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Das Begräbnis zum Einkaufspreis

Kampf gegen Kostenfalle Das Begräbnis zum Einkaufspreis

Ein Begräbnis bedeutet Abschiednehmen von einem geliebten Menschen. Ist es da verboten, nach dem Preis zu fragen und zu vergleichen? Die Branche der Bestatter gab kaum Einblicke in die Kostengestaltung. Das will ein junger Unternehmer nun ändern.

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Im Durchschnitt kostet in Deutschland ein Begräbnis 3000 Euro.

Quelle: dpa

Berlin. Jonas Miebach hat vor kurzer Zeit erstmals persönliche Erfahrungen mit der Bestattungsbranche gemacht – als Kunde. Noch heute beschleicht ihn im Gedanken daran ein mulmiges Gefühl: Warum ist das so teuer? Wie kommen die Preise zustande? Ist es pietätlos, die Kosten zu vergleichen? Zahlreiche Fragen schwirrten dem 32-Jährigen damals durch den Kopf. Das Erlebnis ließ ihn nicht mehr los. Vor wenigen Wochen gründete Miebach in Berlin das Startup Funeria. Jetzt ist er selbst Bestatter – mit einer hehren Absicht.

„Die Bestattungsbranche ist einer der letzten Bereiche mit einer völlig undurchsichtigen Preisgestaltung“, sagt er. „Viele Menschen haben deshalb Angst vor den unkalkulierbaren Kosten einer Beerdigung, ihr Misstrauen gegenüber Bestattern ist groß.“ Der junge Betriebswirt will das ändern. Sein oberstes Ziel lautet Transparenz.

Fairer und ehrlicher Preisvergleich

Will mit seinem Start-up für klare Verhältnisse sorgen

Will mit seinem Start-up für klare Verhältnisse sorgen: Jonas Miebach.

Quelle: Privat

Miebach, seit Jahren in der Berliner Start-up-Szene tätig, will das Internet nutzen, um „fair und ehrlich“ über die verschiedenen Beisetzungsarten und ihre Preise zu informieren. Er spricht von einer Marktlücke: „Schuhe, Autos, Blumen, Tiere – im Netz kann man heutzutage alles vergleichen und bestellen. Ein vernünftiges Onlineangebot für Begräbnisse aber fehlt.“

Auf seiner Website Funeria.de hat Miebach deshalb einen sogenannten Bestattungsplaner eingerichtet, mit dem man Beerdigungen Klick für Klick bis auf den letzten Posten durchplanen kann. Ob Erd-, Feuer- oder Baumbestattung: Von der Überführung über den Sarg bis hin zu Trauerredner und Orgelmusik wird auf den Cent genau aufgeschlüsselt, was auf die Hinterbliebenen im Falle des Falles zukommt.

Durchschnittsbegräbnis kostet 3000 Euro

Wer sich für eine Beisetzung von Funeria entscheidet, kommt unterm Strich günstig weg. 1500 Euro werden im Schnitt fällig, das ist halb so viel wie in der Branche üblich. Normalweise kostet ein Durchschnittsbegräbnis in Deutschland 3000 Euro, wie aus Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter hervorgeht. Was macht Miebach also anders?

Klare Wünsche, klare Preise

Klare Wünsche, klare Preise: Bei Jonas Miebach sind Beerdigungen auf den Cent genau planbar.

Quelle: Privat

Mit der billigen Entsorgung von Leichen im Ausland hat sein Konzept glücklicherweise nichts zu tun. Im Gegenteil: Miebach bietet Begräbnisse zum Einkaufspreis, momentan noch in Berlin, bald aber deutschlandweit. „Für unsere Organisation und Betreuung der Bestattung nehmen wir eine fixe Gebühr von 500 Euro. Alle anderen Dinge geben wir zum Einkaufspreis zuzüglich 10 Prozent Bearbeitungsaufschlag weiter“, erklärt der Gründer. Kostet ein schlichter Kiefernsarg beim Hersteller 100 Euro, kostet er den Funeria-Kunden 110 Euro, gleiches Rechenmodell gilt bei Urnen, Verbrennungssärgen oder Blumenbouquets.

Bis zu 1000 Prozent Aufschlag

Gebräuchlich sind unter Bestattern oftmals ganz andere Margen, vor allem Särge und Grabsteine lassen sie sich teuer bezahlen, 500 bis 1000 Prozent Aufschlag sind dabei keine Seltenheit. Kein Wunder, dass schnell von Abzocke, Wucher oder Korruption die Rede ist, wenn über Beerdigungsinstitute berichtet wird.

Viel Geld kostet aber nicht nur die Beisetzung. Bezahlt werden muss auch das Grab. Die sogenannte Friedhofsgebühr ist bundesweit unterschiedlich, mal gibt es das Rasengrab schon für 200 Euro, anderswo sind 2500 Euro verlangt. Auch die Laufzeiten und Verlängerungsmöglichkeiten variieren. Doch damit nicht genug: „Die Kosten für Gräber steigen momentan dramatisch. Das liegt am allgemeinen Trend zur Einäscherung“, sagt Willi Brandt, Pressesprecher der Deutschen Friedhofsgesellschaft.

Weil Urnengräber schlicht und einfach weniger Platz bräuchten, seien heute bereits 30 Prozent der Friedhofsfläche überflüssig. „Der Aufwand für die Kommunen aber bleibt gleich, deshalb fordern sie für jegliches Grab immer mehr Geld“, erklärt Brandt. Mit einem Online-Grabrechner will sein Unternehmen die Preise auf deutschen Friedhöfen ab jetzt vergleichbar machen. Das Ziel dabei ist ganz ist Jonas Miebachs Sinne: Transparenz.

Von RND/Sophie Hilgenstock

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