Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Digitale Nomaden kennen kein Büro

Arbeiten auf Weltreise Digitale Nomaden kennen kein Büro

Arbeiten von überall auf der Welt, ohne Chef und nur mit dem Internet. Das klingt für viele wie ein Traum. Immer mehr junge Menschen setzen ihn in die Tat um. Sie nennen sich digitale Nomaden. Das smarte Büro macht es möglich.

Voriger Artikel
Berlin sucht das versteckte Geld
Nächster Artikel
Keine Nachrichten mehr über Facebook

Büro am Strand: digitale Nomaden verdienen ihr Geld unterwegs.

Quelle: dpa

Berlin .  Patrick Hundt rechnet damit, dass er am Ende des Jahres etwa sechs Monate auf Reisen verbracht haben wird. 2013 war er neun Monate im Ausland. Und er hat dafür nicht lange gespart. Er verdient sein Geld unterwegs, als digitaler Nomade, er arbeitet über das Internet. Der Laptop ist sein Büro, jeder Tag kann potenziell an einem Strand mit azurblauen Wasser beginnen. Wie kam es dazu?

„Das hat sich zufällig ergeben“, sagt Hundt. Der 31-Jährige hat im Online-Marketing gearbeitet, eine Agentur aufgebaut und ging dann auf Reisen. „Ich hatte meinen Laptop dabei und startete einen Reiseblog.“ Irgendwann ließ sich damit Geld verdienen. Dann begann Hundt, unterwegs Mini-Reiseführer zu schreiben. Er betreibt noch weitere Webseiten, mit denen er Geld verdient. Hundt ist jetzt ein digitaler  Nomade.

Es ist eine neue Bewegung, die eine unabhängige Art zu leben verspricht. „Es eignet sich alles, was sich digital erledigen lässt und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Menschen erfordert“, sagt Hundt. Viele digitale Nomaden sind Freiberufler: Sie schreiben, übersetzen, programmieren, designen und beraten über das Internet.

Im Mai fand die erste Konferenz für digitale Nomanden (DNX) in Berlin statt. „Über das zeit- und ortsunabhängige Arbeiten reden wir aber schon seit Jahren“, erklärt Eike Wenzel, der das Institut für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ) gegründet hat. Bei IBM habe man damals vom deterritorialen Büro gesprochen, Ende der Neunziger war „Home Office“ ein Schlagwort. Ein spürbarer Wandel der Arbeitswelt blieb aus. Dieses Mal, glauben die digitalen Nomaden, wird alles anders.

„In den nächsten Jahren werden sich immer mehr Menschen mit spezialisierten Dienstleistungen unabhängig machen können“, prognostiziert Wenzel. „Dafür braucht man nur noch ein Smartphone und einen geliehenen Büroplatz.“ Urs Mansmann von der Computerzeitschrift „c’t“ bestätigt: „Die Möglichkeiten meines heimischen Büros habe ich mittlerweile weltweit.“ An vielen Orten der Welt gebe es ein WLAN, die Alternative ist das Mobilfunknetz vor Ort.

Mit der Ortsunabhängigkeit geht zumindest für die Freelancer und Selbstständigen eine neue Freiheit einher. „Ich kann selbst entscheiden, wann ich arbeite, woran ich arbeite und wem ich damit helfen will“, sagt Patrick Hundt. „Da ich jederzeit unterwegs sein kann, muss ich nicht so stark abwägen, welche Länder ich sehen möchte.“

Dass bald Angestellte großer Firmen digital vernetzt ihre Arbeit mal hier und mal dort verrichten, ist eher unwahrscheinlich: „Unternehmen tun sich mit dem mobilen Büro extrem schwer“, sagt Eike Wenzel. „Flexibilisierung ist eine Modevokabel, aber in der Angestelltenwelt von Großunternehmen funktioniert sie noch nicht.“  Bis 2030 könnten maximal 30 Prozent der deutschen Arbeitnehmer digital und ortsunabhängig arbeiten, sagt Wenzel.

Patrick Hundt räumt ein, dass das Leben als digitaler Nomade Kompromisse machen bedeutet. „Mir fehlt das soziale Umfeld. Ich treffe unterwegs zwar viele Leute, doch das sind nur flüchtige Bekanntschaften“, erzählt der Autor. Außerdem gebe es unterwegs keine geregelten Abläufe und viel Ablenkung. „Das erfordert hohe Selbstdisziplin.“ Das Leben als digitaler Nomade hat Hundt viele Freiheiten eröffnet. Aber es ist für ihn nicht das große Glücksversprechen. „So schön dieser Lifestyle ist, mir fehlt etwas“, schrieb er vor kurzem auf seinem Blog.  

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Netzwelt
HAZ-Volontäre gewinnen Medienpreis der Architektenkammer

Mit ihrer multimedialen Berichterstattung über die Wasserstadt Limmer haben die Volontäre der HAZ beim Medienpreis der Bundesarchitektenkammer den ersten Platz belegt.

Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen