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Netzwelt Ein Handy-Spiel macht Menschen zu „Auftragskillern“
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14:21 17.09.2018
Ein Mann surft mit einem Laptop in einem Fußgängertunnel (Symbolbild). Quelle: imageBROKER
Frankfurt

Wer hätte gedacht, dass ein Strafzettel so aufregend sein könnte. Frederic Lanz war zu schnell gefahren – mit dem Firmenwagen. Jetzt wollte die Polizei ihn identifizieren und Lanz, der wollte das verhindern. Also schlich er sich morgens und abends ins Büro, plante genau, wann er wo hin ging. „Das war ein irres Gefühl, sich so ein Stück weit gejagt zu fühlen“, sagt Lanz. Schlussendlich beglich er zwar seine Schuld, aber das Gefühl, dieser „maximale Nevenkitzel“, der hinterließ einen bleibenden Eindruck. Lanz und seine Partner beim Startup Thinqpool wollten, dass mehr Menschen das spüren können.

Daraus geworden ist das Spiel „Battue 8192“. Eine Mischung aus Agententhriller, Geotracking und Pokémon Go für Erwachsene: 8192 Menschen, 13 Runden, am Ende „überlebt“ einer und erhält dafür eine Million Euro Preisgeld.

Bei „Battue 8192“ ist man Jäger und Gejagter

„Andere Spiele wie Pokémon Go kann man wieder schließen. ’Battue 8192’ sagt den Spielern, wann es zu spielen ist,“ sagt Lanz. Wann es losgeht, weiß niemand. Irgendwann meldet sich die App mit einem Auftrag: Der Spieler bekommt ein paar Informationen, den Namen, das Foto, Alter und die Größe der Zielperson. Und er weiß: Diesen Menschen sollte ich finden, bevor er mich findet. Denn der Jäger ist Gejagter, der Gejagte ist Jäger. Wer als Erster den anderen „killt“ – also im Profil fotografiert – hat die Runde gewonnen.

Um ihren Gegner zu finden und besser zu verstehen, sollen die Spieler durchaus viel über ihn herausfinden, also etwa mit Hilfe von Google oder in sozialen Netzwerken Informationen recherchieren. Wenn den Teilnehmern dadurch bewusst werde, was alles im Internet über sie zu finden sei, wäre das doch ein „wunderschöner Nebeneffekt“, findet Lanz.

„Battue 8192“ will Realität und Spiel verschmelzen

Unfaire oder unlautere Mittel sollen die Spieler aber nicht einsetzen, auch wenn es um eine Million Euro geht. Das Zuhause zum Beispiel ist eine „safe zone“, und Gesetze dürfen bei der Jagd natürlich auch nicht gebrochen werden. „Wir werden den Spielern immer wieder bewusst machen, dass es sich hier um ein Spiel handelt“, sagt Lanz. Bei der Ortung hilft außerdem eine GPS-Standortbestimmung. Für 189 Euro, die Basisteilnahme, bekommt man eine GPS-Ortung pro Runde, bei der Premiumteilnahme für 389 Euro dagegen zehn Ortungen bei Runde.

Bei „Battue 8192“ muss man seine Gegner per Foto „abschießen“. Quelle: Thinqpool GmbH

Ganz schön viel Geld für ein Spiel, oder? Im Lotto stünden die Chancen auf einen Jackpot von einer Million Euro geringer, findet Lanz. Und überhaupt: Menschen geben mitunter viel Geld aus, um ihr Leben aufregender zu machen. Sie stürzen sich von Klippen, rasen Berghänge hinab, springen aus Flugzeugen. Doch irgendwann müssen sie halt wieder zurück ins Büro. „Battue 8192“ will dagegen Realität und Spiel verschmelzen. Die Runden dauern zwischen drei und dreißig Tage, sie beginnen immer unerwartet. Je weniger Spieler verbleiben, desto wahrscheinlich wird es, dass man für einen „Kill“ auch reisen muss.

Ab dem 19. September kann man sich anmelden

Wer „Battue 8192“ spielen will, braucht also Zeit und Geld. Die Nachfragen, die beispielsweise schon über Facebook eintrudeln, zeigten, dass die Interessenten „unglaublich breit gefächert“ seien: Polizisten, Studenten, Vertriebsmitarbeiter, die viel reisen. Ob es tatsächlich 8192 werden, wird man erst wissen, wenn sich am 19. September ab 16 Uhr die Spieler anmelden können.

Von Anna Schughart/RND

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