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Y-Titty: „YouTube 
wird 
erwachsener“

YouTube Y-Titty: „YouTube 
wird 
erwachsener“

Bekannt geworden ist das Komiker-Trio Y-Titty mit Parodien von Charthits, die es seit 2006 auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Im Interview sprechen sie über ihre Tour, Fernsehen und Loriot.

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So sehen Internetstars aus: Matthias Roll (von links), Philipp Laude – mit angeklebtem Bärtchen – und Oguz Yilmaz sind Y-Titty.

Quelle: Universal

Wie muss man sich das vorstellen, wenn ein YouTube-Comedy-Act auf die Livebühne geht?
Matthias Roll: Unsere Show ist eigentlich ein kompletter Mix aus dem Y-Titty-Humor. Es gibt die Songs von unserem Album, sehr viele Parodien und einige Einspieler. Wir binden auf jeden Fall auch die Community mit ein paar Publikumsaktionen ein.

Das funktioniert?
Philipp Laude: Wir haben das Programm schon einmal letztes Jahr in Köln ausprobiert. Wir wussten auch nicht, ob das funktioniert, waren dann aber von den Reaktionen sehr begeistert. Von manchen unserer Videos konnten die Leute die Texte komplett auswendig.

War euch der Schritt auf die Bühne wichtig, weil euer Internetpublikum an sich nur eine anonyme Masse ist?
Laude: Live ist natürlich etwas komplett anderes, als wenn du dir bei einem Internetvideo die Klickzahlen anguckst und dann auf „aktualisieren“ gehst. Am Brandenburger Tor waren etwa 700 000 Leute, da merkst du richtig, wie der Zuschauer die Show macht. Wir sind ja keine Profimusiker und bis jetzt ist es bei allen Auftritten so gewesen: Das Publikum hat uns eine Energie gegeben, die wir irgendwie auch zurückübertragen können.

Eure Fans erwarten wahrscheinlich auch keine Profimusiker ...
Roll: Ja, wenn wir live mal nicht jeden Ton treffen, freuen die sich trotzdem, und wir lesen dann Kommentare wie „es sind vielleicht nicht die besten Musiker, aber die haben eine fette Show und sie haben Bock“.

Laude: Ich glaube, es ist auch ein Vorteil, dass wir ursprünglich aus einem anderen Bereich kommen und mit Comedy angefangen haben. Wir können ganz unverkrampft auf die Bühne gehen, weil wir wissen: Musik ist nicht unser Handwerk, sondern nur ein spaßiges Hobby.

Mit welchen Comedians seid ihr eigentlich aufgewachsen? Wer hat euch geprägt?
Roll: Bully Herbig auf jeden Fall. Wir sind Riesenfans von ihm.

Laude: Helge Schneider, Michael Mittermeier ...

Roll: Auch viele amerikanische YouTuber, das Duo Smosh zum Beispiel.

Habt ihr früher viel Fernsehen geguckt?
Laude: Damals schon. Heute denke ich manchmal, dass es schade ist, dass es diese Familien-Fernseh-Abende nicht mehr gibt.

Roll: Auf Pro7 gab es damals noch die „Märchenstunde“, da hat man sich was getraut und was Neues gemacht, genauso bei der „Bully Parade“, wo Bully auch englischen und amerikanischen Humor mit reingenommen hat. Das vermisse ich heutzutage.

Heute gibt es zum Beispiel „Circus Halligalli“.
Roll: Finde ich auch unterhaltsam, aber es ist nichts Neues.

Laude: Das Fernsehen ist in eine Verteidigungsposition geraten, gegenüber schlechten Quoten-Meldungen und dem Internet. Um kreativ zu sein ist das eine schlechte Ausgangsposition, weil du aus Angst heraus handelst und nur noch vermeiden willst, dass es noch schlechter wird.

Roll: Ich glaube, die Fernsehmacher sind verunsichert und wissen nicht genau, was sie machen sollen. Sie haben zwar die Mediatheken, probieren Dinge auf Facebook und Twitter aus - aber es funktioniert nicht so richtig. Die werden langsam nervös, haben Angst, dass sie durch das Internet verdrängt werden.

Wie präsent ist das Fernsehen heute in eurem Alltag?
Laude: Gar nicht. Die jungen Leute sind alle auf YouTube. Wobei sich das auch noch drehen wird, wir merken bereits, dass das Publikum älter wird, auch diejenigen, die die Clips kommentieren. Und je älter die YouTube-Zielgruppe wird, desto erwachsener wird dann auch der Content.

Roll: Ich glaube, jemand hat mal behauptet, wir hätten die gleiche Reichweite wie der „Tatort“.

Laude: Es gab auch mal eine Studie, nach der wir bei den Unter-18-Jährigen angeblich so bekannt sind wie Angela Merkel. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das stimmt.

Habt ihr schon Gags von euch im traditionellen Fernsehen wiedergefunden?
Roll: Ja. Wir nennen keine Namen, aber einmal wurde von uns ein kompletter Sketch geklaut, inklusive Pointe.

Laude: Wir reagieren dann aber nicht, wir wollen auch niemandem etwas unterstellen. Das macht dann ohnehin unsere Community und schreibt entsprechend Kommentare.

Wie würdet ihr im Moment euren Humor beschreiben?
Roll: Also, „Pipikacka-Humor“ ist es nicht mehr. So haben wir das früher genannt, so mit 17, 18.

Laude: Haben wir? Kann ich mich nicht erinnern. Ich würde sagen, dass unser Humor anarchistisch ist. Weil von allem etwas dabei ist, ohne dass wir darüber nachdenken, was es konkret ist. Wir finden etwas lustig und dann packen wir es rein.

Wo bemerkt ihr durch die Internet-Sozialisation wesentliche Unterschiede zu euren Eltern?
Laude: Man ist, glaube ich, wirklich lockerer geworden, was zum Beispiel Sexualität angeht. Und alles ist schnelllebiger geworden. Wenn ich mir heute Comedy von früher anschaue, denke ich oft: Die wäre für YouTube zu langsam. Das liegt auch an dieser Smartphone-Gesellschaft, in der wir leben. Du hast immer und überall auf alles Zugriff, dementsprechend möchtest du alles sehr schnell geliefert bekommen. Wenn ich lachen will, will ich sofort lachen und nicht fünf Minuten auf den ersten Gag warten.

Loriot wäre demnach nichts für euch?
Laude: Doch. Ich finde die Sketche immer noch gut. Aber wenn Loriot das so auf YouTube gestellt hätte, hätte er damit keinen Erfolg gehabt. Auf YouTube verändert sich alles ständig. Deswegen muss man auch selber in Veränderung bleiben, um da mitzuhalten.

Interview: Jakob Buhre

Wer sind Y-Titty?

Y-Titty, das sind Philipp „Phil“ Laude (23), Matthias „TC“ Roll (22) und Oguz „OG“ Yilmaz (22) aus Köln. Bekannt geworden ist das Komiker-Trio mit Parodien von Charthits, die es seit 2006 auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Ihre Version von Gotyes „Somebody That I Used To Know“ hat fast als 18 Millionen Klicks, der YouTube-Kanal hat 2,7 Millionen Abonnenten. Mit ihren Parodien haben es die drei Jungs aus Franken 2009 geschafft, YouTube-Partner zu werden. Seitdem werden die Wahlkölner, die im Interview Journalisten schnell das Du anbieten, an den Werbeeinnahmen beteiligt und können von Comedy leben. Für das Schneiden ihrer Videos beschäftigt Y-Titty mittlerweile sogar Angestellte. Im August 2013 erschien mit „Stricksocken Swagger“ das erste Album der Gruppe. Der Name Y-Titty (gesprochen „Waititty“) ist ein Scherz, die lautmalerische Verballhornung des englischen Kürzels „Y.T.D.“ – YouTube Dummies.

meme

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