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Fernsehen Zuschauer streiten über Kölner "Tatort"
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22:57 15.01.2017
Hannover

Ein Mann mit Kapuze überfällt eine Zoohandlung in Köln. Plötzlich fällt ein Schuss – der Sohn des Geschäftsinhabers stirbt. Der Kapuzenmann rennt unerkannt weg. Für eine Reihe "rechtschaffener Bürger" im Viertel ist der Fall sofort klar: Es war "einer von diesen Nordafrikanern".

Der Kölner "Tatort: Die Wacht am Rhein" entstand nach der Kölner Silvesternacht von 2015, er griff ein hochaktuelles, brisantes Thema auf und spiegelte die derzeitige gesellschaftliche Gemengelage recht gut wider:

  • Es gab nordafrikanische Kleinkriminelle, die keinen Pass haben und deshalb nicht abgeschoben werden können.
  • Es gab den etablierten Ladenbesitzer, der aufgrund seiner Abstammung plötzlich komisch angeguckt wird, um seinen Ruf fürchtet und darüber wütend ist.
  • Es gab eine Mutter, die sich kaum noch allein auf die Straße traut und sich in der eigenen Stadt unsicher fühlt.
  • Es gab Rechtspopulisten, die das latente Angstgefühl in der Bevölkerung für ihre Zwecke ausnutzen.
  • Und es gab die sogenannten Gutmenschen, die davor warnen, alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren und versuchen, ihnen Arbeit zu vermitteln – was aber an behördlichen Auflagen scheitert.

Die "Wacht am Rhein" lieferte ein Plädoyer gegen Vorverurteilungen und machte darauf aufmerksam, wie Perspektivlosigkeit in die Kriminalität drängen kann. Die Zuschauer reagierten darauf unterschiedlich. Bei vielen kam der Fall gut an.

Andere Zuschauer störten sich dagegen daran, wie der "Tatort" endete – weil es kein Nordafrikaner gewesen, der den Sohn des Geschäftsinhabers erschossen hatte. 

Diese Kritiker sahen im "Tatort" einen neuen Fall von "Erziehungsfernsehen".

90 Minuten lang sahen sie den erhobenen Zeigefinger.

Und da gab es noch eine dritte Gruppe unter den Zuschauern: Viele würden wieder gern einen unpolitischen Krimi sehen. Zum Beispiel einen Mord aus Eifersucht.

Oder einen Mord aus Habgier.

Von RND/wer/may

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