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Netzwelt Darum ist Snapchat spannender als Facebook
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11:35 23.05.2016
Der Geist ist aus der Flasche: Jugendliche nutzen die Snapchat-App inzwischen öfter als die Facebook-App. Quelle: Andrea Warnecke/dpa
Hannover

Ausgerechnet ein Geist steht symbolisch für eine Welt, die nicht wenige als geistlos empfinden. Was ist bloß dran an diesem kleinen, weißen Gespenst, das so keck seine Zunge herausstreckt?  Mehr als 130 Millionen Menschen weltweit nutzen täglich Snapchat. Vor allem bei vielen Jugendlichen ist die App, bei der die verschickten Fotos nach Sekunden wieder gelöscht werden, unverzichtbar. Laut einer Umfrage des Magazins "Bravo" hat Snapchat bei jungen Nutzern inzwischen Facebook hinter sich gelassen. So zählt die Anwendung für 35 Prozent der Befragten zwischen 10 und 19 Jahren zu den drei meistgenutzten Social-Media-Apps, Facebook kam auf 32 Prozent und landete damit auf Rang fünf. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag Snapchat noch bei 17 und Facebook bei 40 Prozent. An der Spitze liegt aktuell WhatsApp (91 Prozent) vor Youtube (56) und Instagram (52 Prozent).

Snapchat ist für Erwachsene ein Rätsel

Vielen Erwachsenen bleibt Snapchat nach wie vor Rätsel. So scherzte Blogger und Szenestar Sascha Lobo jüngst auf der Internetkonferenz re:publica, die digitale Avantgarde erkenne man daran, dass "wir noch viel früher als alle anderen Snapchat nicht verstanden haben". Ist es der Reiz des Vergänglichen? Sind es Spontanität und Kurzlebigkeit, die Snapchat auszeichnen? Die Tatsache also, dass das Netz eben doch vergisst? Auf dieses Ergebnis kamen im Herbst 2015 US-Forscher der Universität Michigan. Demnach rufen die dortigen Interaktionen mehr positive Emotionen hervor als bei anderen Social-Media-Apps. "Snapchat wird typischerweise für die spontane Kommunikation mit engen Freunden verwendet, auf eine neue und meist angenehmere Art", erklärte der Hauptautor der Studie, Joseph Bayer. Nutzer müssten sich weniger Gedanken um ihre Selbstpräsentation machen, etwa ob sie auf einem Foto hässlich wirkten.

"Wir leben und kommunizieren zur selben Zeit"

Während auf Facebook wichtige Momente wie die Geburt eines Babys geteilt würden, seien es bei Snapchat eher die kleinen Dinge, sagte Bayer. "Wir müssen nicht mehr die ,echte Welt‘ erfassen und online wiedergeben", erklärte Snapchat-Gründer Evan Spiegel selbst. "Wir leben und kommunizieren einfach zur selben Zeit." Der heute 25-Jährige rief Snapchat 2011 gemeinsam mit Robert­Murphy in Los Angeles ins Leben. Laut dem Tech-Blog „recode“ verwenden 65 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in den USA die App. Die Besonderheit war von Beginn an die sekundenkurze "Lebenszeit" der Fotos. Zwar kann der Empfänger theoretisch ein Screenshot machen, der Absender wird aber darüber informiert – und es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, das nicht zu tun. Teenager nutzten die Anwendung, um Nacktfotos zu verschicken, weshalb sie zunächst den Ruf einer "Sexting"-App hatte.  Facebook erkannte früh das Potenzial: Bereits 2013 wollte Mark Zuckerberg Snapchat für 3 Milliarden Dollar übernehmen, doch das Start-up lehnte ab. Und entwickelt sich immer mehr zum Angstgegner – besonders in dem für Zuckerberg so wichtigem Videobereich.

Auch Wirtschaft, Politik und Medien erkennen den Hype

Laut "Techinsider" konsumieren Snapchat-User derzeit täglich zehn Milliarden Videos. Im enormen ­Facebook-Kosmos mit derzeit über 1,6 Milliarden Mitgliedern waren es im November 2015 gerade mal acht Milliarden. Auch Wirtschaft, Medien und Politik erkennen den Hype. Das Wahlkampfteam von Hillary Clinton punktete kürzlich mit einer Snapchat-Story über Donald Trump. Und erste Analyse-Tools wie Snaplytics helfen beim Optimieren von Marketingaktivitäten.

Und wie geht es weiter mit Snapchat? Im September wird die App fünf Jahre alt, der Börsengang ist Evan Spiegel zufolge geplant. Längst gibt es zahlreiche weitere Features. In dem bei Prominenten beliebten Bereich Stories bleiben veröffentlichte Inhalte 24 Stunden sichtbar. Nach einem Update im März können Nutzer nun auch miteinander telefonieren.  Künftig werden sich vielleicht auch immer mehr Erwachsene, die sich derzeit noch mit Twitter oder Insta­gram vertraut machen, bei Snapchat tummeln. Ob der Hype dann noch da ist, wird sich zeigen. So prophezeite der 14-jährige Schüler Joshua Arntzen: "In den nächsten ein bis zwei Jahren wird es die nächste App geben und die Leute werden anfangen, umzusteigen." Wenn sich in fünf Jahren alle fragen würden, warum die Jugend weggehe –  "dann sind die ganzen Omas und Opas auf Snapchat."

Von Jenny Tobien

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