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00:15 09.01.2016
Von Helmuth Klausing
Datenschutzexperte Peter Leppelt rät: "Apps sind keine Raketenwissenschaft. Jeder sollte mitdenken." Quelle: Jens Büttner
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Hannover

Was gefällt einem Nutzer auf Internetseiten? Welche Seiten schaut er sich wann und wie lange an? Was teilt er mit seinen Facebook-Freunden? Diese und andere Daten erheben die sogenannten "Like"-Buttons, die Facebook für andere Webseiten zum Einbinden anbietet.

Mithilfe der gesammelten Daten kann im Browser Werbung eingeblendet werden, die besser auf den Nutzer zugeschnitten sein soll. Abhängig von den besuchten Seiten soll man so relevantere Angebote zu sehen bekommen. Was aber keiner erwartet: Über die Schaltflächen der blauen Facebook-Daumen werden Daten auch dann übertragen, wenn der Nutzer sie gar nicht anklickt. Schon der Besuch einer Seite reicht aus, um erfasst zu werden, erklärt der hannoversche Datenschutzexperte Peter Leppelt.

In den Einstellungen von Facebook können Nutzer zwar im Unterpunkt "Werbeanzeigen" deaktivieren, dass Werbung basierend auf besuchten Internetseiten oder genutzten Apps angezeigt wird. Das verhindere allerdings nicht, dass diese Daten gesammelt werden, sagt Leppelt.

Add-ons schützen Nutzerdaten

Zumindest PC-Nutzer können das allerdings vergleichsweise einfach verhindern. Sie müssten künftig nur über den Browser Firefox im Internet surfen, den es kostenlos im Internet als Down­load gibt, und dann die Erweiterung Ghostery installieren. Dieses Programm gebe Nutzern nicht nur einen Überblick, wer sich für ihre Aktivitäten im Netz interessiert, es erlaube auch das gezielte Blockieren einzelner Elemente auf Internetseiten, erläutert Leppelt.

Aber warum ist es eigentlich schlimm, wenn Facebook zielgerichtete Werbung anzeigen will? Leppelt zufolge geht es längst nicht nur um Werbung. Über die gesammelten Daten ließen sich präzise Rückschlüsse auf Interessen, Einkaufsverhalten, Kaufkraft oder etwa die politische Orientierung des Nutzers ziehen. "In der Kombination entsteht da ein erstaunlich präzises Profil", berichtet Leppelt.

Der Datenschutzexperte hat allerdings auch einen Gegentrend ausgemacht. Statt über ihre Internetseiten Daten unkontrolliert an Facebook zu leiten, setzten immer mehr Websites auf die sogenannte Zwei-Klick-Lösung. Dabei werden die Facebook-Elemente auf anderen Seiten erst aktiv, wenn ein Nutzer sie anklickt. Das sei auf jeden Fall "datenschutzfreundlicher", sagt Leppelt.

Facebook ist "retro"

Allerdings scheint Facebook ohnehin an Bedeutung zu verlieren. "Das ist retro", sagt der Datenschutzexperte über das gerade mal elf Jahre alte Unternehmen. Vor allem für die junge Zielgruppe stünden längst andere soziale­ Netzwerke wie Instagram und Whatsapp im Mittelpunkt des Interesses. "Dort ist für die Jugendlichen die Gefahr geringer, ihren Eltern über den Weg zu laufen."

Grundsätzlich sollte man sich aber überlegen, was man über diese Netzwerke der Welt mitteilen will: "Was ich ins Internet hochlade, ist öffentlich", sagt Leppelt. Egal, ob man den Kreis der Zugriffsberechtigten einschränkt oder nicht. Was nicht verschlüsselt ist, könne geknackt und verbreitet werden. Und jeder müsse darauf gefasst sein, dass seine online verfügbaren Daten, Fotos oder Kommentare genutzt werden – irgendwann von irgendwem.

Twitter: Weltgeschehen in 140 Zeichen

Den Kurznachrichtendienst Twitter hingegen hält Leppelt für "spannend". Er räumt auch ein, Sympathien für diese Form der Internet-Kommunikation zu hegen. Das Weltgeschehen in 140 Zeichen zu kommentieren sei der Reiz dieses Mediums. Dass sich Nutzer mit einem Pseudonym anmelden können, schütze immerhin ein wenig die Privatsphäre.

Bei anderen Apps ist das nicht immer der Fall. Leppelt empfiehlt, Anwendungen nur aus den offiziellen App-Shops zu beziehen und sich dabei genau anzuschauen, welche Berechtigungen die jeweilige App verlangt. Das wird vor dem Herunterladen mitgeteilt. Bekannt geworden sei zum Beispiel der Fall einer Pornografie-App, die auch auf die Handykamera zugreifen wollte, was viele Nutzer anscheinend nicht weiter beunruhigte. Dahinter steckten in diesem Fall aber kriminelle Erpresser, die Nutzer beim Aufrufen der App fotografierten und drohten, die peinlichen Bilder zu veröffentlichen, sollte nicht eine gewisse Summe Geld überwiesen werden.

"Man sollte sich fragen, ob es sinnvoll ist, wenn eine Porno-App auch noch Fotos machen will – und im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen", sagt Leppelt. "Apps sind keine Raketenwissenschaft. Jeder sollte mitdenken." Grundsätzlich könne man darauf vertrauen, dass Apps nur die angegebenen Berechtigungen nutzen und nicht darüber hinaus auf weitere Bereiche des Smart­phones zugreifen.

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