obama einfach rausgeschnitten. Aktivisten in Singapur kritisieren das Verhalten des Staatsfernsehens.

25.02.2016

Es war ein Gerücht, das sich hartnäcktig bis zu seinem Tod hielt - auch wenn es völlig absurd klang angesichts seiner den kleinen Zuschauern liebevoll zugewandten Art, hieß es immer wieder: Peter Lustig könne Kinder nicht ausstehen. "Alles falsch", gesteht nun der Journalist Kai Biermann. Er hatte das Gerücht einst - versehentlich - in die Welt gesetzt.

25.02.2016
Fernsehen Diskussion bei Sandra Maischberger - Wer spaltet Deutschland?

„Hass auf Flüchtlinge, Regierung zerstritten: Spaltet Merkel das Land?“ Eine schwierige Frage, die Sandra Maischberger am Mittwochabend aufgeworfen hat. Eine Rückschau von Christoph Stephan.

25.02.2016
Anzeige