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Food-Fotografie im Internet Das Auge isst mit

In Blogs, sozialen Netzwerken oder auf Rezeptbörsen: Immer mehr Menschen fotografieren ihr Essen. Ein Profi verrät Tricks für das perfekte Foto.

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Viele fotografieren gern, was sie essen: Aber nicht jede Aufnahme zeigt die Gerichte im besten Licht.

Quelle: istock

Hannover. Haben Sie schon einmal Ihr Essen fotografiert? Viele Menschen tun das und teilen ihre Bilder in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Kein Kochbuch, kein Foodblog und fast kein privater Account kommt heutzutage ohne schöne Fotos von schmackhaften Gerichten aus.

Aber warum? Und vor allem: Warum sehen viele Bilder nicht so richtig appetitlich aus? Pampe, lieblos auf die Nudeln geklatscht: Da kann die Sauce bolognese noch so gut schmecken – ihr Foto weckt keinen Hunger, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Dabei gibt es ein paar einfache Tipps, mit denen Apfelkuchen, Brokkoliauflauf und Cheeseburger nicht nur den Gaumen, sondern auch das Auge erfreuen.

Übung macht den Meister

"Man muss mit Sorgfalt arbeiten und schon vorher eine Vorstellung davon haben, wie das Bild nachher aussehen soll", rät der Foodstylist und gelernte Koch Andreas Miessmer. Also nicht erst spontan das Smartphone zücken, wenn das Gericht auf dem Teller dampft. Sondern zunächst frische Zutaten einkaufen, dann auf Farben und Komposition achten und auch die Beleuchtung überprüfen. Für das richtige Licht kann zum Beispiel ein gut positionierter Badezimmerspiegel sorgen.

Wichtig ist auch eine ordentliche Portion Geduld, weiß Miessmer: "Kartoffelpüree beispielsweise sieht bei den ersten Versuchen meist nicht besonders gut aus. Den richtigen Dreh, wie man das  drapiert, damit es noch ein bisschen fluffig wirkt, kriegt man erst, wenn man das hundertmal gemacht hat." Nicht nur fürs Kochen, sondern auch fürs Fotografieren gilt laut Miessmer: "Übung macht den Meister."

Rezeptetausch im Internet

Immer mehr Menschen zeigen, was sie verspeisen. Dabei geht es nicht nur um ihr Geschick mit Messer und Pfanne, das sie damit unter Beweis stellen wollen. In unseren ökologischen Zeiten gilt mehr denn je: Du bist, was du isst. Nahrung ist zu einem neuen Statussymbol geworden. Am besten bio, regional und mit jenem exotisch-kreativen Touch, den auch TV-Kochshows und Videoblogs gern zelebrieren: hier noch ein kleiner Klecks Crema di Balsamico neben die roten Erdbeeren, dort noch ein gerösteter Parmesan-Cracker auf dem Blattsalat. Kochstars wie der Brite Jamie Oliver haben den Hype ums schöne Essen beflügelt, nun quillt das Netz über vor Blogs, auf denen sich "Foodies" tummeln. Feinschmecker und Hobbyköche tauschen online Rezepte aus und präsentieren dabei ihr Essen – und quasi sich selbst – von der Schokoladenseite.

Fragt man den Fachmann, warum heutzutage so viele Menschen ihre Kreationen vor dem Verspeisen ablichten, antwortet Miessmer: "Der Trend zum Fotografieren von Essen kommt sicherlich durch die Technik, die das mittlerweile sehr leicht macht. Zudem gibt es überall Kochshows, in denen das angeregt wird." Aber Profi Miessmer begrüßt den Trend: "Ich finde es gut, wenn man sich mit Essen auseinandersetzt und Rezepte und Bilder teilt." Wichtig sei jedoch auch, die Qualität der Zutaten schätzen zu lernen und die Erzeuger dabei zu unterstützen, gute, regionale und saisonale Lebensmittel herzustellen.

Trend zu mehr Natürlichkeit

Neben der Einstellung zum Essen hat sich ebenfalls die Art der Präsentation gewandelt: Früher war es unter Foodstylisten gang und gäbe, Haarspray für die Standfestigkeit oder Möbelpolitur für den Glanz zu verwenden. Da wurde das leckere Pils für das Werbeplakat schon mal von Rasierschaum gekrönt, weil der fester und weißer ist. Das wirkte allerdings nicht nur appetitlich: "Bis Mitte der Achtziger sahen die Bilder vieler Nahrungsmittel und Getränke sehr steril aus", sagt Miessmer. Eine solche Präsentation nehme einem heutzutage keiner mehr ab, dazu würden sich die Verbraucher mittlerweile zu gut auskennen.

Nur wenige Profis griffen daher noch zu derlei Tricks, die das Essen ungenießbar machten. Stattdessen gebe es einen Trend zur Natürlichkeit, erklärt Miessmer: "Die Leute wollen etwas, das so aussieht, als könnte es bei ihnen selbst auf dem Teller liegen – dass sie da direkt reinbeißen wollen." Ein Brathuhn beispielsweise dürfe nicht wirken, als sei es aus Plastik. Miessmer: "Die Haut muss ein bisschen eingeschrumpelt sein, vielleicht ist auch ein zufällig wirkender Soßenklecks auf dem Teller. Es muss immer ein Hauch unperfekt wirken – das ist am schwierigsten hinzubekommen."

So gelingen Ihre Fotos – Tipps vom Foodstylisten Andreas Miessmer

Ein grundsätzlicher Tipp ist: Frische, Frische, Frische. Darauf muss man bereits beim Einkauf achten – so sieht das Ergebnis auf den Bildern wesentlich besser aus als mit Zutaten, die vielleicht schon ein bisschen angewelkt sind.
Beim Kochen sollte man’s lieber ein bisschen knackiger halten, damit das Gericht schön ausschaut. Viele neigen dazu, ihr Essen zu verkochen und zu übergaren – das wirkt auf dem Foto dann nicht so gut.
Gemüse nicht von Anfang an dazugeben, gerade wenn man ein Ragout oder Gulasch kocht, sondern besser in Salzwasser blanchieren und erst kurz vor dem Servieren hinzufügen. Dann leuchten die Möhren noch schön orange, die Bohnen grün und der Paprika rot.
Den Salat nicht erst mit dem Dressing vermengen und dann das Dekorieren anfangen. Er soll ja frisch aussehen. Also: die einzelnen Blätter schön locker übereinander drapieren, dabei in die Höhe bauen.

Wichtig : Salat wirkt auf den meisten Fotos zu dunkel, daher sollte man ihn ans Fenster stellen, damit natürliches Licht durch die Blätter scheinen kann und der Salat schön grün und knackig aussieht. Dann erst die Soße daraufgeben, gerne auch ein paar appetitliche Tropfen auf den Teller – und dann schnell fotografieren. Oft hat man nur wenige Sekunden Zeit, um das perfekte Bild zu machen.
Bei Gebratenem sollte man darauf achten, das Fleisch vor dem Anschneiden noch ein paar Minuten ruhen zu lassen – sonst tritt der Saft aus. Und reicht man eine Soße dazu, vermengt sich das auf dem Teller unschön. Also kurz warten. Außerdem sollte das Steak ein wenig früher aus der Pfanne, damit es weniger dunkel angebraten ist. Denn was für unser menschliches Auge hell wirkt, ist für viele Kameras immer noch dunkel und wirkt auf dem Foto nicht so gut.
Am Ende kann man die Kreation mit ein bisschen Olivenöl bepinseln, damit alles schön glänzt. Wenn man zum Beispiel Nudeln kocht und heiß auf dem Teller drapiert, werden sie schnell trocken und sehen dann stumpf aus – hier kann ein bisschen Öl helfen. Dann noch ein paar Pfefferkörner dazu und ein paar frische Kräuter darauf geben.

Viele fotografieren mit Autofokus, dann wird alles auf dem Bild scharf. Das kann allerdings gelegentlich etwas langweilig sein. Also lieber mal ein bisschen mit der Blende und der Belichtungszeit experimentieren.
Das Spiel mit der Unschärfe und mit dem Anschneiden im Bild liegt im Trend. Beides hat aber auch den Vorteil, dass der Betrachter gleich weiß, wo der Fokus vom Bild ist. Wenn ich etwas im Ganzen fotografiere und alles scharf ist: etwa der Blumenstrauß, die Serviette, das Besteck, der Kerzenständer – dann übersehe ich eher das leckere Erbsengericht. Man muss das Auge dorthin lenken, wo der Fokus liegen soll. Das muss nicht immer unbedingt in der Bildmitte sein – das kann auch mal im Goldenen Schnitt sein.

Von Maximilian Vogelman

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