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Jamie-Lee fährt für Deutschland zum ESC

Vorentscheid zum Eurovision Song Contest Jamie-Lee fährt für Deutschland zum ESC

Jamie-Lee Kriewitz hat den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewonnen. Die 17-jährige Schülerin aus Springe bekam die meisten Stimmen der Zuschauer. Imre Grimm hat die Show in Köln verfolgt – und wagt eine Prognose für Stockholm.

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Gelungener Auftritt beim ESC-Vorentscheid: Jamie-Lee Kriewitz.

Quelle: ARD/Screenshot

Köln. Türkisfarbener Minirock, karierte Kniestrümpfe, schrille Puschelohren – und ein Schuss Märchenmystik im Manga-Stil: Die 17-jährige Jamie-Lee Kriewitz aus Springe bei Hannover wird Deutschland am 14. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm vertreten. Mit ihrem Ohrwurm "Ghost" siegte sie am Donnerstagabend beim deutschen ARD-Vorentscheid "Unser Lied für Stockholm" – vor 1000 Zuschauern in exakt jenem Kölner Studio in der Schanzenstraße, in dem einst Lena Meyer-Landrut den Siegeszug nach Oslo antrat.

Eine 17-jährige Schülerin aus Springe wird Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten: Jamie-Lee Kriewitz gewann den deutschen ESC-Vorentscheid. Sehen Sie hier die schönsten Bilder der Show "Unser Lied für Stockholm".

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In einer Art nebligem Zauberwald, zwischen verkrüppelten Bäumchen, ließ sich die "The Voice Of Germany"-Siegerin ganz von ihrem selbstgeschriebenen Hit ins Traumland tragen. Die Hoffnung steigt, dass die deutsche ESC-Gesandtschaft die Schmach von Wien wird vergessen machen können. Denn der Titel "Ghost" ist reinstes ESC-Material. In der Finalrunde ließ sie Avantasia und Alex Diehl hinter sich.

Es war eine weitgehend fremdschamfreie, für ARD-Verhältnisse überraschend selbstironische Popshow, koproduziert von Raab TV. Moderatorin Barbara Schöneberger nahm schadenfrohen Zynikern gleich zu Beginn mit einem Medley aus ESC-Klassikern zur Xavier-Naidoo-Peinlichkeit den Wind aus den Segeln ("Dieser Weg wird kein leichter sein, ohne Xavier müssen wir tapfer sein"). Und warnte am Ende: "Wenn du mir den Kümmert machst, mach' ich Hackfleisch aus dir."

So waren die anderen Kandidaten

Die putzigen Metal-Helden von Avantasia lieferten mit "Mystery Of A Blood Red Rose" eine flammenreiche Drei-Minuten-Rockoper im Scorpionssound ab. Sänger Tobias Sammet sah aus wie ein veganer Meatloaf in Zirkusuniform. Es reichte nicht. 

Hoch gehandelt auch der bayerische Songwriter Alex Diehl . Seine Hymne "Nur ein Lied", spontan geschrieben unter dem Eindruck der Pariser Anschläge im November, war zwar gut gemeint, musikalisch aber zu wenig eingängig.

Die Rückkehr von Ralph Siegel, dem "Donald Trump des ESC" (Schöneberger), geriet nicht zum Triumph. Die Düsseldorferin Laura Pinski (19) arbeitete sich vergeblich in einem Trickkleid nach alter Väter Sitte durch überzuckerten Siegel-Pomp nach vertrautem Strickmuster.

Die Weimarer Schlagerhoffnung Ella Endlich , ausgestattet mit zwei goldbesprühten, spektakulären Beinen, sah aus und klang wie die B-Seite von Helene Fischer. Ihr Autoscooter-Stampfer "Adrenalin" blieb eine Behauptung.

Die blutleere Vollmondhymne der Hamburger Schwestern von Joco war zu verkopft und angestrengt, ebenso wie das sphärische Ballädchen von Keoma und den Polarkreis-18-Überlebenden von Woods of Birnam , deren Frontmann Christian Friedel mit schwerer Rückenlage tanzend Kreuzzschäden befürchten muss.

Geradezu tragisch altmodisch waren die Knödelmönche der finanziell unfassbar erfolgreichen Mittelalterkombo Gregorian . Pyrotechnik. Schwarze Kutten. Fackeln. Bodennebel – das war schlimmster "Der Name der Rose"-Kitsch. Wie Rammstein für Waldorfschüler. Dafür ist Umberto Eco nicht gestorben.

Überraschend flach geriet auch der als Mitfavorit gehandelte Hit "Solange Liebe in Mir Wohnt" der Iserlohner Livekonzertexperten Luxuslärm . Mit einem Text, den Silbermond abgelehnt hätten. "Barfuß über Scherben", "tiefer als der Ozean" – ein schnell vergessener Stadtfestschlager für Auf-die-Eins-und-die-Drei-Klatscher.

Unsere Prognose für Stockholm

Jamie-Lee also. Die Zauberwald-Idee für ihre Inszenierung wurde mitentwickelt von Studenten der Universität Hildesheim. Der NDR hatte ausgewählte Unis um Gestaltungskonzepte gebeten – nicht zuletzt unter dem Eindruck der aufwendigen Trickfilmshow, mit der Schweden im vergangenen Jahr gesiegt hatte.

Und warum denn auch nicht? Mystik hat ihren festen Platz beim europäischen Musikkarneval. Ruslanas "Wild Dances", die dänische Barfußelfe Emmelie de Forest, der norwegische Teufelsgeiger Alexander Rybak – sie alle spielten (und siegten) mit Märchenelementen und verträumter Optik.

Gewagte Prognose: Jamie-Lee Kriewitz wird in Stockholm nicht Letzte. Das wäre ja schon mal etwas.

Die Sendung zum Nachlesen – in unserem Live-Ticker.

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