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Netzwelt Darum schickten Medien die falsche Eilmeldung
Nachrichten Medien Netzwelt Darum schickten Medien die falsche Eilmeldung
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14:58 17.01.2017
Als Richter Andreas Voßkuhle anfing zu reden, dachten einige Medien, es verkünde bereits das Urteil – ein Fehler. Quelle: dpa/Twitter
Karlsruhe/Hannover

Die entscheidenden Worte von Andreas Voßkuhle zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts im NPD-Verbotsverfahren waren noch nicht gefallen, da veröffentlichten mehrere Medien bereits die ersten Eilmeldungen. „Bundesverfassungsgericht verbietet NPD“ schrieben unter anderem „Zeit Online“ und „Spiegel-Online“.

Mehrere „Leitmedien“ lagen falsch

Und damit nicht genug. Auch viele andere Medien, darunter „Phoenix“, „Das Erste“ und „Neue Zürcher Zeitung“ verbreiteten den vermeintlichen Coup aus Karlsruhe – als Laufschrift im TV-Programm oder über die soziale Netzwerken.

Das Problem: Sie alle lagen falsch.

Offenbar hatten ausgerechnet die großen „Leitmedien“ allesamt den gleichen Fehler gemacht: Als Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle am Dienstagvormittag zu reden begann, verlas er zunächst den Antrag auf das NPD-Verbot. Aber mehrere Medien nahmen an, dass es sich bereits um die Entscheidung des Gerichts handle – ein Irrtum. „Der Antrag wurde von uns versehentlich mit dem – tatsächlich anderslautenden – Urteil verwechselt“, erklärte „Spiegel Online“.

Tatsächlich folgte das Urteil aber erst nach einigen Minuten. Voßkuhle leitete es mit der üblichen Formulierung ein: „Es wird folgendes Urteil verkündet: Im Namen des Volkes ...“

Jetzt ist der Spott groß. Zwar korrigierten sich die Medien innerhalb Minuten. Spiegel Online“ entschuldigte sich auch öffentlich. „Wir entschuldigen uns für den Vorfall - und nehmen ihn zum Anlass, unsere Abläufe und Arbeitsweisen zu hinterfragen, damit sich ein solcher Fehler nicht wiederholt.“ Die Österreich-Ausgabe der „Neuen Zürcher Zeitung“ erklärte auf Twitter: „Wir haben den Fehler gemacht uns auf Spiegel Online zu verlassen.“

Auch „Zeit Online“ schrieb: „Eilmeldungen sind in Zeiten mit vielen großen Nachrichtenlagen bedauerlicherweise auch für uns fast schon zu einem Standard geworden. Wir dürfen, wie unruhig die Zeiten auch sein mögen, dabei nicht in Hektik verfallen“.

Trotzdem ist die Empörung auf Twitter groß.

Twitter-User Kai Budde beklagt, dass durch solche Fehler das Vertrauen in die Medien schwinde. Mit dem Hashtag #Fakenews spielt er dabei zusätzlich auf die Debatte über die Glaubwürdigkeit von Medien an. Dafür wird der User direkt kritisiert.

Auf den inhaltlichen Aspekt spielt Dominik Brück, laut seinem Profil selbst Journalist, in seinem Tweet an:

Ein anderer User reagiert mit Sarkasmus und fordert gleich das Verbot von Eilmeldungen:

Auch Satire-Sendungen wie die ZDF-“heute-Show“ griffen den Eilmeldungs-Fehler auf.

Von RND/zys/wer

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