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Scheinehe mit Steuervorteil

„Wir tun es für Geld“ Scheinehe mit Steuervorteil

Die ARD-Sommerkomödie „Wir tun es für Geld“ mit Diana Amft überrascht durch gute Gags und Dialoge.

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Der Finanzbeamte Ekkehard Stöckelein-Grummler (Ludger Pistor, Mitte) fühlt dem Scheinehepaar Ines (Diana Amft) und Moritz (Florian Lukas) auf den Zahn.

Quelle: ARD

Da kommen Ines (Diana Amft) und Moritz (Florian Lukas) gerade als frisch getrautes Brautpaar vom Standesamt, und dann – nach dem obligatorischen Hochzeitsfoto – küsst plötzlich ein ganz anderer, ein gewisser Bernd (Matthias Weidenhöfer), die Braut. Und als wäre das noch nicht genug, nimmt er sich anschließend sogar das Recht heraus, mit ihr die Hochzeitsnacht zu verbringen.

Mit dieser Szene, bei der der Zuschauer amüsant in die Irre geführt wird, beginnt die romantische ARD-Sommerkomödie „Wir tun es für Geld“. Der Film von Manfred Stelzer, nach einem Drehbuch von Jens Urban, treibt ein erstaunlich raffiniertes Spiel mit den Klischees.

Die Ehe sind Ines und Moritz nur zum Schein eingegangen. Sie, die Karrierefrau, hat dadurch als Spitzenverdienerin einen erheblichen Steuervorteil. Als Dank übernimmt sie einen Teil seiner Miete – für seine geräumige Altbauwohnung, die er sich sonst überhaupt nicht leisten könnte. Ansonsten lebt sie weiterhin – trotz Ehe – mit ihrem geliebten Bernd zusammen, der ein ähnlicher Erfolgstyp ist wie sie. Doch dieses nicht ganz legale Steuersparmodell hat einen kleinen Haken, der im Verlauf des Films immer größer wird.

Denn der falsche Ehemann Moritz, der keine Lust hat auf eine Karriere als Musikredakteur und genügsam lieber im verstaubten Archiv eines Verlages arbeitet, kennt Ines seit seiner Jugend und ist seitdem heimlich in sie verliebt. Doch darüber verliert er kein einziges Wort, tröstet sich stattdessen mit der netten Kellnerin seines Stammlokals und mit seiner riesigen Plattensammlung.

An dieser Situation würde sich wohl auch nichts mehr ändern, wenn nicht plötzlich der Zufall zuschlagen würde – in Gestalt seines Nachbarn Stöckelein-Grummler (Ludger Pistor), der offenbar von seiner Frau verlassen worden ist. Dieser anscheinend fürchterlich pedante Zeitgenosse ist dazu auch noch Finanzbeamter und ausgerechnet der zuständige Sachbearbeiter von Ines und Moritz. Ein Mann, der Steuersünder gnadenlos verfolgt.

Durch eine Reihe weiterer Zufälle, die jedoch nie plump wirken, freunden sich Moritz und der selbst ernannte „Python“ vom Finanzamt an. Damit die Scheinehe nicht auffliegt, muss Ines sogar bei ihrem Gatten für ein paar Tage und vor allem Nächte einziehen, um zum Schein die verliebte Ehefrau zu mimen.

Wie die Geschichte weitergeht, kann man sich denken. Und dass am Ende wirklich jeder Topf seinen passenden Deckel findet, überrascht dann auch nicht mehr. Wenn auch arg vorhersehbar, so ist „Wir tun es für Geld“ keinesfalls langweilig. Dafür sorgen allein ein paar wirklich nette Wendungen und eine erstaunlich große Vielzahl guter Gags, die nie aufgesetzt wirken und zudem sorgfältig entwickelt werden. Auch die Dialoge sind erstaunlich locker. Und selbst die Nähe des Films zur Boulevardkomödie stört nicht weiter, weil er die spießige Penetranz dieses Genres clever vermeidet.

Ähnlich überzeugend agiert auch das Schauspielerensemble. Allen voran TV-Comedystar Diana Amft („Doctor’s Diary“), die vor allem in einer herrlich vermurksten Liebesszene ihr humoristisches Talent beweist. Ludger Pistor zeigt, dass selbst pedantische Finanzbeamte ungewöhnliche Talente besitzen können. Und Florian Lukas („Weissensee“) verkörpert den vermeintlichen Loser Moritz erstaunlich nuancenreich. Kurzum: „Wir tun es für Geld“ ist ein sehenswerter Sommerspaß, der auch den Leuten vom Finanzamt gut gefallen wird.

Von Ernst Corinth

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