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00:16 06.12.2015
An Helene Fischer kommt man einfach nicht vorbei - wie hier beim "Adventsfest der 100.000 Lichter". Quelle: ARD/dpa
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Hannover

Helene Fischer ist, das zeigen bereits oberflächliche Recherchen im Medienland, derzeit ähnlich präsent wie Angela Merkel oder Joko und Klaas. Was immer die Anfangsdreißigerin anfasst, macht sie zu Gold, Platin, Kryptonit. Wenn Fräulein Fischers Management ein neues Album plant, wird es schon Monate im Voraus als Top-News aller Internet-Suchmaschinen vermeldet.

Wenn es ein Album mit Weihnachtstiteln ist, engagiert das Management dafür das Royal Philharmonic Orchestra in den Londoner Abbey Road Studios. Wenn Florian Silbereisen sodann zum "Adventsfest der 100.000 Lichter" ins Erste lädt, räumt er seiner Liebsten dafür reichlich öffentlich-rechtliche Werbezeit nach acht frei.

Sperrfeuer gen Fest

Wenn das der Reklame nicht genug ist, schenkt die ARD ihrem Zugpferd heute gleich noch zwei weitere Stunden zur besten Sendezeit. Und wenn das konkurrierende ZDF am Sonnabend mal wieder sein "Herz für Kinder" zeigt, hilft Helene Fischer selbstredend am Telefon mit, das Ansehen ihres Aufmerksamkeitsmultiplikators "Bild" aufzupolieren.

Farbenspiel-Tour 2015: Schlagerstar Helene Fischer ist in einer ausverkauften HDI-Arena in Hannover aufgetreten.

Sie zeigt sich bei Jauch, auf dem "Traumschiff", gar in der "Sesamstraße", und falls Fischers PR-Stab sein Premiumprodukt gern abseits ihres süffigen Kerngebiets prominent platzieren will, dann in Til Schweigers Bombast-"Tatort" am Neujahrstag, kurz nachdem sie abermals zur "Helene Fischer Show" ins Zweite geladen haben wird.

Ein Starauflauf sondergleichen, produziert von der Kimmig Entertainment GmbH, der auch die Verleihung jener Branchenpreise von Bambi bis Echo unterliegt, mit denen Helene Fischer seit zehn Jahren überhäuft wird. 

Nach dem dauernden Alltagsbeschuss der Schlagerpopqueen wird ihr Sperrfeuer gen Fest also langsam ein Fall für die Genfer Konventionen. Man kommt an der Frau nicht vorbei. Niemals. Nirgendwo. Es ist ein Rätsel. Und auch wieder keins.

Denn als Flüchtlingskind der kriegskalten Achtzigerjahre müsste Jelena Petrowna Fischer aus dem sibirischen Krasnojarsk den rassistischen Lügenpressekrakeelern von Pegida bis AfD eigentlich ein Dorn im Auge sein – wäre die schöne Helene nicht so deutschrussisch blond und wohlgeformt, zudem ein Musterbeispiel gelungener Assimilation an die hiesige Leitkultur, die so selig von den Schönheiten der eigenen Art zu singen vermag und dabei alle Sorgen zu Hause lässt.

Lehrstunden in Arglosigkeit

Denn von denen will Helene Fischer nichts hören. Interviews mit ihr sind Lehrstunden in Arglosigkeit, bei denen hinterher alles als ungesagt gilt, was das glattgebügelte Image auch nur oberflächlich anrauen könnte. Ein kleiner Satz zur eigenen Überpräsenz? Gestrichen! Ein offenes Wort zur Last der Berühmtheit? Raus! Selbst ihre Aussage, sie halte sich aus Debatten wie der um die völkischen Brachialrocker Freiwild raus: nicht freigegeben.

Wallende Mähne, sportlicher Auftritt und hallenfüllende Konzerte – Helene Fischer ist eine der beliebtesten Sängerinnen Deutschlands. Das macht sie auch für Doubles interessant. Und davon gibt es einige.

"Professionell zu liefern, was erwartet wird, zählt zu meinem Beruf dazu" – so viel immerhin durfte sie am Ende des Gesprächs zu ihrer Moderation des letztjährigen Echos gesagt haben über eine Industrie, in der Helene Fischer Objekt und Subjekt zugleich ist, Täterin und Opfer, stinkreich und bettelarm in einem.

"Ich muss mich auf der Bühne für nichts verbiegen", sagte die gelenkige Multifunktionschiffre für nahezu jedes Publikumsinteresse vom feuchten Teenagertraum bis zur Seniorenunterhaltung noch. Sie glaubt das vermutlich selbst.

Von Jan Freitag

"Helene Fischer - Weihnachten": Konzert mit Advents- und Weihnachtsliedern aus Wien. ARD, Donnerstag, 20.15 Uhr

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