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Ex-Junkie aus Hannover erhält Grimme-Preis

„Shore, Stein, Papier“ Ex-Junkie aus Hannover erhält Grimme-Preis

Eine Museumswebsite, ein Newsletter und ein digitales Stadtmagazin sind unter den diesjährigen Gewinnern des Grimme Online Award. Den Publikumspreis erhielt aber die Internet-Doku-Serie "Shore, Stein, Papier" über einen Ex-Junkie aus Hannover.

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Ausgezeichnet: Ex-Junkie $ick.

Quelle: Ditfurth

Köln. Die Internet-Doku-Serie „Shore, Stein, Papier“ über einen Ex-Junkie aus Hannover ist mit dem Publikumspreis des renommierten Grimme-Online-Awards ausgezeichnet worden. „Das Angebot liefert fernab der üblichen Webvideo-Formate einen authentischen Protagonisten in einem ungekünstelten Setting und wirkt so ohne erhobenen Zeigefinger abschreckend“, heißt es in der Begründung der Jury.

329 Folgen der Serie hat der Internetsender zqce bis heute produziert. In jeweils knapp zehnminütigen Folgen auf dem YouTube-Kanal des Senders berichtet der ehemalige Drogenabhängige von seinen Erlebnissen im Junkiemilieu. Von Ende der Achtzigerjahre bis Anfang 2000 war der heute 42-Jährige, der aus Rücksicht vor seiner Tochter nur unter dem Pseudonym $ick auftritt, in der Rauschgiftszene rund um den Hauptbahnhof unterwegs. Bereits als Jugendlicher rauchte er regelmäßig Heroin, inzwischen ist er seit gut vier Jahren clean.

Die Internetserie besticht durch ein ganz einfaches Setting. Der Protagonist sitzt an einem massiven Küchentisch aus Holz. Vor ihm stehen Kaffeetasse und Aschenbecher. Zwei Kameras filmen ihn aus zwei Perspektiven, wie er von seinem Leben erzählt. Nur ab und zu stellt Kameramann Paul Lücke Nachfragen.

„Shore, Stein, Papier“ wird nach fünf Staffeln auslaufen. Dann will sich Hauptdarsteller $ick weiter der Präventionsarbeit widmen und Schulkindern von seinem alten Leben berichten.

$ick im Interview 

Er verrät seinen Namen nicht. Aber allen, die sie hören wollen, erzählt er seine Geschichte. ZiSH-Autor Ansgar Nehls hat mit dem Ex-Junkie gesprochen.

Preise für Webreportage und Stadtmagazin

Ein weiterer Preis ging an eine Webreportage über den Absturz des Passagierflugzeugs in der Ukraine. " MH17 - Die Suche nach der Wahrheit" verbinde klassischen Journalismus mit digitalen Erzählmethoden, befand die Jury am Donnerstagabend in Köln.

Die Reportage ist das Ergebnis einer monatelangen Vor-Ort-Recherche des unabhängigen Recherchebüros Correctiv, das sich über Spenden und Stiftungen finanziert. In der Kategorie "Information" gab es noch zwei weitere Preise: Ausgezeichnet wurden das digitale Stadtmagazin " neukoellner.net" aus dem Berliner Bezirk Neukölln und "Checkpoint", ein Newsletter des "Tagesspiegel"-Chefredakteurs Lorenz Maroldt.

Gleich vier Preise vergab die Jury diesmal in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung": Mit einem Award von der Bühne gingen die Macher der Arte-Webreportage "Polar Sea 360°", die den Klimawandel unmittelbar erfahrbar machen will. Der Nutzer kann dabei selbst entscheiden, was er sich näher ansehen möchte. Das Städel-Museum bekam einen Award für geschickt aufbereitete Hintergrundinformationen zu einer großen Ausstellung: das Digitorial "Monet und die Geburt des Impressionismus".

Der YouTube-Kanal "Hyperbole TV" bestach in den Augen der Jury durch Witz und frische Professionalität. Einer der Macher sagte, "Hyperbole TV" tue, was die Öffentlich-Rechtlichen nicht tun könnten, nicht tun wollten oder nicht tun dürften. Ebenfalls in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" prämiert wurde das Webspecial "Mamour, mon amour" über die Liebesbeziehung zwischen der Schweizerin Lena und dem Senegalesen Mamour, der ohne Papiere in der Schweiz lebt.

In der Kategorie "Wissen und Bildung" ging ein Preis an "netwars/out of CTRL", eine interaktive Webserie über einen drohenden Cyberkrieg. Cyberattacken gebe es schon seit vielen Jahren, sagte einer der Macher. Die Webdokumentation wolle klarmachen, dass dies jeden betreffe, zeige aber auch, wie man sich schützen könne.

In der Kategorie "Spezial" gab es dieses Jahr keine Auszeichnung. Astronaut Alexander Gerst ging dadurch leer aus - er war für seine Twitter- und Facebook-Beiträge aus dem Weltraum nominiert gewesen.

Der nicht dotierte Grimme Online Award zeichnet seit 2001 deutschsprachige Online-Angebote aus. Moderatorin Sandra Rieß bezeichnete ihn als den wichtigsten deutschen Preis für "qualitativ hochwertige Internetangebote". Für die insgesamt acht Preise waren diesmal 25 Webangebote aus 1400 Vorschlägen nominiert.

tm/dpa

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