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Dieses Bild will Facebook nicht sehen

Löschaufforderung wegen Brustblitzer Dieses Bild will Facebook nicht sehen

Rassistische Kommentare, Hetze, Pöbeleien – wenn es um grenzüberschreitende Kommentare geht, profiliert sich Facebook nicht gerade durch Eifer beim Löschen. Nicht so, wenn es sich um nackte Tatsachen handelt: Eine entblößte Brust ist schon zu viel des Guten. Die HAZ soll deshalb ein Foto von ihrer Facebook-Seite löschen.  

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Diese dpa-Foto will Facebook nicht in seinem Netzwerk sehen.

Quelle: dpa

Hannover. Es ist keine alltägliche Szene, die auf dem Foto zu sehen ist: Drei Menschen in Latexgewändern, einer von ihnen hat eine Kette um den Hals, im Hintergrund stehen Zuschauer mit Regenschirmen. Entstanden ist das Bild am Bodensee, als ein umstrittenes Erotikschiff losschipperte und in zahlreichen deutschen Medien darüber berichtet wurde. Auch auf HAZ.de wurde dieses Foto – das im öffentlichen Raum und nicht in irgendeinem Hinterzimmer entstanden ist – in Zusammenhang mit der Berichterstattung über das sogenannte „Torture Ship“ veröffentlicht und anschließend auch auf der Facebookseite der HAZ gepostet.

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All das wäre für Facebook kein Problem, hätte der Fotograf der Deutschen Presse Agentur nicht just in dem Moment auf den Auslöser gedrückt, als eine Frau mit entblößter Brust im Bild auftauchte. Denn genau das mag Facebook nicht und hat deshalb die HAZ zum Löschen des dpa-Fotos aufgefordert – mit Verweis auf die Communityrichtlinien. Nutzer hatten zuvor den Post der HAZ an das Unternehmen gemeldet. Das Bild ist sicherlich Geschmackssache, illustriert jedoch einen durchaus berichtenswerten Vorgang.

„Wir möchten, dass sich die Menschen sicher fühlen“

„Wir möchten, dass sich die Menschen sicher fühlen, wenn sie Facebook verwenden“, steht in eben diesen Communityrichtlinien. Was das genau für den Weltkonzern bedeutet, wird in zahlreichen Abschnitten ausgeführt. Unter anderem werden laut Facebook „direkte Bedrohungen“ anderer Nutzer, „Mobbing und Belästigung“ oder auch „gewalttätige und explizite Inhalte“ nicht toleriert, heißt es.

Unter dem Stichwort Nacktheit erklärt Facebook dann, dass man deren Darstellung einschränke, „da einige Zielgruppen innerhalb unserer globalen Gemeinschaft auf diese Arten von Inhalten unter Umständen sensibel reagieren können, insbesondere aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds oder Alters“. Neben Bildern von entblößten Genitalien (oder vollständig entblößten Pobacken) „beschränken wir Bilder mit weiblichen Brüsten, wenn darauf Brustwarzen zu sehen sind“, schreibt Facebook. Ausnahme: Frauen beim Stillen oder "Brüste mit Vernarbungen nach Brustamputationen" sowie Gemälde.

Kein Löscheifer bei Hasskommentaren

Dass Facebook seine selbstgewählten Communityrichtlinien umsetzt, wäre an sich nicht kritikwürdig – würde der Konzern bei allen strittigen Posts so rigoros löschen wie bei nackten Tatsachen. Denn wenn es um Hasskommentare geht, hat sich Facebook bislang nicht mit Schnelligkeit hervorgetan. Im Gegenteil: Trotz mehrfacher Gespräche mit hochrangigen Politikern wie Bundesjustizminister Heiko Maas hat Facebook nur wenig Eifer gezeigt, rassistische und volksverhetzende Kommentare konsequent zu löschen. Auch Nutzer, die solche rassistischen Kommentare an Facebook melden, bekommen häufig die Antwort, dass die Beiträge nicht gegen die "Communityrichtlinien" verstoßen.

Der US-Konzern hat in Deutschland den Dienstleister Arvato beauftragt, eine „Selbstkontrolle“ umzusetzen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sprach kürzlich in Berlin von 200 Mitarbeitern, die Beschwerden über rassistische und fremdenfeindliche Kommentare in Deutschland bearbeiteten. Genaueres teilte Facebook jedoch nicht mit. Die gemeldeten Kommentare der 30 Millionen Facebook-Nutzer in Deutschland werden jedoch meist in der Europazentrale in Dublin geprüft, wo angeblich deutsche Muttersprachler im „Community Operations“-Team arbeiten. Wie viele? Facebook schweigt auch hierzu.

Die HAZ-Redaktion hat sich entschieden, das Foto nicht zu löschen und den Post auch nicht zu verändern. Bislang ist auch kein Nutzer direkt an die Redaktion herangetreten, um sich über das Bild zu beschweren.

 

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