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Was weiß Google über mich?

Die Suchmaschine und der Datenschutz Was weiß Google über mich?

Alles! Mit einigen Tricks kann man sich trotzdem vor der amerikanischen Datenkrake schützen. Und plötzlich läuft auch das Internet zehnmal schneller.

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Anbieterstreuung: Nicht nur Googles Browser sollte verwendet werden, sondern zum Beispiel auch Firefox.

Quelle: dpa

Hannover. „Google hat die Macht“, sagt Datenschutzexperte Peter Leppelt. Als Anbieter der populärsten Suchmaschine speichert der US-Konzern sämtliche Suchbegriffe, die dort eingegeben werden. Als Anbieter des Browsers Chrome weiß das Unternehmen auch, welche Internetseiten auf welchen Rechnern aufgerufen werden. „Google weiß alles“, stellt Leppelt klar, der mit seiner Firma Praemandatum andere Unternehmen in Sachen Datenschutz berät.

Google Docs merkt sich alles, was auf der Gerätetastatur getippt wird. Google Now versteht sich als virtueller persönlicher Assistent seiner Nutzer. Doch das Programm hört auf dem Smartphone mit und weiß per GPS immer, wo sich der Nutzer aufhält. Wer Termine in seinen Handykalender eingetragen hat, erhält rechtzeitig vorher an die Verkehrslage angepasste Routenvorschläge. Nebenbei erfährt Google so aber auch, wo der Nutzer gern einkauft, welchen Arzt er wie oft besucht und einiges mehr, das man im vordigitalen Zeitalter noch als streng privat eingestuft hätte.

Nutzer rutschen in "Ökosystem Google"

Weil die meisten Google-Dienste eine persönliche Anmeldung erfordern, kann das Unternehmen die gesammelten Daten auch prima einzelnen Personen zuordnen. Leppelt spricht vom „Ökosystem Google“, in das gerade Nutzer von Mobilgeräten mit Googles Betriebssystem Android automatisch hineinrutschen und das nur schwer zu durchbrechen sei. Auch Apple-Nutzer sind nicht vor Google gefeit, denn viele dieser Anwendungen können auch auf den Geräten des Konkurrenten mit dem Apfel-Logo laufen.

"Der beste Datenschutz ist die Datenvermeidung"

In einem Nutzerprofil werden die gesammelten Daten ausgewertet. Der Blick auf die Gewohnheiten und Vorlieben des jeweiligen Nutzers wird zum Beispiel für möglichst passgenaue Werbung wichtig. Aber ist das schon alles?
Der Nutzer liefere sich einem anonymen US-Konzern auf Gedeih und Verderb aus, ohne zu wissen, was genau mit den Daten geschieht, kritisiert Leppelt. Sein Motto: „Der beste Datenschutz ist die Datenvermeidung.“

Auch wenn es nicht immer so einfach ist, lässt sich einiges unternehmen, um die Privatsphäre zu schützen. Google Now lässt sich ausschalten oder gar nicht erst aktivieren. Und was ist mit Browser und Suchmaschine? Datenschutzexperte Leppelt rät zur Anbieterstreuung.

Mozilla Firefox als Alternative

Als Alternative zum Browser Chrome schlägt Leppelt Mozilla Firefox vor, den es inzwischen auch für mobile Geräte gibt. Und Suchmaschinen wie etwa Metager 2, Duckduckgo oder Startpage sammelten keine Nutzungsdaten, sagt Leppelt. Metager 2 suche den eingegebenen Begriff gleichzeitig in verschiedenen anderen Suchmaschinen, darunter auch bei Google. Doch diese Suchmaschinen erfahren nur, dass die Anfrage von Metager kommt, und nicht, von welchem Nutzer.

Für den Browser Firefox lasse sich überdies noch die Erweiterung Trackmenot herunterladen: Das Programm schicke automatisch im Hintergrund zufällig erstellte Anfragen an Suchmaschinen wie Yahoo, MSN, AOL und auch Google, erläutert Leppelt. Im Dauerstrom dieser Begriffe gehe die eigentliche Suchanfrage des Nutzers unter, so das Kalkül. Oder in Leppelts Worten: „Ihr wollt meine Daten? Erstickt dran!“

"Datensammelwut" auch bei Amazon

Zur Anbieterstreuung rät Leppelt auch beim Interneteinkauf. „Amazon macht vieles richtig“, räumt er zwar ein. Der Einkauf dort sei bequem. Seine Kritik richtet sich aber auf die „Datensammelwut“ des Unternehmens. Die gehe inzwischen teilweise so weit, dass der Konzern aus der Auswertung des Kaufverhaltens schon vor dem Kunden wisse, was dieser bestellen will – und entsprechende Produkte anpreist. Wer alles bei einem Onlineversand bestelle, werde zum gläsernen Konsumenten und sei leichter manipulierbar, sagt Leppelt.

Plötzlich läuft das Internet zehnmal schneller

Dabei sei es ja ganz einfach, auch bei anderen Versandhändlern zu bestellen. Schon allein wegen des Preisvergleichs sollte man auch Alternativen zum angestammten Onlinehändler in Betracht ziehen. Allerdings lasse sich die Datensammelei auch ganz blockieren, sagt Leppelt und weist auf eine weitere Firefox-Erweiterung hin: Die Software Ghostery erkenne, wenn aufgerufene Internetseiten unbemerkt private Daten des Nutzers abzapfen wollen – und blockiere dies auf Wunsch.

Günstiger Nebeneffekt: „Plötzlich läuft das Internet zehnmal schneller“, berichtet Leppelt. Das mache einem zudem deutlich, wie viele Daten durch versteckte Dienste während des Surfens ständig und ohne Wissen des Nutzers abgegriffen würden.

Von Helmuth Klausing

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