Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Apple und Amazon bieten erneut verbotene Nazi-Musik an

Rechtes Liedgut Apple und Amazon bieten erneut verbotene Nazi-Musik an

Fast alles, was Apple und der Internethändler Amazon derzeit anfassen, scheint sich in barer Münze auszuzahlen. Angesichts neuer Rekordumsätze merkte ein Börsenanalyst kürzlich an: „Die machen einfach alles zu Geld.“ Wie nah dieser Satz der Wahrheit kommt, ist in diesen Tagen in den Internetläden der beiden Unternehmen sichtbar geworden: Zum wiederholten Male konnten Nutzer dort verbotenes rechtes Liedgut kaufen.

Voriger Artikel
Die Flaschensammler gehen online
Nächster Artikel
Widerspruch gegen Streetside ab Montag möglich

Horst Wessel bei iTunes: Das NS-Lied tauchte erneut in Apples Onlineladen auf.

Quelle: Screenshot/iTunes

Hannover. Wer etwa in Apples iTunes-Store nach dem Horst-Wessel-Lied suchte, stieß dort bis Donnerstagnachmittag auf ein Album mit der früheren NSDAP-Parteihymne, deren Verbreitung in Deutschland seit 1945 strafbar ist. Nachdem der Konzern von den Recherchen dieser Zeitung erfahren hatte, löschte er das Album. Eine Stellungnahme lehnte ein Apple-Sprecher ab. Beim Internetkaufhaus Amazon war bis Donnerstag eine CD der rechtsextremen Band Störkraft erhältlich – obwohl das Album „Dreckig, kahl und hundsgemein“ seit 1992 auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) steht. Auch Amazon entfernte den Titel am Donnerstag umgehend aus seinem Programm.

Die mangelhafte Inhaltskontrolle in großen Onlineläden ist nicht neu: Immer wieder gelingt es externen Anbietern, rechtsextreme Musik einzuschleusen. Bereits im Januar dieses Jahres war durch Recherchen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung bekannt geworden, dass bei Apple und Amazon mehrfach das Horst-Wessel-Lied angeboten worden war. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte daraufhin Ermittlungen wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Das Verfahren sei mittlerweile eingestellt, da Apple und Amazon kein Vorsatz nachgewiesen werden konnte, wie eine Sprecherin erklärte.

Wie schon im Januar verwies Amazon auch diesmal auf seine Geschäftsbedingungen, die externe Lieferanten zur Einhaltung der deutschen Gesetze verpflichteten. Ein Blick in den Onlineshop zeigt jedoch, dass der Internethändler bereits bei der Auswahl seiner direkten Geschäftspartner nicht unbedingt wählerisch ist. Zu dem Anbieter marschmusik-jpf.com, der im Januar mehrere verbotene NS-Lieder eingestellt hatte, ist Amazon bis heute nicht sichtbar auf Distanz gegangen. 73 Treffer werden für das Label derzeit gelistet. Eine Amazon-Sprecherin erklärte lediglich, man treffe „entsprechende Maßnahmen“, sollten Rechtsverstöße bekannt werden.

Von den Anfang des Jahres bei iTunes und Amazon angebotenen Alben mit dem Horst-Wessel-Lied sind indes noch immer nicht alle auf dem Index gelandet – ein Umstand, der bei der Bundesprüfstelle für Unmut sorgt. Man könne nur tätig werden, wenn staatliche Stellen einen Prüfantrag stellten – „und der ist bis heute nicht bei uns eingegangen“, sagt Wilfried Schneider von der BPJM. Wenig Verständnis hat er für die Staatsanwaltschaft Hannover, die sich im Zuge der Ermittlungen nicht an die BPJM gewandt hatte. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte, dass einem Prüfantrag in diesem Fall wenig Erfolg bescheinigt worden sei. „Die Anbieter benennen die Alben nach der Indizierung einfach um“, hieß es. Trotzdem werde man einen entsprechenden Prüfantrag jetzt nachholen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Verbotenes "Horst-Wessel-Lied"
Erneut ist das verbotene "Horst-Wessel-Lied" im iTunes-Store und bei Amazon aufgetaucht.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat Ermittlungen gegen Apple und Amazon eingeleitet, nachdem die Unternehmen in der vergangenen Woche das "Horst-Wessel-Lied" zum Download angeboten hatten. Am Donnerstag tauchte das verbotene Lied erneut in den beiden Internetläden auf.

mehr
Mehr aus Netzwelt
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.