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Abmahnungen – ein lohnendes Geschäft

Netzgeflüster Abmahnungen – ein lohnendes Geschäft

Eine Wachstumsbranche, von der kaum einer spricht, ist das Abmahnwesen, also das Verschicken von kostenpflichtigen Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen, sprich Raubkopien im Internet.

Eine Statistik, die auf Zahlen in Foren, von Betroffenen und damit befassten Anwälten beruht, nennt jedenfalls erstaunliche Zahlen.

Verschickt wurden demnach 2010 rund 576.000 Abmahnungen. Und hätten alle Betroffenen brav bezahlt, hätte dies einen Endbetrag von etwa 412 Millionen Euro ergeben. Die Zahlerquote liegt allerdings nur bei knapp 40 Prozent, was aber immer noch einen stolzen Betrag ergibt.

Kein Wunder, dass sich immer mehr an diesem Geschäft beteiligen. Bei den abgemahnten Werken wurde im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von rund 63 Prozent ermittelt auf nun insgesamt 3677 Werke, die Zahl der Abmahnkanzleien stieg im gleichen Zeitraum von 29 auf 44. Und manchen Raubkopierer hat es dann gleich doppelt erwischt. So ist ein Fall bekannt, wo Leute nicht nur wegen eines raubkopierten Films belangt wurden, sondern zusätzlich wegen der damit natürlich verbundenen raubkopierten Filmmusik. Ein Vorgang, den sich zwei Kanzleien sauber geteilt haben.

Im Mittelpunkt des Abmahnwesens stehen immer noch MP3-Musikdateien, Filme und Pornos. Computerspiele, Software und eBooks machen dagegen nur sieben Prozent aller Abmahnungen aus. Ob diese Zahlen mit den bevorzugten Medien von Raubkopieren übereinstimmen, wurde leider nicht ermittelt. Aber mit geklauter Software fing ja alles einmal im Netz an.

Und das Risiko erwischt zu werden, das hat kürzlich eine andere Untersuchung ergeben, fällt mit dem Alter der raubkopierten Werke. Klagen gab es 2010 natürlich auch. Insgesamt wurden 150 ermittelt und 77 Mahnbescheide verschickt. Für 70 Prozent davon sind allein zwei Kanzleien verantwortlich. Bei der Menge von Abmahnungen, die besonders diese beiden Anwaltsbüros regelmäßig verschicken, wird man schon an juristischer Fließbandarbeit erinnert. Und dafür studiert man dann wirklich Jura?

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