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„Roter Faden durch den Tag“

„heute“-Nachrichten im ZDF „Roter Faden durch den Tag“

Moderator Christian Sievers spricht über die „heute“-Nachrichten, Israel und Internet als Konkurrenz zum Fernsehen.

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Christian Sievers ist das neue Gesicht der „heute“-Nachrichten im ZDF.Foto: dpa

Quelle: Carmen Sauerbrei

Die letzten fünf Jahre waren Sie ZDF-Korrespondent in Israel, nun kommen Sie als Moderator der "heute"-Nachrichten zurück nach Mainz. Wie fühlt es sich an, wieder dauerhaft in Deutschland zu sein?

Ich habe versucht den verlässlichen Sonnenschein vom Mittelmeer mitzubringen. Es ist mir leider nicht gelungen. Aber im Ernst: Wenn sie in den letzten Jahren als täglicher "Zulieferer" für die Redaktionen in Deutschland tätig waren, ist der Kontakt natürlich nie abgerissen. Viele Kollegen kenne ich seit Jahren und ich freue mich jetzt auf eine noch engere Zusammenarbeit. Es gibt auch einiges, was man an Deutschland schätzen lernt, wenn man mal längere Zeit weg war, zum Beispiel, dass das Wasser aus dem Hahn hier trinkbar ist.

Wie war die Arbeit in Tel Aviv für Sie?

Sehr abwechslungsreich. Aber auch sehr fordernd. Das ist ein Job, bei dem man 24 Stunden auf der Hut sein muss, weil immer etwas passieren kann. Aber ich fand die Zeit in Israel auch immens bereichernd. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, Schicksale erlebt, die ich nicht mehr vergessen werde. Darunter sind viele traurige Geschichten, aber auch einige, die Hoffnung machen.

Was haben Sie als größte Herausforderung während Ihrer fünf Jahre als ZDF-Korrespondent in Israel empfunden?
Es ist wichtig, den neutralen Blick zu behalten, obwohl die Konfliktparteien ständig und sehr massiv versuchen, die Medien jeweils für ihre Seite zu vereinnahmen. Da kommt es darauf an, so viel wie möglich selbst vor Ort zu verifizieren. Eine noch größere Herausforderung war es aber vielleicht zu zeigen, dass Krieg in dieser Region nicht alles ist. Mir war es ein großes Anliegen, auch die Geschichten zu erzählen, die mit Konflikt und Krisen nichts zu tun haben. Ich denke da zum Beispiel an die besondere und berührende Anziehungskraft, die Berlin neuerdings auf viele junge Israelis hat.

Trotzdem ist es ja eine sehr gefährliche Region. Gab es Momente, in denen Sie sich in Gefahr gefühlt haben?
Ja. Es gab solche Momente, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Manchmal reicht eine falsche Abbiegung, und sie stehen bei einer gewalttätigen Demonstration im Hagel der Geschosse. Und auch wenn eine Rakete nur ein paar Hundert Meter entfernt vom Drehteam einschlägt, fragt man sich schon: Was machen wir hier eigentlich?

Wie wichtig sind soziale Medien wie Twitter, wenn man in Krisengebieten als Journalist arbeitet?
Twitter ist zu einem essenziellen Werkzeug für Reporter geworden. Gerade in schwierigen Krisengebieten. Als Informationsbörse und um Kontakt zu Kollegen aufzunehmen. Twitter ist wahnsinnig schnell und sehr unmittelbar. Es ist aber wichtig zu prüfen, wer da was schreibt, wem man vertrauen kann. Man muss wissen, von wem die Informationen kommen.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat Sie als Reporter gelobt: Sie könnten Schicksale erzählen, die Zuschauer mitnehmen und politische Analysen in wenige klare Worte fassen - warum werden Sie dann jetzt Moderator der „heute“-Nachrichten?
Das sind ja alles Fähigkeiten, die auch einen guten Moderator ausmachen. Dinge einordnen, sie auf den Punkt bringen. Es ist wichtig, Nachrichten so aufzubereiten, dass sie verständlich sind und den Zuschauer packen. Damit der am Ende sagt: Das hat sich gelohnt.

Nachrichten gibt es heutzutage überall im Internet - wie müssen Fernsehnachrichten sein, um noch einen Mehrwert zu bieten?
Ich glaube, ein Angebot wie die „heute“-Sendung ist wichtiger denn je. Natürlich kann man sich alle zehn Sekundie Newsupdates herunterladen und bekommt dann zwei Zeilen zu Unmengen unterschiedlicher Themen. Am Ende eines langen Nachrichtentages lässt einen das unbefriedigt und verwirrt zurück. Außerdem sind viele Informationen ja auch ungesichert, gerade wenn sie via soziale Medien ausgetauscht werden. Deshalb finde ich es wohltuend, dass es Sendungen gibt, die all diese Meldungen verlässlich einordnen. Als roter Faden durch die Geschehnisse des Tages.

Nachrichten dürfen heutzutage ja auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern etwas freier moderiert werden. Wie wollen Sie das handhaben?
Ich habe von meinem ersten Chef immer gehört: Verzichte auf Floskeln, formuliere so klar wie möglich und vermeide Passivkonstruktionen. Daran versuche ich mich zu halten. Und wenn’s gelingt, bin ich glücklich.

Interview: Anne Grüneberg

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