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19:41 13.10.2011
Knallharte Ermittlerin mit brüchiger Seele: Katrine Ries Jensen (Laura Bach) in der Krimiserie „Nordlicht – Mörder ohne Reue“. Quelle: ZDF

Eine Sarah Lund ist Katrine Ries Jensen noch nicht. Aber zur Kultfigur wie die stets im Pullover ermittelnde Kommissarin aus der Fernsehserie „Das Verbrechen“ wird eben nicht jede der Polizistinnen aus dem reichen Angebot dänischer Krimiserien. Doch auch die von Laura Bach verkörperte Kripo-Frau Jensen, die jetzt im ZDF in der Serie „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ zu sehen ist, hat das gewisse Etwas, das die Produktionen made in Denmark international so erfolgreich macht. Es sind die starken Frauen – professionell bis in die lackierten Fingerspitzen, zugleich aber sensibel und verletzlich –, die den Zuschauer nicht nur der Aufklärung des Falles entgegenfiebern lassen, sondern ihn auch in psychologische Tiefen eintauchen lassen.

Komplizierte Plots und Psychen – das ist die Masche, aus der schon so manche dänische Serie gestrickt wurde, seit der öffentlich-rechtliche Sender DR mit „Rejseholdet“ – „Die Spezialisten“ – neue Maßstäbe in Sachen TV-Dramaturgie gesetzt hat. Britische Vorbilder, gute heimische Schauspieler, interessante Charaktertypen und eine in allen Serien vorherrschende skandinavische Düsternis geben den Sendungen das typisch dänische Flair – auch wenn die schaurigen Verstrickungen mit dem Alltagsleben in Dänemark so wenig gemeinsam haben wie die Inga-Lindström-Schnulzen mit dem wirklichen Schweden. Dass Kopenhagen eine hervorragende Filmschule hat, aus der eine ganze Reihe bekannter Regisseure hervorging, ist ein weiterer Garant für den Erfolg.

Auch Schweden hat eine lange Fernsehkrimitradition. Doch während die Becks und Wallanders oder Stieg Larssons Millennium-Trilogie verfilmte Bücher sind, stammen die dänischen Erfolge aus der Feder erfahrener Drehbuchschreiber, die sich bestens mit den Möglichkeiten und Beschränkungen des Mediums Fernsehen auskennen.

Hohe Erwartungen

„Die Spezialisten“, „Ørnen“ (Der Adler – Spur des Verbrechens), „Livvagterne (Protectors)“ – all diese Serien haben den Fernseh-Oscar „Emmy“ gewonnen, als beste nicht amerikanische Dramaserien. „Das Verbrechen“ wurde nach dem Megaerfolg auf BBC 4 sogar mit dem britischen „Bafta“-Preis ausgezeichnet. Und das US-Fernsehen hat die Vorlage gekauft und durchaus gelungen amerikanisiert.

In dieser Reihe kann „Den som dræber“ (Der, der tötet), wie „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ im Original heißt, nicht ganz mithalten. Zwar spricht das ZDF in der Vorankündigung von einem „Straßenfeger“, dies traf in Dänemark aber nur auf die erste Folge zu: 1,5 der gut fünf Millionen Dänen schalteten da ein. Die Erwartungen an die Serie waren hoch: Erstmals hatte der Sender TV 2 den Wettstreit mit dem Krimi-Führer DR gewagt, hatte vier Jahre Produktionszeit auf sich genommen und zwölf Millionen Euro investiert.

Doch weder Kritiker noch Publikum waren richtig begeistert, und die Zuschauerzahlen stürzten auf 600.000 ab. Zum Vergleich: „Protectors“ hatte durchschnittlich 1,3 Millionen Zuschauer, und die Ermittlungen der Sarah Lund in „Verbrechen“ verfolgten konstant 1,5 bis 1,75 Millionen Dänen – zu den meist diskutierten Fragen im Lande zählte jene nach dem Mörder der Gymnasiastin Nanna Birk Larsen. So viel Mitgefühl gab es für die Opfer der Serienmörder aus der Serie „Nordlicht“ nicht.

Ihnen heften sich die zähe Jungkommissarin Katrine Ries Jensen und ihr sensibler Psychologen-Partner Thomas ­Schaeffer an die Fersen. Zugleich aber sind sie mit ihrer eigenen leidvollen Geschichte konfrontiert, mit lieblosen Eltern und Missbrauch in der Familie.

Eine Gemengelage, die bei vielen durchfiel: „Mit Klischees überlastet“, „himmelschreiende Unwahrscheinlichkeiten“, „Schablonen statt Personen“ – so lauteten einige harsche Kritikerurteile, während nur wenige die Spannung lobten und der Story Bestnoten gaben. Doch übertrieben viel Brutalität ließ in Dänemark, wo der Sonntagskrimi gerne Teil des Familienlebens ist, viele Zuschauer wegschalten. Trotzdem: Für 2012 steht eine weitere Staffel der „Mörder ohne Reue“ auf dem Programm.

Nordlicht – Mörder ohne Reue“ läuft immer freitags um 23.20 Uhr auf ZDFneo – das ZDF nimmt die sechsteilige Serie am Sonntag um 22 Uhr ins Programm.

Hannes Gamillscheg

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