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Facebook-Gemeinde spottet über CDU-Sommerfeste

Internetpolitik Facebook-Gemeinde spottet über CDU-Sommerfeste

Das CDU-Sommerfest im hessischen Dietzenbach sollte einen kulturellen Anstrich bekommen: die Musikvereinigung der Stadt spielt auf. Bei Facebook meldeten sich hunderte Besucher an - viele aus Spott über die Internetpolitik der Union.

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Nach Kritik und Gesetzesvorschlägen erntet die CDU jetzt Spott für eigene Facebook-Partys.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Berlin. Thomas bringt Kartoffelsalat mit, Frank Bier. Das Interesse am Sommerfest der CDU in Hasloh ist groß. Zu groß, findet der Ortsverband in Schleswig-Holstein. „So was ähnliches wie Hausfriedensbruch“ befürchtet Michael Witt - sollte nur ein Bruchteil der mehr als 1350 Leute kommen, die sich bis Dienstag auf der Internetplattform Facebook für den Termin angemeldet haben. Mit einem Klick auf den „Ich nehme teil“-Button. Satire oder Ernst? Der CDU könnte ihre Internetskepsis zum Verhängnis zu werden.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann war mit der Forderung nach einem Partyverbot vorgeprescht, als zum Geburtstag der jungen Hamburgerin Thessa 1600 Gäste vor der Haustür standen und die Polizei auf den Plan riefen. Das Mädchen hatte die Einladung auf dem Sozialen Online-Netzwerk versehentlich für alle sichtbar veröffentlicht. In Hannover wurde Anfang Juli eine ganze Wasserschlacht vor dem Hauptbahnhof über Facebook organisiert.

Dagegen sind die Feiern der Parteien natürlich für ein breites Publikum bestimmt. Zwar betont Witt: „Willkommen ist nur, wer sich mit Hasloh verbunden fühlt.“ Guido Kaupat vom CDU-Stadtverband im südhessischen Dietzenbach räumt jedoch ein: „So eine Veranstaltung ist eh öffentlich. Ich hänge ja auch Plakate auf.“

Dennoch war die Resonanz im Netz so enorm, dass Kaupat die Facebook-Seite zum Sommerfest kurzerhand sperrte. Kommentieren ist jetzt nicht mehr möglich. Als „Service“ schaffte vermeintliche politische Konkurrenz einen Ersatz: „Die Partei“, gegründet vom Satiriker Martin Sonneborn, kopierte den Termin und sammelte bislang mehr als 750 Zusagen. Kaupat zufolge kamen in der Vergangenheit sonst bloß 150 Gäste.

„Warum auch nicht zur CDU gehen“, kommentiert der politische Geschäftsführer des hessischen „Die Partei“-Landesverbandes, Jan Steffen. Ziel des Volks sei es offensichtlich, die Hüpfburg zu besichtigen und am Luftballonwettbewerb teilzunehmen, tut Steffen bierernst. Neben Mitgliedern des Landesverbandes, der sich als „kleine, schmierige und populistische Partei“ beschreibt, haben Steffen zufolge auch Genossen aus Hamburg und Berlin ihr Kommen angekündigt - „um den Dialog mit dem politischen Gegner zu suchen“.

Dass einige der Partygäste für schlechte Stimmung oder gar Randale sorgen könnten, befürchtet Steffen nicht. Die CDU in Dietzenbach hat aber vorsichtshalber schon mal die Polizei eingeschaltet. „Gegebenenfalls hat sich „Die Partei“ strafbar gemacht“, erklärt Kaupat. Er ist sich zwar sicher, dass der Anlass satirisch und humoristisch gemeint war. „Ich glaube aber, dass es ihnen entgleitet irgendwann.“ Wer Geld zahle und lange Anfahrtswege auf sich nehme - wie im Fall Thessa - meine das nicht mehr nur lustig.

Am Donnerstag haben mehrere hundert Jugendliche auf dem Ernst-August-Platz vor dem Hauptbahnhof eine Wasserschlacht veranstaltet.

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Noch blickt Kaupat dem 21. August aber gelassen entgegen. Und ein bisschen freut er sich sogar über den Facebook-Hype: „So viel Presse hat ein Sommerfest in Dietzenbach noch nie gehabt.“

Für das Ergebnis heißt das aber nichts: An einer Veranstaltung der CDU in Berlin-Spandau über innere Sicherheit waren rund 400 Facebook-Mitglieder interessiert. Es kamen knapp 40, die auch ohne Internet dagewesen wären, wie Heiko Melzer sagt. Er hatte die Einladung seinerzeit gelöscht, weil in einigen Kommentaren Politikern Gewalt angedroht wurde. Aus Schreck über den Online-Ansturm räumten auch einige andere CDU-Ortsvereine ihre Termine von der Plattform.

Die SPD hat von der Begeisterung für politische Sommerfeste noch nichts abbekommen, wie eine Sprecherin sagt. Vielleicht liegt es an der internetpolitischen Linie der Sozialdemokraten, vielleicht ist es Glück. Die SPD werbe jedenfalls weiterhin bei Facebook für ihre Veranstaltungen. Frei nach dem Credo des Netzwerks: „gefällt mir“.

sta/dpa

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