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Kleingangsterrapper und eleganter Schnitter

„TVLab“ auf ZDFNeo Kleingangsterrapper und eleganter Schnitter

ZDFNeo lässt im „TVLab“ die Zuschauer über das künftige Programm abstimmen. Spartenfans dürfen aus drei fiktionalen Formaten wählen. Eins davon geht am Ende in Serie.

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Anbiedernde Sitcom: Hardy (Sascha Reimann „Ferris MC“, links) und Sol (Eko Fresh) in „Blockbustaz“.

Quelle: ZDF

Erinnert sich noch jemand an den „Wunschfilm der Woche“? Das ZDF stellte irgendwann in den Achtzigern mitten im Sommerloch drei Spielfilme per Postkartenvotum zur Wahl, und siehe da – das interaktive Fernsehen stand auf einer neuen Stufe. Zumindest fast. Maximal 30 000 Postkarten waren bei 65 Millionen potenziellen Gästen am Lagerfeuer der Republik (West) ja kein so richtig repräsentativer Ausschnitt. Und kulturell bildeten die drei Wiederholungen, von denen viele ohnehin zum Standardrepertoire jeder dritten Jahreszeit gehörten, auch nicht grad zur Crème de la Crème des Fernsehens. Womit wir bei ZDFneo wären.

Dort sind 30.000 Zuschauer eher Ausnahme als Regel. Wenn der vermeintliche Zielgruppenkanal für die Generation Internet sein Programm zwischendurch mal vom Publikum wählen lässt, dürfte die Zahl der Abstimmenden also im mikroskopischen Bereich liegen. Trotzdem veranstaltet der Sender – Zuschaueraltersschnitt konstant überm geplanten Höchstalter von 49 Jahren – nun schon zum vierten Mal sein „TVLab“. Spartenfans dürfen diesmal aus drei fiktionalen Formaten wählen. Eins davon geht am Ende in Serie. Heute werden die halbstündigen Pilotfolgen ab 21.45 Uhr hintereinander weggezeigt.

Natürlich ist es ein überaus ehrenwerter Ansatz, die Konsumenten auch über die quantitative Messung der Quote hinaus an der Angebotserstellung zu beteiligen. In den ersten zwei Jahren ist am Ende schließlich durchaus Bemerkenswertes fortgesetzt worden. Zum Auftakt 2011 zum Beispiel das grandiose Großstadtmagazin „Bambule“ mit der hinreißenden Sarah Kuttner. Außerdem die erfrischend aufsässige Reportage-Reihe „German Angst“ mit dem unerschrockenen Micky Beisenherz auf der Suche nach deutschen Befindlichkeiten. Dummerweise hatte mit der nicht nur  orthografisch unvollkommenen „Teddy’s Show“ billige Clip-Comedy gewonnen.

Womit wir wiederum bei „Blockbustaz“ wären. Das nämlich ist der zweite dreier Beitragsvorschläge 2014 – und mit „anbiedernd“ noch wohlwollend umschrieben. Die Sitcom um den Kleingangsterrapper Eko Fresh, der als kiffender Schlaffi von 30 Jahren durch eine Kölner Plattenbausiedlung prollt, wanzt sich so berechenbar ans YouTube-Volk ran, dass Regisseur Jan Markus Linhof ebenso gut Brechbilder aus dem Berghain-Klo kompilieren könnte. Nur unwesentlich anspruchsvoller schleimt sich Erik Schmitts Dramedy „Alibi Agentur“ zuvor personell bei der internetaffinen Kundschaft ein. Die Idee eines Berliner Dienstleisters, der Menschen mit Doppelleben glaubhafte Zweitbiografien bastelt, ist im Grunde gar nicht mal übel. Doch den Webstar Friedrich Liechten-stein zum Fremdgänger der ersten Folge zu machen ist ähnlich subtil wie Stefan Effenberg beim Promi-Turmspringen. Mit seiner Edeka-Reklame mag er bekannt geworden sein, doch als Schauspieler ist Liechtenstein untauglich.

Einzig das letzte Format am Abend ist ästhetisch wie dramaturgisch so professionell produziert, dass es den Ansprüchen des Mediums genügt. In „Jetzt ist Sense“ von Michael Kupcyk spielt Comedien Alexander Schubert (auch verantwortlich fürs Drehbuch) den hibbeligen Schlüsseldienstler Andi, der dem Tod einst von der Schippe sprang, weshalb er ihn nun leibhaftig sehen kann. Und Antoine Monot Jr. spielt diesen eleganten Schnitter mit lässiger Langhaarfrisur auf furiose Weise.

Das Format dürfte bei der heutigen Abstimmung gegen die schlampig, aber publikumswirksam produzierten „Blockbustaz“ dennoch keine Chance haben. Es sei denn, es finden sich noch ein paar Tipper für „Jetzt ist Sense“. Bei den üblichen Abstimmungszahlen reichen zehn Stimmen schnell mal für ein ganzes Prozent …

Von Jan Freitag

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