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ZDF-"donnerstalk": Zu viel in zu kurzer Zeit

Neues Format mit Dunja Hayali ZDF-"donnerstalk": Zu viel in zu kurzer Zeit

Auf dem Sendeplatz von Maybrit Illner darf sich während der Sommerpause Dunja Hayali austoben. Sie nimmt bekanntlich kein Blatt vor den Mund. Ihr "donnerstalk" hatte Donnerstagabend Premiere. Eine Rückschau von Christoph Stephan.

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ZDF-Moderatorin Dunja Hayali präsentiert den "donnerstalk".

Quelle: Britta Pedersen

Hannover. Für langsame Gemüter ist das neue Sendeformat aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin nicht geeignet. Innerhalb von einer Stunde hetzte Dunja Hayali mit ihren Zuschauern und Gästen gleich durch drei große sozialpolitische Themen unserer Zeit: Es ging um den in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft gärenden Hass auf Flüchtlinge, die unvorstellbaren Dimensionen von Mobbing im Internet und die Doppelmoral der Krankenkassen beim Einsatz von Assistenzhunden für Behinderte. Jedes dieser Themen war ausgesprochen spannend und auch gut erzählt dank interessanter Gäste im Studio. Leider wirkte der "donnerstalk" jedoch angesichts der Gesamtsendezeit von 60 Minuten von Anfang an getrieben. Die Zeit zum Vertiefen der guten Geschichten fehlte.

1. Themenblock – Die Angst vor dem Flüchtlingsheim:

Asylgegner demonstrieren Ende Juni in Freital bei Dresden gegen ein Flüchtlingsheim.

Quelle: Oliver Killig

Bundespräsident Joachim Gauck sagt "Widerwärtig!". Innenminister Thomas de Maizière (CDU) will mit aller Härte gegen Übergriffe auf Flüchtlingsheime vorgehen. Aber was tut man gegen die Angst, die gefühlte Ohnmacht der Bürger? Auf diese Frage versucht Dunja Hayali eine Antwort zu finden. Die bekannten Bilder aus Freital bei Dresden werden zuerst eingespielt, ältere Menschen die sich vor laufender Kamera in Rage reden. Das Vorurteil vom Schlaraffenland Asylbewerberheim scheint hier allgegenwärtig zu sein.

Hayali nimmt diese O-Töne zum Anlass für einen Abstecher nach Berlin-Marzahn, wo ein "Tag der offenen Tür" stattfindet. Linke wie rechte Demonstranten sind schon da, aber auch Mütter mit Kinderwagen, ganze Familien, ältere Herren aus der Nachbarschaft. Was sie zu sehen bekommen, sind keine goldenen Wasserhähne, kein Luxus im Flüchtlingsheim. Stattdessen knapp 16 Quadratmeter große Zimmer mit zwei Betten, Schränken, einem Tisch und einem Kühlschrank.

Dann Ortswechsel zu einer schicken Berliner Einfamilienhaussiedlung, nicht sehr weit vom Flüchtlingsheim entfernt. Dunja Hayali trifft zwei Rentner, beide sind gegen das Heim. Sie fürchten um die Lebensqualität in ihrer Siedlung. Der eine kommt gerade vom Einkaufen, die Verpackung hält er noch in den Händen: "Ein Bewegungsmelder? Den haben Sie aber jetzt nicht extra wegen der Flüchtlinge angeschafft, oder?", fragt Hayali.

Die Männer druchsen herum. "Wer weiß, was da alles kommt?" "Menschen", antwortet Hayali. "Schon richtig, aber es gibt auch Menschen, die sich wie Tiere benehmen", entgegnet der Mann im Unterhemd. Zurück im Studio gibt es noch einen kurzen Schlagabtausch zwischen dem Polit-Blogger Sascha Lobo und dem AfD-Politiker Alexander Gauland. Lobo warnt vor dem "grundlegenden Überlegenheitsgefühl" der Deutschen. Gauland kritisiert das Versagen der Bundespolitik, da diese "verschiedene Gruppen von Flüchtlingen in einen Topf" werfe.

2. Themenblock – Die Gefahr aus dem Netz:

Böswilliger Schwarm im Netz: Mobbing im Internet ist eine oft noch unterschätzte Gefahr.

Quelle: Oliver Berg

Die Diskussion zur Flüchtlingspolitik, die vor allem in den sozialen Netzwerken drastische Töne anschlägt, leitete gut über zum nächsten großen Thema im "donnerstalk". Es ging um das viel zu oft unterschätzte Cybermobbing. Dunja Hayali erzählt die Geschichte von Dieter Matz, Journalist beim "Hamburger Abendblatt" und Betreiber des HSV-Blogs "Matz ab". Ein, so wirkt es zumindest äußerlich, absolut gestandener Mann.

Doch er hat erlebt, was wüste entwürdigende Beschimpfungen in der anonymen Welt des Internets bei einem Menschen auslösen können. Dieter Matz rutschte in einen Burn Out, brauchte psychologische Hilfe. Weil die, die ihn im Netz bedrohten, bestens Bescheid wussten über seinen genauen Tagesablauf, fühlte er sich auch im engsten Freundes- und Familienkreis zunehmend verfolgt.

Der böswillige Schwarm aus dem Netz ergriff immer mehr Besitz von Dieter Matz' Leben. Selbstmordgedanken spielten plötzlich eine Rolle. "Ich habe versucht, die Täter anzuzeigen, doch die sind einfach viel zu schwer zu ermitteln", sagt der Sportjournalist. Hilfe fand Matz schließlich in der eigenen Redaktion. Heute stehen ihm Kollegen zur Seite, die gegen seine Person gerichtete aggressive Kommentare herausfiltern.

3. Themenblock – Monica Lierhaus und ihr Hund Pauline:

Nach ihrer schweren Hirn-OP kämpft sich Monica Lierhaus zurück ins Leben.

Quelle: Daniel Reinhardt

Das Interview, das die ehemalige "Miss Sportschau" vor wenigen Tagen dem "Redaktions Netzwerk Deutschland" gegeben hatte, schlug hohe Wellen. Über ihre Aussage, dass sie die lebensrettende Hirn-OP nicht wiederholen würde und ihr "tot möglicherweise viel erspart worden wäre", wurde in den sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert. Der ZDF-"donnerstalk" knüpfte gleich zu Beginn an das RND-Interview mit Lierhaus an.

Die teils scharfe Kritik im Internet an ihrer Aussage könne sie nicht nachvollziehen. "Ich verstehe das alles nicht. Ich habe da nur für mich ganz persönlich gesprochen, ich wollte niemanden beleidigen, war einfach nur ehrlich", erklärte Lierhaus. Zwischen der Fernsehmoderatorin, die sich eindrucksvoll ins Leben zurückkämpft, und Dunja Hayali hatte Pauline Platz genommen, der kleine Therapiehund von Monica Lierhaus. "Sie beruhigt mich einfach. Sobald ich unruhig oder traurig werde nehme ich Pauline, dann kuscheln wir zusammen und schon geht es mir besser. Ich bin so unendlich froh, dass ich sie habe."

Das Thema Assistenzhund bei Behinderten, für das Monica Lierhaus im "donnerstalk" als prominenter Pate steht, bietet mehr als niedliche Bilder. Es geht in erster Linie um einen echten sozialpolitischen Konflikt. Denn die Krankenkassen unterscheiden bei der Finanzierung zwischen klassischen Blindenhunden und anders spezialisierten Therapiehunden. Die im Einspieler vorgestellte Bonnie spürt beispielsweise, wenn ihr an Diabetes erkranktes Herrchen Unterzucker kriegt und alarmiert ihn. Das hat dem Mann schon mehrmals das Leben gerettet. Für die Krankenkassen jedoch kein Grund, sich an den Kosten für Bonnie finanziell zu beteiligen.

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