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22:30 09.06.2016
Ausgerechnet mit zwei Models aus Rumänien wirbt die AfD Goslar um Mitglieder und Wähler. Quelle: dpa/AFD Goslar/Screenshot
Goslar

"Mach mit. Verändere die Politik", schreibt die AfD Goslar auf ihrer Internetseite. "Schon über 20.000 Mitglieder", steht darüber. Dazu lächeln zwei schöne Menschen den Besucher der Internetseite an. Aber AfD-Wähler sind die Frau und der Mann nicht, Mitglieder der Partei bestimmt auch nicht, wie Recherchen von "jetzt.de" und der linken Wochenzeitung "Kontext" ergeben haben.

Die Frau heißt Carla Caucean und war 2014 "Miss Romania". Als Schönheitskönigin soll sie Rumänien später beim Wettbewerb "Miss Model of the World" vertreten haben. Der Mann ist Adi Ene, ein rumänisches Model aus der Stadt Timisoara, wie er auf seiner Facebook-Seite verrät. Die AfD wirbt also mit Menschen aus einem osteuropäischen Land, aus dem in den vergangenen Jahren viele Zuwanderer in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland gekommen sind. Was will die AfD damit sagen?

Der politische Gegner der AfD lästert

Zumal nicht nur die AfD Goslar mit Carla Caucean und Adi Ene wirbt, sondern auch die AfD Baden-Württemberg, wie die Wochenzeitung "Kontext" weiter schreibt. Fairerweise muss man dazu allerdings sagen: Andere verwenden die Bilder ebenfalls. Das Deutsche Rote Kreuz zum Beispiel rief mit Carla Caucean und Adi Ene zum Blutspenden auf, wie die "Morgenpost" aus Dresden schreibt. Es könnte also ein Zufall sein, dass die AfD ausgerechnet zwei Osteuropäer ausgesucht hat.

Die Sache lässt sich auch einfach erklären: Carla Caucean und Adi Ene arbeiten als Models, deswegen bieten Bilderdatenbanken wie iStock und Fotolia Fotos von ihnen an – und neben den Bildern stehen nicht die Namen der Models, sondern Titel wie "Lässig Frau, die ok Daumen hoch Handzeichen" und "smiling man making the ok thumbs up sign". Nur mit etwas Recherche ließe sich ermitteln, dass es sich um zwei Menschen aus Rumänien handle, schreibt die "Bild"-Zeitung.

Und diese Recherche haben sich die AfD Goslar und die AfD Baden-Württemberg wahrscheinlich gespart, weshalb der politische Gegner nun über sie lacht. "AfD-Werbung nachweislich nicht Deutsch genug. Wenn das der Gauland wüsste", lästerten zum Beispiel die Freien Wähler Brandenburg. Andererseits tröstet es auch wieder, dass die Rechtspopulisten nicht nur mit blonden Menschen werben wollen.

Vielleicht tröstet es wiederum die AfD, dass andere Parteien auch schon Pech mit der Werung hatten. Die NPD blamierte sich zum Beispiel mit einem Plakat, auf dem sie oben forderte: "Konsequent abschieben." Und unten setzte die Partei hinzu: "Unser Volk zuerst." So war es von der NPD wahrscheinlich aber nicht gemeint.

Die AFD Baden-Württemberg soll das Bild übrigens entfernt haben, nachdem der Landesverband von Journalisten auf die Foto-Auswahl angesprochen wurde. Eine Erklärung, warum sich die Partei ausgerechnet für diese Models entschieden hatte, gab die AfD der Wochenzeitung "Kontext" nicht. Man habe das Bild von einem anderen Landesverband bekommen, hieß es nur. Die AfD Goslar verwendet das Bild dagegen weiterhin.

RND/wer

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