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14:18 04.05.2016
Von Christiane Eickmann
Teilnehmer auf der Internetkonferenz re:publica (Archivbild): Wie konnte es passieren, dass soziale Medien eine Spielwiese für Nazis und Verschwörungstheoretiker wurden? Quelle: Britta Pedersen/dpa
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Berlin

"Post love not hate", dieser Ausruf von re:publica-Mitgründer Johnny Haeusler hätte ganz gut als Motto auf die Konferenz gepasst. Denn so ein richtiges Motto hat das digitale Klassentreffen in Berlin-Kreuzberg in diesem Jahr nicht. Die Veranstalter beließen es bei "ten". Denn das Treffen wird zehn Jahre alt, und außerdem liest sich "ten" gespiegelt "net", also Netz.

Ein netter Gag, aber etwas inhaltsleer. Dabei gibt es einen roten Faden, ein Unbehagen, das sich durch viele Vorträge der 770 Sprecher auf der dreitägigen Konferenz zieht: Was ist nur aus dem Internet geworden? Wie konnte es passieren, dass soziale Medien eine Spielwiese für Nazis und Verschwörungstheoretiker wurden? Und wie können wir dem Hass begegnen, der uns in Foren, Kommentaren und E-Mails entgegenschlägt?

Müssen Journalisten zu Sozialpädagogen werden?

Die Betroffenheit der rund 8000 re:publica-Besucher ist dabei unterschiedlich. Immer mehr klassische Journalisten kommen mittlerweile zur Konferenz, auch weil die "Media Convention" des Medienboard Berlin-Brandenburg zeitgleich am selben Ort stattfindet.

Diese Journalisten haben von allem im beruflichen Alltag mit Hasskommentaren zu tun, die zu einzelnen Artikeln oder Beiträge eingehen. Carline Mohr ("Spiegel Online") empfahl auf der re:publica, hasserfüllte Leser nicht zu ignorieren, sondern professionell mit ihnen umzugehen: "Der Dialog hilft dabei, radikale Meinungen zu bekämpfen.“ Dabei helfen könne eine sozialpädagogische Ausbildung von Journalisten. Na ja.

Feministin fühlt sich in Deutschland nicht mehr sicher

Stärker und viel persönlicher betroffen vom Hass in Netz sind Blogger und Netzaktivisten, die allein aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung Ziel von Pöbeleien, Beschimpfungen oder sogar Morddrohungen werden. Dies machte am Dienstag die Autorin und Feministin Kübra Gümüsay deutlich, als sie unter Tränen sagte: "Ich fühle mich in diesem Land nicht mehr sicher."

Die 27-Jährige forderte dem Hass im Netz mit Information, Aufklärung und Empathie zu begegnen. "Wir müssen Liebe organisieren, denn Hass ist in Deutschland organisiert." Sie wünschte sich, dass auch aufgeklärte Leser die Kommentarspalten fluten und sich solidarisch mit bedrohten Autorinnen zeigen. Gümüsay erntete für ihren kurzen, emotionalen Vortrag den bis dahin längsten und wärmsten Applaus der Konferenz.

Die Journalistin Carolin Emcke ("Süddeutsche Zeitung") wiederum mahnte in ihren Betrachtungen zu den "Rastern des Hasses": "Dem Hass begegnen geht nur durch das, was den Hassenden abgeht: Genaues Beobachten, differenzieren und nicht zuletzt Selbstzweifel." Sie forderte dazu auf, hassverbreitende Quellen gründlich zu analysieren.

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