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Netzwelt FBI ermittelt gegen Nacktfoto-Hacker
Nachrichten Medien Netzwelt FBI ermittelt gegen Nacktfoto-Hacker
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15:27 16.09.2011
Von Imre Grimm
Objekt der Begierde: US-Schauspielerin Scarlett Johansson („Lost in Translation“, „Vicky Cristina Barcelona“) gehörte zu den Opfern einer Hackerbande, die „private Fotos“ in Umlauf brachte. Quelle: dpa
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Eine groß angelegte Hackerattacke auf US-Prominente versetzt die amerikanische Öffentlichkeit in Wallung: Das FBI ermittelt gegen einen Ring von Cyperpiraten, der sich Zugang zu den Smartphones, E-Mail-Konten und Computern von mehr als 50 Stars verschafft und private Fotos oder Videos heruntergeladen haben soll. Die US-Bundespolizei bestätigte am Donnerstag erstmals, dass sie in den Fall eingeschaltet ist. „Ich kann mitteilen, dass das FBI eine Serie von Computerzugriffen untersucht, die auf bekannte Persönlichkeiten abzielten“, sagte FBI-Sprecherin Laura Eimiller in Los Angeles.

Die Namen der betroffenen Superstars wollte Eimiller nicht mitteilen. Meldungen über Hackerangriffe auf US-Celebritys gab es aber bereits im März. Zu den Betroffenen gehören laut US-Medien ausschließlich weibliche Stars, darunter Mila Kunis, Jessica Alba, Selena Gomez, Christina Aguilera, Ali Larter und Miley Cyrus. Schon 2007 waren Nacktfotos vom damals noch minderjährigen US-Teenagerstar Vanessa Hudgens („High School Musical“) von ihrem Gmail-Account gestohlen und im Netz verbreitet worden.

Jüngstes Opfer der Cyperattacken ist offenbar „Lost in Translation“-Star Scarlett Johansson (26). Im Internet kursieren seit Donnerstag zwei Fotos, die die Schauspielerin ganz offensichtlich selbst mit ihrer Handykamera aufgenommen hat: Sie fotografierte sich mit einem lose drapierten Handtuch nackt von hinten vor einem Spiegel sowie barbusig auf einem Bett liegend. Ihr Anwalt Marty Singer tut seit Donnerstag sein Möglichstes, das Material aus dem Netz entfernen zu lassen – doch im Fall Johansson zeigt sich einmal mehr, was zugleich Schwäche und Stärke des Internets ist: Es vergisst nicht. Die Bilder verbreiten sich im Eiltempo.

In einem strengen Schreiben an diverse Webseiten forderte Singer, die Fotos unverzüglich zu entfernen – und bestätigte damit ihre Authentizität: „Die sehr persönlichen und privaten Bilder zeigen unsere Klientin posierend in ihrem Zuhause in einem Zustand der Nacktheit und/oder Barbusigkeit“, schreibt der Anwalt in unüblicher Detailtreue. „Das Urheberrecht liegt allein bei unserer Klientin.“ Die „Klientin“ selbst äußerte sich nicht.

Illegale Handyattacken und abgehörte Mailboxnachrichten waren der Auslöser der größten Affäre in der britischen Mediengeschichte, dem Skandal um Rupert Murdochs inzwischen eingestelltes Sonntagsblatt „News of the World“.

Wer hinter den aktuellen US-Fällen steht, ist unklar. Fest steht aber, dass der Markt für „private“ Fotos großer Stars unersättlich ist – und die Grenzen zwischen echtem Datendiebstahl und absichtlichen, selbst lancierten PR-Coups fließend. Sogenannte „Sextapes“ finden inzwischen alle naselang den Weg ans Licht der Öffentlichkeit – viele von Gerüchten begleitet, der betroffene Star selbst habe sie in Umlauf gebracht, um die daniederliegende Karriere mit künstlich erregten Skandalschlagzeilen zu befeuern. Hausgemachte Sexfilmchen existieren inzwischen von mehr als 40 A-, B- oder C-Prominenten, darunter Jimi Hendrix (der Film von Anfang der siebziger Jahre tauchte erst 2008 auf), Pamela Anderson (ihr Liebesspiel mit Ehemann und Mötley-Crüe-Schlagzeuger Tommy Lee wurde 1998 zum Sextape-„Klassiker“), Kim Kardashian, Katie Price, Paris Hilton, Ex-Eiskunstläuferin Tonya Harding und Sängerin Rhianna. Nicht selten sind die Urheber der verwackelten Filmchen selbst am Erlös aus später legalisierten DVD-Verkäufen oder Klickgebühren beteiligt, etwa im Fall von Anderson und Tonya Harding.

Scarlett Johansson freilich hat sich bisher bemüht, ihr Sexbomben-Image nicht auch noch mit allzu freizügigen Bildern zu befeuern (von einem Schwenk über ihren Hintern in Sofia Coppolas „Lost in Translation“ 2003 einmal abgesehen). Ihre Karriere dürfte einen solchen Schub auch gar nicht nötig haben. Wichtige Fragen bleiben vorerst unbeantwortet: Steckt hinter der Affäre eine semiprofessionelle Medienmafia oder eher ein einsamer Hacker im Keller seines Elternhauses im Wichita? Und zweitens: Wie viel Eitelkeit (und Naivität) gehört dazu, als Superstar Nacktfotos von sich selbst auf dem Handy mit sich herumzutragen?

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