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Wird Ashton Kutcher ein guter Charlie Sheen?

Two and a half Men Wird Ashton Kutcher ein guter Charlie Sheen?

„Two and a half Men“ ist albern, chauvinistisch, sexy, frauenfeindlich, politisch unkorrekt – und lustig. Ashton Kutcher ersetzt nun Charlie Sheen in der Erfolgssitcom – kann das gut gehen?

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Neuzugang in Jesus-Optik: Ashton Kutcher (Mitte) soll „Two and a half Men“ am Leben erhalten – mit Angus T. Jones (l.) und Jon Cryer (r.).

Quelle: CBS

Klar, es ist eher so’n Männerding, ein kleines Fernsehrefugium für die bedrohte Spezies von Typen, die ihren Namen in den Schnee pinkeln und Pupsen lustig finden. Ist ja auch eine Weile her, dass eine Sitcom sich mal wirklich ausschließlich an Kerle richtete, denen Al Bundy zu blöd und „CSI“ zu trübsinnig ist. Es gab da „Hör mal, wer da hämmert“ mit Tim Allen oder „Wer ist hier der Boss?“ mit Tony Danza oder „Alf“ mit Alf. Aber dann, in den nuller Jahren, brach eine Flut von Frauenzeug wie „Desperate Housewives“ und „Sex and the city“ und „Gilmore Girls“ und „Susan“ und „Ellen“ und „Buffy“ und „Gossip Girl“ über die Fernsehwelt herein, und irgendwie hatten die TV-Macher vergessen, dass in jedem Mann „ein kleiner Junge wohnt, dem die Zeit an den Kragen will“, wie John Updike mal schrieb. Aber dann, 2003, kam die Rettung: „Two and a half Men“.

Ein promisker Werbejinglekomponist namens Charlie Harper (Charlie Sheen), sein verklemmter Chiropraktiker-(„Das ist wie ein richtiger Arzt!“)-Bruder Alan (Jon Cryer), dessen schulisch herausgeforderter Sohn Jake (Angus T. Jones), der teuflische Mutterdrachen Evelyn, wechselnde Strandschönheiten, die knorzige Haushälterin Berta – das ist das Personal. „TAAHM“ ist albern, chauvinistisch, sexy, frauenfeindlich, politisch unkorrekt – und lustig. Die Show hat Charlie Sheen aus dem Karrieretief heraus- (und ins nächste hinein-) befördert. Sie hat Angus T. Jones (17) zum bestbezahlten Minderjährigen im US-Fernsehen gemacht (250 000 Dollar pro 22-Minuten-Episode, Miley Cyrus bekam für „Hannah Montana“ „nur“ 12 500 Dollar). Und sie ist nicht totzukriegen: Rund 3400-mal war eine „TAAHM“-Folge bisher im deutschen Fernsehen zu sehen, hat der Branchendienst „Meedia“ ausgerechnet. Macht im Schnitt 20 Wiederholungen pro Folge. Derzeit zeigt PRO7 neue Folgen und Kabel 1 die erste Staffel – mit Spitzenquoten. In den USA ist die Show die erfolgreichste Sitcom der vergangenen Jahre. Sie läuft in 40 Ländern.

Lange ging es gut, dass Charlie Sheen (45) im wirklichen Leben quasi ein Alter Ego seiner Serienfigur war – ein sexsüchtiger Partyheld, der alles raucht, was sich in eine Zigarette drehen lässt. Aber dann: Absturz, Drogen, Pornostars, Mediengewitter, Twittergezicke mit Produzent Chuck Lorre, Größenwahn, Rauswurf mitten in der achten Staffel und eine bizarre Bühnentour namens „Torpedo of Truth“. Alles im echten Leben, wohlgemerkt.

In der neunten Staffel nun übernimmt Ashton Kutcher (37) den Hauptjob, Ehemann von Demi Moore (48), der sich bislang eher als Twittermaniac (6,8 Millionen Follow­er), dekorativer Mützenmann, „Versteckte Kamera“-Präsentator bei MTV („Punk’d“) und schauspielerischer Leichtmatrose hervortat. Seit dem Wochenende ist die erste Folge mit Kutcher im Kasten, am Ende des Drehs gab’s im Studio Applaus von den Kollegen, meldet CBS, ist doch klar. Ashton soll den Job „charmant und grundsolide“ erledigt haben. Und da haben wir schon das Problem.

Sheen hatte bei aller Selbstironie immer auch etwas Diabolisches an sich, etwas Tieferes, Erratisches. Zwei gefühlte Teufelshörnchen saßen auf seinem Dickkopf. Das tat der Show gut. Mehr noch: Es machte sie aus. Die Fans sind skeptisch („Ohne Sheen ist die Sache tot“). „Ich kann ihn nicht ersetzen, aber ich werde alles tun, um die Leute zu unterhalten“, sagt Kutcher. 500 000 Dollar bekommt er pro Folge, Sheen kassierte zuletzt 1,25 Millionen (den Gagenrekord hält Ray Romano mit zwei Millionen Dollar pro Episode für die CBS-Sitcom „Everybody Loves Raymond“).

Am 19. September läuft die neue „TAAHM“-Staffel in den USA an. In Deutschland, auf PRO7, steht noch eine ungesendete Staffel mit Sheen aus, hier ist Kutcher erst im Herbst 2012 zu sehen. Kutcher übernimmt nicht direkt Sheens Rolle, sondern kauft als liebeskranker Milliardär dessen Haus in Malibu, lässt Alan und seinen Sohn Jake aber weiter dort wohnen. Inzwischen verdichten sich Gerüchte, dass Charlie Harper in Folge  1 den Serientod stirbt – eine kleine Rache des beleidigten Produzenten Lorre: Charlie Harper heiratet seine Langzeitfreundin – und Stalkerin – Rose (die wunderbare Melanie Lynskey) und reist mit ihr nach Paris. Rose erwischt ihn mit einer anderen Frau unter der Dusche, kurz darauf gerät Charlie unter mysteriösen Umständen unter eine Metro und stirbt. Zu sehen ist das alles freilich nicht (Sheen hat geschworen, nie wieder einen Fuß in Lorres Studio zu setzen) – Rose erzählt die Geschichte bei seiner Beerdigung. Im Netz kursieren CBS-Setbilder, auf denen eines von Charlies Bowlingshirts einsam in einer Kapelle hängt, umgeben von Blumengebinden. Charlie Sheen selbst hat angekündigt, seinen Serientod im privaten Kreis zu feiern: „Ich werde meine ­Fake-Beerdigung in meinem echten Heimkino zusammen mit meinen echten Freundinnen verfolgen“, sagte er.

Kann das gut gehen? Es ist immer riskant, die Hauptperson einer Serie bei voller Fahrt auszutauschen. Charlie Sheen selbst übernahm im Jahr 2000 für den an Parkinson erkrankten Michael J. Fox die Hauptrolle in „Spin City“ (bei uns: „Chaos City“). Zwei Jahre später wurde die Serie eingestellt. Auch die Klinik-Comedy „Scrubs“ hauchte ohne Hauptakteur Zach Braff („Garden State“) nach acht Staffeln ihr Leben aus, ein Fortsetzungsversuch scheiterte. Die Zukunft von „TAAHM“ ohne Sheen? Sie steht auf ebenso tönernen Füßen wie dessen Karriere.

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