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Varoufakis fordert: "Hände weg von Böhmermann"

Affäre um Erdogan-Gedicht Varoufakis fordert: "Hände weg von Böhmermann"

In der Debatte um das Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann ergreift ausgerechnet Janis Varoufakis Partei für den Fernsehmoderator. "Hände weg von Jan Böhmermann", verlangt Griechenlands Ex-Finanzminister. Und auf Twitter fordern Nutzer: "Freiheit für Böhmermann!"

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Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis ergreift für Jan Böhmermann Partei.

Quelle: EPA/ALESSANDRO DI MARCO

Hannover. Immer mehr Menschen solidarisieren sich mit Jan Böhmermann. Am Montag ergriff Janis Varoufakis Partei für den Satiriker. Auf Twitter schrieb Griechenlands Ex-Finanzminister: "Europa verlor zuerst seine Seele (Vereinbarung mit der Türkei zu Flüchtlingen), jetzt verliert es seinen Humor. Hände weg von Jan Böhmermann." Dazu verlinkte Varoufakis auf eine Internetseite, auf der ein Transkript der "Neo Magazin Royale"-Sendung mit dem Erdogan-Gedicht veröffentlicht worden ist.

Am Wochenende hatte bereits Springer-Chef Mathias Döpfner in einem offenen Brief an den Satiriker geschrieben: "Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht." Und weiter: "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen Ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen."

Seit Wochen steht Moderator Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Schmähgedichts im Fokus des öffentlichen Interesses. Auch viele Prominente und Politiker beziehen Stellung.

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Am späten Sonntagabend schaltete sich dann Kabarettist Dieter Hallervorden in die Debatte ein und veröffentlichte das Lied "Erdogan, zeig mich an". Darin singt er unter anderem: "Ich sing' einfach, was du bist: Ein Terrorist, der auf freien Geist nur scheißt!" ( Hier finden Sie das gesamte Lied). In der Sendung "Anne Will" schlug sich Kabarettist Serdar Somuncu auf Böhmermanns Seite.

Unterstützung ausgerechnet von Varoufakius

Böhmermann hatte am 31. März in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" ein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen. Er wolle damit zeigen, was in Deutschland nicht erlaubt sei, erklärte der Fernsehmoderator. Bei der Mainzer Staatsanwaltschaft gingen anschließend mehrere Strafanzeigen ein. Deshalb laufen bereits Ermittlungen gegen Böhmermann.

Und jetzt erhält er ausgerechnet von Varoufakis Unterstützung: Dem Politiker war 2015 vorgeworfen worden, er habe in einem Video Deutschland den Mittelfinger gezeigt. Er bestritt dies, und Böhmermann behauptete dann, das Video gefälscht zu haben. Varoufakis gratulierte damals dem Fernsehmoderator. Humor, Satire und und Selbstironie seien großartige Mittel gegen blinden Nationalismus, schrieb Varoufakis auf Twitter. "Wir Politiker brauchen Sie dringend."

Kramp-Karrenbauer: Böhmermann raubt uns den Atem

Für seine Satire rund um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers hatte Böhmermann am vergangenen Freitag den Grimme-Preis erhalten und war zusätzlich vom Deutschen Volkshochschul-Verband geehrt worden. Der Fernsehmoderator sei ein "leidenschaftlicher Medienmacher, der uns manchmal den Atem raubt und uns in Atem hält", sagte Verbandspräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zur Begründung.

Der Satiriker selbst nahm nicht an der Grimme-Gala teil. "Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe. Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können", hatte er am Freitag auf seiner Facebookseite geschrieben, nachdem die Ermittlungen gegen ihn laufen und er öffentlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel gerügt wurde.

Bundesregierung prüft Wunsch der Türkei

Merkel hatte in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu das Gedicht als "bewusst verletzend" bezeichnet und so versucht, die Wogen zu glätten. Es gelang ihr offensichtlich nicht. In einer Verbalnote an das Auswärtige Amt verlangt die türkische Regierung die Strafverfolgung des Satirikers, wie am Sonntag bekannt wurde. Anfang der Woche sollen deswegen Mitarbeiter des Kanzleramts, des Auswärtigen Amts und des Justizministeriums zusammenkommen, hieß es aus Regierungskreisen.

Die Netzaktivistin Christine Doering hat mittlerweile eine Online-Petition mit dem Titel "Freiheit für Böhmermann" gestartet ( die Petition finden Sie hier). "Die verletzten Gefühle eines Herrn Erdogan dürfen keinen Einfluss auf die Pressefreiheit in Deutschland haben", schreibt sie dazu. Bis Montagmittag hatten mehr als 35.000 Menschen die Petition unterschrieben. Auf Twitter warben viele Nutzer unter dem Hashtag #FreeBoehmi dafür.

 

wer/are/sbü

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