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Der Heimcomputer wird 30 Jahre alt

Das Ende einer Ära? Der Heimcomputer wird 30 Jahre alt

Vor 30 Jahren brachte der US-Elektronikkonzern IBM den ersten Heimcomputer auf den Markt - jetzt zeichnet sich das Ende einer Ära ab.

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Grau und kantig: Der IBM-Computer 5150.

Quelle: dpa

Unförmig, mausgrau und ziemlich hässlich – ein Computernutzer würde den IBM 5150 heute kaum noch eines Blickes würdigen. Zu sehr zählt neben den Leistungen im Gehäuse mittlerweile die Optik eines Rechners. Doch auch vor 30 Jahren, als der US-Elektronikkonzern IBM den ersten Heimcomputer auf den Markt brachte, galt der 5150 nicht unbedingt als eine Meisterleistung. Dass der graue Kasten in kurzer Zeit den Computermarkt und den Alltag revolutionieren sollte, konnte damals keiner erwarten – am wenigsten die verantwortlichen IBM-Manager.

Denn die hatten den Start der neuen Ära zunächst verschlafen. IBM setzte Ende der siebziger Jahre auf Computer für kommerzielle Abnehmer – den wachsenden Markt für kompakte Heim-PC unterschätzten sie hingegen. Erst als die Konkurrenz von Apple und Commodore mit ihren ersten Geräten auf die Erfolgsspur einbog, erkannte die IBM-Führung den strategischen Fehlgriff. Eilig wurde 1980 ein Entwicklerteam zusammengetrommelt. In nur wenigen Monaten entstand im Forschungslabor in Boca Raton im US-Bundesstaat Florida der IBM 5150, der wegen der Kürze der Zeit alles andere als ein technischer Meilenstein wurde.

Was es im August 1981 in der einfachsten Version dann für umgerechnet rund 3500 Mark – ein Betrag, den sich anfangs fast ausschließlich Unternehmen leisten wollten – zu kaufen gab, war technische Allerweltskost. Der Prozessor hatte eine Taktrate von 4,77 Megahertz, statt einer Festplatte gab es ein oder zwei Diskettenlaufwerke mit einer Kapazität von jeweils 160 Kilobyte. Zum Vergleich: Heute bringen es PC auf Taktfrequenzen von fünf Gigahertz, also das 1000-Fache. Festplattengrößen werden längst in Giga- bis Terabyte angegeben.

Microsoft steuerte IBM die Software DOS 1.0 bei

Als reiner Hardwarehersteller war IBM gezwungen, sich bei externen Dienstleistern Know-how einzukaufen. Und so schlug bei der Suche nach einem geeigneten Betriebssystem die Stunde zweier damals noch recht unbekannter junger Männer: Bill Gates und Paul Allan. Sie steuerten die Software DOS 1.0 bei und legten damit den Grundstein für den kometenhaften Aufstieg ihres Unternehmens Microsoft. Das Zusammenspiel von zentralen Rechnerkomponenten sowie Microsofts Betriebssystem wurde zu einer Art inoffiziellem, globalem Industriestandard.

Das aber hatte nichts mit Strategie zu tun – sondern mit Nachahmern, die den nach dem Baukastenprinzip konstruierten 5150 kopierten. Microsoft kam dabei die Schlüsselrolle zu: Gates hatte die Lizenz für sein Betriebssystem behalten und belieferte ganz legal auch jene, die mit den gleichen Bauteilen wie IBM eigene Heimcomputer zusammenschraubten. Firmen wie Compaq brachten bis Anfang der neunziger Jahre die ersten billigen, wirklich massentauglichen „IBM-kompatiblen“ PCs auf den Markt. IBM verlor den Kampf um Marktanteile – und die Konkurrenz hatte in Sachen PC am Ende den längeren Atem.

Trotz aller Nostalgie – am 30. Geburtstag des 5150 wird auch eine längst vollzogene Zäsur deutlich: Wenn es um die Entwicklung neuer Technologien geht, ist der PC nahezu bedeutungslos geworden. Den Takt der Zeit gibt das Internet vor, neben einem flachen Tablet wirkt ein Heimcomputer wie ein Relikt aus grauer Vorzeit. Und so ist der 30. Geburtstag ein mehr als offensichtliches Zeichen, dass sich die PC-Ära langsam ihrem Ende entgegenneigt.

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