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Fernsehen "extra 3" bietet Erdogan "schmutzigen Deal" an
Nachrichten Medien Fernsehen "extra 3" bietet Erdogan "schmutzigen Deal" an
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08:24 31.03.2016
Mitarbeiter des Monats: "Extra 3"- Moderator Christian Ehring und der türkische Präsident Erdogan im Hintergrund. Quelle: screenshot/NDR
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Hamburg

Mit dem knapp zweiminütigen Satire-Beitrag "Erdowie, Erdowo, Erdogan" hat das NDR-Magazin "extra 3" für diplomatischen Wirbel gesorgt. Wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Einbestellung des deutschen Botschafters hat das Magazin nun nachgelegt - auf ihre Weise.

In der Folgesendung des Magazins (komplett online in der NDR-Mediathek) wurde der türkische Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Mitarbeiter des Monats gekürt. Zudem wurde der von Erdogan kritisierte Beitrag erneut ausgestrahlt - diesmal zusätzlich mit türkischen Untertiteln. Moderator Christian Ehring begründete die Aktion auf seine Weise: "Vielleicht hat Erdogan den Beitrag nicht verstanden?", fragte er ironisch.

Spott für Bundesregierung

Zudem kündigte er an, dass die "extra 3"-Redaktion zur Deeskalation beitragen wolle. Man könne einen "kleinen, schmutzigen Deal" anbieten, "so wie das auch beim Thema Flüchtlinge funktioniert hat", sagte Moderator  Ehring ironisch: "Für jeden Gag, den türkische Satiriker machen dürfen über den Präsidenten, nehmen wir von 'extra 3' einen Erdogan-Gag zurück." Der Moderator spielte damit erneut auf die eingeschränkte Pressefreiheit in der Türkei an. Momentan stehen dort zwei Journalisten der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" wegen des Vorwurfs von Spionage und Terrorunterstützung vor Gericht.

Aber auch die Bundesregierung bekam ihr Fett weg. "extra 3"-Moderator Christian Ehring machte sich über den Umgang mit der türkischen Kritik an der Erdogan-Satire lustig. "Das ist eigentlich ganz einfach in Deutschland: Wenn Sie Kritik hören wollen, schauen Sie 'extra 3'. Wenn Sie keine Kritik hören wollen, sprechen Sie mit der Bundeskanzlerin", sagte Ehring in der am Mittwochabend ausgestrahlten Sendung. Im Hintergrund stand ein gerahmtes Erdogan-Porträt neben einem Gartenzwerg.

"Heute machen wir die 2.000 voll"

Zu Wochenbeginn war bekannt geworden, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den deutschen Botschafter einbestellt hatte, weil die Satiriker mit einem auf "Erdowie, Erdowo, Erdogan" umgedichteten Nena-Song den Umgang des Präsidenten mit Pressefreiheit und Menschenrechten kritisiert hatten. Deutsche Journalisten und Politiker zeigten sich empört. Die Bundesregierung geriet in die Kritik, weil sie sich zu zögerlich gegen das diplomatische Vorgehen der Türkei gestellt und erst verspätet öffentlich für Pressefreiheit Stellung bezogen habe.

Schon vor der Sendung hatte "extra 3" über soziale Medien angekündigt, sich keinesfalls zurückzuhalten. "Seit Erdogan Präsident ist, laufen in der Türkei sage und schreibe 1.845 Verfahren wegen Präsidentenbeleidigung. Heute Abend machen wir die 2.000 voll!" schrieb die Redaktion kurz vor der Sendung in dem sozialen Netzwerk Facebook und ernannte sich selbst zum "NDeRdogan Fernsehen".

zys/epd

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