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Neue Netflix-Serie: Feiern und fummeln

"Wet Hot American Summer" Neue Netflix-Serie: Feiern und fummeln

Die Serie "Wet Hot American Summer" zieht US-Feriencamps durch den Kakao. Ab Freitag gibt es die acht Folgen mit Bradley Cooper auf Netflix.

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Albern, aber lustig: Bei der Parodie auf amerikanische Jugendcamps stimmen auch die Klamotten.

Quelle: Netflix

Hannover. Das Camp gehört zum amerikanischen Sommer. Die Eltern haben kaum Urlaub, deshalb werden die Kinder ins Lager gebracht, wo ihnen Teenager und Erwachsene tausendundeine Fertigkeit beibringen sollen – von der Makramee-Eule bis zur Wildwasserfahrt im Schlauchboot. Abschlussfest mit Talentwettstreit: Die Kleinen balancieren fünf Sekunden lang einen Reisigbesen auf dem Zeigefinger oder blasen die Nationalhymne auf dem Kamm.

Während all die Betreuer, die in den acht Wochen auf Sex hofften, fest daran glauben, er werde ihnen in der letzten Nacht doch noch zuteilwerden. Solches jedenfalls lehrte die Komödie "Wet Hot American Summer (WHAS)" anno 2001 das US-Publikum. "Du willst doch deine Freunde zu Hause nicht über deine Sommerromanze anlügen müssen", raunt zu dessen Beginn eine Stimme aus dem Off.

Erst Ablehnung, dann Kult

Die Parodie auf das hierzulande unbekannte Genre Camp-Film, auf laue Komödien wie "Babyspeck und Fleischklösschen" (1979, mit Bill Murray) und "Kleine Biester" (1980, mit Matt Dillon) stieß damals bei Amerikas Filmrezensenten auf einiges Befremden. "Es war so deprimierend. Ich hätte fast losgeheult", befand Stephen Hunter von der "Washington Post". Und Amerikas rangerster Kritiker Roger Ebert schrieb ein einziges Mal einen Verriss in Reimen. Markanteste Zeile: "Das Leben ist zu kurz für Folter durch Kino".

Dann geschah das Wunder: "WHAS" arbeitete sich über die Jahre via DVD, Uni-Kinos und Flüsterpropaganda zu dem hoch, was man Kultfilm nennt. Zu einem Status, den hierzulande etwa Helmut Weiss’ "Feuerzangenbowle" hat. Zu einer Beliebtheit, die heute eine Fernsehserie rechtfertigt. Aus "Psycho", "Das Schweigen der Lämmer", "Fargo" und "From Dusk Till Dawn" wurden ja auch Serien.

Zurück an den Anfang

Als ob Bradley Cooper, der zuletzt für Clint Eastwood als "American Sniper" unterwegs war und in "WHAS" seinen ersten Kinoauftritt hatte, das geahnt hätte. Als verkappt schwuler Counselor Ben hatte er damals im Film dem Betreuerteam ein Treffen in zehn Jahren vorgeschlagen. Nun, es sind 14 geworden, aber all die Hormongesteuerten von damals sind treu wieder im Ensemble der Netflix-Serie "WHAS – First Day in Camp"– darunter der Macho Andy (Paul Rudd, gerade als "Ant-Man" im Kino), die heiße Lindsay ("Tribute von Panem"-Star Elizabeth Banks) und der an einem Kriegstrauma leidende Koch Gene (Christopher Meloni). Die um anderthalb Jahrzehnte gealterten Schauspieler, schon 2001 deutlich zu alt für ihre Rollen, sind erneut 16-Jährige, sind sogar exakt acht Wochen jünger als damals.

Spielte der Kinofilm "WHAS" am Abend vor der Heimfahrt, geht’s mit Netflix zurück an den Anfang der Feriensaison 1981. Die Hormone aller Helfer im Camp Firewood sind erst im sachten Unruhezustand. Bald sollen sie in Wallung kommen. Immerhin haben sie jetzt schon diese Frisuren, die aussehen, als seien die Haare von einer bösen Hexe verzaubert worden und warteten auf Erlösung.

Absurde Wendungen

Wenn der Streamingdienst Netflix Spaß macht, dann geht er in die Vollen: Der Humor in "WHAS" ist ein Paukenhauer – "Klimbim" trifft "Monty Python", woraus eine Art "Monty Ringelnatter" wird. In "WHAS" tragen aufgebrachte Eltern ihre Beschwerden minutenlang einer Vogelscheuche vor, im Glauben, sie hätten den Campchef Mitch vor sich. Und der Campchef wird nach seinem Ertrinken in radioaktivem Pudding als sprechende Einmachdose reinkarniert. Eine Lustbarkeit für all jene Zuschauer, die sich an absurdesten Wendungen vergnügen können, zu deren Lieblingsfilmen "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" und die Trilogie "Die nackte Kanone" zählen. Das kommt nicht von ungefähr: Die Showrunner Michael Showalter und David Wain, die beide auch mitspielen, gehörten in den Neunzigerjahren zum Kreativteam der hochdekorierten MTV-Sketch-Serie "The State".

Wusste man 2001 nicht, ob man mit "WHAS" einen Film vor sich hatte, der sich über die Unzulänglichkeiten des Trash-Kinos lustig machte oder selber unzulänglich war, bietet das Prequel bei aller Improvisation deutlich mehr Struktur und Handlung. Die Trivialitäten des Originals werden jetzt erklärt und mit Hintergrund gefüllt, es werden ein Eifersuchtsdrama, ein Politthriller um Müllverklappung, Waffenschieberei und Regierungsumstürze eingewoben.

Einziges Problem könnte der Bekanntheitsgrad der Bezugsgröße werden: Der Film "WHAS" ist Kult nur überm Teich, in Deutschland ist er in etwa so (un)bekannt wie in den USA die "Feuerzangenbowle".

Von Matthias Halbig

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