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Nachrichten Medien Fernsehen Wie man Fake News auf die Schlichte kommt
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17:39 30.07.2017
Fake-Jäger: Der Wiener Verein Mimikama entlarvt schon seit mehreren Jahren Falschmeldungen im Netz. Quelle: ARD
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Berlin

Es ist leider wie so oft im Ersten: Da nimmt sich die ARD eines Themas von außerordentlicher Relevanz an, und dann zeigt sie die Sendungen erst zu nachtschlafender Zeit. Gleich zwei Beiträge aus der Reihe „die story“ beschäftigen sich mit dem Komplex Internet, soziale Netzwerke und Politik. Zunächst beschreiben Diana Löbl und Peter Onneken (WDR) in ihrem Beitrag „Infokrieg im Netz“ (23 Uhr), wie russische Hacker versucht haben, die Präsidentschaftswahlen in den USA und in Frankreich zu beeinflussen. Mit Blick auf die Bundestagswahl im September schildert der Film, wie über soziale Netzwerke Stimmung gemacht wird und wie gut oder schlecht Parlament und Abgeordnete vor Hackerangriffen geschützt sind.

Experiment: Wie beeinflussen die Echokammern der sozialen Medien die Meinungsbildung?

Die zweite Dokumentation ist allerdings deutlich näher am Alltag der meisten Zuschauer: „Im Netz der Lügen“ (23.45 Uhr) von Claus Hanischdörfer setzt sich facettenreich mit dem Phänomen „Fake News“ auseinander. Herzstück des Films ist ein Versuch des derzeit sehr gefragten Stuttgarter Kommunikationswissenschaftlers Wolfgang Schweiger. Der Professor von der Universität Hohenheim hat erforscht, welchen Einfluss soziale Medien mit ihren „Filterblasen“ und „Echokammern“ auf die Meinungsbildung haben.

Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim verbreiten eine Fake News. Quelle: SWR

Wie erschreckend einfach sich mutwillig gefälschte Nachrichten im Internet verbreiten lassen, demonstrieren zwei seiner Mitarbeiterinnen. Sie haben sich eine jener typischen „Fake News“ ausgedacht, die von den Nutzern ungeprüft weitergeleitet werden: In einem fiktiven Ort bekommen männliche Flüchtlinge angeblich einmal pro Woche Besuch von Prostituierten; die Kosten übernimmt das Landratsamt. Um dem erfundenen Skandal die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen, haben die beiden Frauen eine eigene Website kreiert („Der Volksbeobachter“) und einen Mann namens Volker Mayer erfunden, der mit authentischer Empörung Nachrichten teilt. Als er die Geschichte über den „Gratissex“ in die Welt setzt, zweifelt kaum jemand an ihrem Wahrheitsgehalt.

Rund um diesen zentralen Handlungsstrang, der als roter Faden fungiert, trägt Hanischdörfer eine derart große Vielzahl einzelner Aspekte zusammen, dass manche Punkte zwangsläufig etwas flott abgehandelt werden. Unter anderem ist der SWR-Autor diversen Falschmeldungen nachgegangen. Die erste beruht auf einem Foto: Ein halbes Dutzend Männer, mutmaßlich Moslems, scheint gegen eine Kirche zu urinieren. Die Empörung im Netz war groß. Ein bekannter NPD-Funktionär stellte das Bild ungeprüft auf seine Website und fragte die Leser, was „die wohl mit uns“ machen würden, wenn man gegen eine Moschee pinkelte? Hanischdörfers Recherche entlarvt den Skandal als Missverständnis: Bei den vermeintlichen Moslems handelt es sich um Christen aus Eritrea, die sich in der Tradition ihres Glaubens betend an die Mauer lehnen. Das machen sie an dieser Kirche schon seit vielen Jahren, das Foto ist vorsätzlich falsch interpretiert worden.

Die Menschen sind immer dann besonders leichtgläubig, wenn eine Information in ihr Weltbild passt

Ein Besuch in Schweigers Seminar verdeutlicht allerdings, wie schwierig es oft ist, „Fake News“ zu erkennen: Der Professor konfrontiert seine Studierenden mit zum Teil völlig absurd klingenden Nachrichten, die keineswegs alle falsch sind. Die Menschen, erläutert der Kommunikationswissenschaftler, seien immer dann besonders leichtgläubig, wenn eine Information in ihr Weltbild passe.

Wie so oft bei Dokumentationen dieser Art kommt die dunkle Seite etwas kurz. Kein Wunder: Wer ARD, ZDF und die Qualitätszeitungen als Lügen- oder auch Propagandapresse tituliert, wird sich nicht ausgerechnet einem Repräsentanten dieses Systems zum Interview stellen. Immerhin kommt besagter NPD-Funktionär zu Wort.

Trotz der thematischen Überfülle leistet „Im Netz der Lügen“ einen derart wichtigen Beitrag zur Medienkunde, dass der Film unbedingt im Schulunterricht zum Einsatz kommen sollte.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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