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Gekürztes Merkel-Video bringt NDR unter Druck

Die Kanzlerin und das weinende Mädchen aus dem Libanon Gekürztes Merkel-Video bringt NDR unter Druck

Die Bundeskanzlerin bringt mit kühl vorgetragener Flüchtlingspolitik ein Kind aus dem Libanon zum Weinen. Die Aufregung ist groß. Doch zugleich ist eine selten weiche Angela Merkel zu sehen. Der Shitstorm im Netz trifft mittlerweile nicht mehr nur die Kanzlerin, sondern auch den NDR.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel tröstet die in Tränen aufgelöste Reem, ein palästinensisches Mädchen aus dem Libanon.

Quelle: NDR / dpa

Rostock. Termine mit Schülern sind für Politiker eine dankbare Sache. Hier bekommen sie nette Bilder und können sich sympathisch inszenieren. Der Besuch der Paul-Friedrich-Scheel-Schule in Rostock hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch jedoch in eine Ausnahmesituation gebracht. Vor ihren Augen fängt plötzlich ein palästinensisches Mädchen aus dem Libanon an zu weinen, mit dem sich Merkel eben noch angeregt über Flüchtlingspolitik unterhalten hatte. Reem lebt seit 2011 in Rostock, berichtete von ihren Großeltern im Libanon, die sie vermisst, und ihrem Wunsch, in Deutschland zu studieren.

Einen Kommentar von unserer Autorin Ann-Kathrin Seidel finden Sie hier.

Als der Kleinen plötzlich die Tränen kommen, geht die Kanzlerin spontan auf das Mädchen zu, streichelt es zum Trost. Doch das von Merkel zuvor Gesagte („Es werden auch manche wieder zurückgehen müssen“), steht im Raum. Am Tag darauf bricht über der Regierungschefin ein Shitstorm im Internet los, Merkel wird als kaltherzig und abgebrüht beschimpft. Der gestrige Tag zeigt aber auch, wie schnell das Meinungsbild der Internetgemeinde kippen kann. Gegen Abend hat Merkel plötzlich Befürworter im Netz, nun wird die reißerische Darstellung des Sachverhaltes durch den NDR kritisch kommentiert.

Auf der Seite des NDR können Sie die ungekürzte Version des Videos sehen.

Der Sender hatte als erster einen Beitrag über den emotionalen Moment gebracht, dabei allerdings dramatisiert. In der Anmoderation heißt es, dass Reem mit ihrer Familie kurz vor der Abschiebung stünde. Im Mitschnitt der gesamten Veranstaltung, den die Bundesregierung veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie Reem von der erteilten Aufenthaltsgenehmigung berichtet, jedoch die nervenaufreibende Situation des vorläufigen Bleiberechts beklagt. „Solange ich nicht weiß, ob ich hier bleiben darf, weiß ich auch nicht, wie meine Zukunft sein wird“, sagt die Schülerin.

Dass sich Merkel und Reem fast zehn Minuten nett über Integration unterhalten haben, wurde im NDR weggeschnitten. Auch die zentrale Passage in Merkels Argumentation, in der sie unterscheidet zwischen Flüchtlingen aus Ländern wie dem Libanon ohne Bürgerkrieg und Ländern mit Krieg. Der unter Druck geratene NDR stellte später ebenfalls die ungeschnittene Fassung des Gesprächs auf seine Internetseite.

Von Christoph Stephan

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