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Website stellt Internethetzer an den Pranger

Blog "Perlen aus Freital" Website stellt Internethetzer an den Pranger

Weil Facebook die Internethetze nicht löscht, veröffentlicht der Blog "Perlen aus Freital" fremdenfeindliche Facebook-Posts – mit dem Klarnamen und teils dem Arbeitgeber der Urheber. Das hat weitreichende Folgen: Einige Männer haben bereits ihre Jobs verloren.

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Auf dem Blog "Perlen aus Freital" veröffentlichen zwei Personen, die sich Christopher und Frederik nennen, Hassposts von Facebook.

Quelle: Screenshot "Perlen aus Freital"

Hannover. Die Worte, die die beiden Männer wählen, um sich über die ihrer Meinung nach beste Lösung für die Unterbringung der Geflüchteten zu unterhalten, ist kaum zu ertragen. Die Anleihen der Nazi-Zeit sind nicht zu verkennen. Es geht um Gaskammern und Hochöfen, und beide sind offenbar bemüht, sich in der Grausamkeit der geschilderten Handlungen gegenseitig zu übertreffen. Dirk L., einer der beiden Männer, wird deswegen später seinen Job verlieren.

Unter diesem Facebook-Post hat Dirk L. seine Hasskommentare hinterlassen.

Quelle: Screenshot Perlen aus Freital

Die Facebook-Unterhaltung ist öffentlich einsehbar – auf dem Tumblr-Blog "Perlen aus Freital". Bei Tumblr können Nutzer ganz einfach Bilder und Links sammeln, die dann chronologisch untereinander erscheinen. Im Fall von "Perlen aus Freital" handelt es sich um eine Sammlung von Internet-Hassschriften, veröffentlicht auf Facebook. Die Macher – sie nennen sich Christopher und Frederik – stellen täglich neue Screenshots von Hetzbeiträgen online. Meistens geht es um Flüchtlinge, teilweise richten sich die Beiträge aber auch gegen Moslems und Juden.

"Perlen aus Freital" belässt es nicht dabei, die Hassposts zu veröffentlichen. Wo verfügbar, verlinken die Macher auf die Facebook-Profile der Urheber, geben Adressen, Telefonnummern und Arbeitgeber an. All das entnehmen sie den Seiten der Hetzer, die öffentlich einsehbar sind. Die Macher, so sagten sie im Mailinterview mit der "Welt", wollen sich nicht damit zufrieden geben, die fremdenfeindlichen Äußerungen bei Facebook zu melden. Denn daraufhin passiere meistens nichts.

Die Posts auf "Perlen aus Freital" hingegen haben bereits gravierende Folgen für die Urheber. Leser der Seite kontaktierten in mehreren Fällen die Arbeitgeber der Hetzer. Im Fall von Dirk L. handelt es sich um die WISAG Service Holding, einen Dienstleister für Gebäudemanagement. Deren Personalleiter John Lotz teilte wiederum auf Facebook mit, dass sich die WISAG von L. getrennt habe. Auch davon hat "Perlen aus Freital" ein Bild veröffentlicht.

In diesem Kommentar betätigt der Arbeitgeber von Dirk L. nach Angaben von "Perlen aus Freital" die Kündigung.

Quelle: Screenshot "Perlen aus Freital"

Deutschlandweit sind bereits mehrere Fälle bekannt geworden, in denen sich Arbeitgeber von Angestellten getrennt haben, nachdem diese Hasskommentare hinterlassen hatten. Anfang der Woche wurde bekannt, dass sich Zalando von einem Azubi getrennt hatte, auch die AWO hat eine Mitarbeiterin gefeuert. In den vergangenen Monaten wurden ein Lehrling von Porsche und eine Verkäuferin von der Handelskette Spar entlassen, weil sie auf Facebook ihrem Hass gegen Flüchtlinge freien Lauf gelassen hatten.

aks

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