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Die Bundesregierung plant ein Bürger-Portal für alle Verwaltungsangelegenheiten im Internet. Doch der Gang zur Behörde wird vorerst bleiben.

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Typische Amtsstube (Symbolbild): Künftig soll es ein digitales Bürgeramt geben. Aber den Gang zur Behörde wird der Bürger wohl weiterhin auf sich nehmen müssen.

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Berlin. In "Asterix erobert Rom" gerät der kleine gallische Krieger mit seinem Freund Obelix bekanntlich in das Haus, das Verrückte macht. Die beiden Comic-Helden haben die Aufgabe gestellt bekommen, einen Passierschein A 38 zu beschaffen. Ihre Erlebnisse dabei haben auch für den heutigen Menschen einen hohen Wiedererkennungswert. Die beiden geraten nämlich in einen ganz alltäglichen Behördenwahnsinn von lauter Unzuständigen und Nichtbefugten.

Nun will der moderne Fürsorgestaat seine Untertanen gerade nicht verrückt machen und hat deshalb im Zeitalter des Telefons die einheitliche Behördenrufnummer 115 geschaffen. Nach einigen Modellversuchen startete sie 2011 im Regelbetrieb. Weil nicht alle Bundesländer mitmachen und längst nicht alle Kommunen, können derzeit bundesweit gerade mal 28 Millionen von mehr als 80 Millionen Bürgerinnen und Bürgern den Service tatsächlich sinnvoll nutzen. Vielleicht ist der Dienst aber bald überflüssig und die deutsche Bürokratie überholt sich gewissermaßen selbst.

Längst plant nämlich die Bundesregierung ein Bürgerportal für alle Verwaltungsangelegenheiten im Internet. "Die Bundesregierung will für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen online einen deutschlandweit einheitlichen Zugang zur Verwaltung anbieten", heißt es in einer Vorlage für die Sitzung des heutigen Bundeskabinetts. "Die bestehenden IT-Lösungen von Kommunen, Ländern und Bund sollen über diese Stelle leicht auffindbar sein sowie einfach und sicher handhabbar im Netz angeboten werden."

Perspektivisch sollten "geeignete Verwaltungsleistungen auch online eingeleitet, abgewickelt und abgeschlossen werden können". Mit dem Portal werde die Idee der einheitlichen Behördenrufnummer 115 auf das Internet übertragen.

Die Aussichten für den hilfesuchenden Bürger klingen also rosig – das Internet schickt zumindest niemanden eine Etage höher, und nervendes Warteschleifengedudel kennt es auch nicht. Allerdings kann das neue Portal nur "bestehende" IT-Angebote auffindbar machen – und das ist noch nicht allzu viel. Der Passierschein hat also noch nicht ausgedient.

Von Reinhard Urschel

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