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ZDF beschreibt in einem Fünfteiler die Geschichte des „Heiligen Krieges“

Mit Gott im Marschgepäck ZDF beschreibt in einem Fünfteiler die Geschichte des „Heiligen Krieges“

Kreuzzüge, Türken vor Wien, 9/11: Das ZDF beschreibt in einer fünfteiligen Dokumenatation die Geschichte des „Heiligen Krieges“. Darüber hinaus wollen die Autoren um den ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp in ihren 45-Minuten-Filmen daran erinnern, dass Gott auch im Christentum als Rechtfertigung für Krieg und Kriegsverbrechen herhalten musste.

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Die Kreuzritter legen einen Treueid ab. Kaiser Alexios I. lässt das Gefolge des Ersten Kreuzzugs daraufhin den Bosporus passieren.

Quelle: ZDF

Mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat ein Begriff in unseren Wortschatz zurückgefunden, der längst im Historischen Wörterbuch zu verstauben schien: der Heilige Krieg. Eines der zentralen Glaubensprinzipien des Islam, der Dschihad, wird häufig mit dieser Bezeichnung aus dunkelsten mittelalterlichen Zeiten gleichgesetzt. Seit den Anschlägen von New York, Pennsylvania und auf das Pentagon steht der Dschihad für die religionsideologische Rechtfertigung für Krieg und Terror, der Islam wird allzu häufig als „Religion der Gewalt“ angesehen.

Das ZDF fragt nun in einer fünfteiligen Reihe, ob der Dschihad wirklich das aus dem Koran abgeleitete Recht bedeutet zu töten und ob „Heiliger Krieg“ wirklich die passende Übersetzung ist. Oder ob nicht eher die muslimischen Gelehrten recht haben, die sagen, der Dschihad dulde nicht den Mord an Unschuldigen und schon gar keinen Terror. Darüber hinaus wollen die Autoren um den ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp in ihren 45-Minuten-Filmen daran erinnern, dass Gott auch im Christentum als Rechtfertigung für Krieg und Kriegsverbrechen herhalten musste. Schließlich fragen sie, wo die geschichtlichen Wurzeln der Auseinandersetzung zwischen Islam und Christentum liegen.

Nachdem im ersten Teil der Reihe die Anfänge des Islam und der Wandel von der reinen Überzeugungskraft des Wortes hin zum „Schwert des Propheten“ im Fokus stehen, geht es in Teil 2 um die Kreuzzüge. „Gott will es“ – mit diesen Worten warb Papst Urban II. für die Rückeroberungstour ins Heilige Land. Ziel war Jerusalem, das sich seit dem Jahr 638 in muslimischer Hand befand. Den Männern unter Führung von Gottfried von Bouillon gelang es schließlich, 1099 die Stadt einzunehmen. Der anschließende Mord an 20.000 Bewohnern der Stadt in nur drei Tagen präge, so der Film, das kollektive Gedächtnis des Islam bis heute. Seitdem habe „Kreuzzug“ im Islam den gleichen negativen Klang wie „Dschihad“ heute in weiten Teilen der westlichen Welt. „Die Erinnerung an die Kreuzzüge blieb über die Jahrhunderte lebendig“, sagt in der zweiten Folge die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer.

Nach den Folgen über die „Türken vor Wien“ und den Versuch des deutschen Kaisers im Ersten Weltkrieg, die muslimische Welt gegen Engländer und Franzosen zu mobilisieren, endet der Fünfteiler mit dem Film über den 11. September 2001. In der kleinen Serie, die dienstags um 20.15 Uhr und sonntags um 19.30 Uhr läuft, greift Knopp auf seine altbewährten Mittel zurück: Das historische Geschehen wird in Spielszenen und mit Computeranimationen dargestellt. Experten, die vor Bücherwänden sitzen, liefern dazu in kurzen, prägnanten Sätzen ihre Analyse. Dramatische Musik erinnert den Zuschauer daran, dass er nun etwas Dramatisches sieht.

Erkennbar wird die Wechselbeziehung zwischen Christentum und Islam. Muslime und Christen haben – bei allem fruchtbaren Miteinander, das es natürlich auch gab – beide immer wieder religiöse Gefühle als Kriegsgrund und als Motivation ihrer Gotteskrieger missbraucht. Die Aggressionen gingen mal von dieser, mal von jener Seite aus. Trotzdem dürfen die beiden zentralen Begriffe „Kreuzzug“ und „Dschihad“ nach Meinung des Historikers Nikolas Jaspert, der das ZDF wissenschaftlich beraten hat, nicht in einen Topf geworfen werden. „Die Islamwissenschaften haben doch eindeutig gezeigt, dass der Dschihad der weiter gefasste Begriff ist, weil er eben nicht nur, wie der Kreuzzug, militärische Formen der Auseinandersetzung propagiert, sondern eben auch das geistige Streben nach Ausbreitung des Islam.“

Egal, wie man es dreht und wendet, sollte doch am Ende die (nicht sehr neue) Einsicht stehen, dass Religionen von ihren fundamentalistischen Irrläufern unterschieden werden müssen und ein Krieg generell nicht heilig sein kann.

„Der Heilige Krieg“ | ZDF
fünfteilige Dokureihe
dienstags, 20.15 Uhr
sonntags, 19.30 Uhr

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Von Redakteur Kristian Teetz

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