Hannover. Der populäre Musik-Streamingdienst Grooveshark ist für Nutzer aus Deutschland nicht mehr erreichbar. „Aufgrund unverhältnismäßig hoher Betriebskosten stellt Grooveshark den Zugriff aus Deutschland ein“, ist seit Mittwoch auf der Startseite zu lesen. Zugleich attackiert die Betreiberfirma Escape Media Group die Verwertungsgesellschaft Gema und gibt ihr eine Mitschuld für das Aus von Grooveshark in Deutschland. „Wenn Sie die Betriebskosten für Anbieter wie Grooveshark herabsetzen wollen, können Sie eine höfliche Nachricht an die Gema schicken“, ist auf der Seite zu lesen. Offenbar nicht ohne Spott haben die Betreiber eine Postanschrift sowie eine Telefonnummer ins Netz gestellt – beide führen direkt zur GEMA in Berlin.
Die Gema zeigte sich von den Vorwürfen überrascht. Der Dienst sei nicht wegen der hohen Betriebskosten eingestellt worden, sondern weil sich Grooveshark grundsätzlich weigere, den von ihm betriebenen Dienst überhaupt in irgendeiner Form zu vergüten. „Anlass der Schließung des Dienstes in Deutschland ist damit nicht, wie durch den Infotext auf der Website von Grooveshark fälschlicher Weise suggeriert wird, eine Uneinigkeit über die Vergütungshöhe, sondern die generelle Tatsache, dass Grooveshark Urheber und andere Rechteinhaber an seinen Umsätzen beteiligen muss“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.
Grooveshark gilt seit Längerem als schwarzes Schaf unter den Streamingdiensten und agiert in einer rechtlichen Grauzone. Anders als die Konkurrenten Spotify, Simfy oder Napster hat Grooveshark keine umfangreiche Lizenzvereinbarungen mit Plattenfirmen geschlossen. Zudem können die Nutzer bei Grooveshark auch Lieder aus der eigenen Musiksammlung hochladen – ein Verfahren, das rechtlich umstritten ist. Mittlerweile haben alle großen Plattenfirmen in den USA Klage gegen Grooveshark eingereicht. So wirft Universal Music den Betreibern von Grooveshark vor, mehr als 100.000 urheberrechtlich geschützte Lieder ins Netz gestellt zu haben, darunter zahlreiche Universal-Songs. Pro Song verlangt Universal laut Medienberichten 150.000 US-Dollar Schadensersatz, was einem Streitwert von weit über 100 Millionen Dollar gleichkäme.
Nutzern aus Deutschland empfehlen die Grooveshark-Betreiber, auf den deutschen Streamingdienst Simfy auszuweichen. Dieser bietet derzeit fünf Stunden kostenlose Musik im Monat an. Simfy teilte auf Anfrage mit, dass man eine Partnerschaft mit Grooveshark eingegangen sei.Simfy hat nach eigenen Angaben 16 Millionen Lieder in seinem Angebot.
Für deutsche Nutzer weiterhin verfügbar ist die HTML5-basierte Beta-Version von Grooveshark, die unter html5.grooveshark.com aufgerufen werden kann. Die englischsprachige Seite ist für Smartphones und Tablets optimiert, kann aber auch über PC und Mac problemlos aufgerufen werden. Mithilfe dieser Version umgehen die Grooveshark-Btereiber die Verbannung ihrer Apps aus den Stores von Apple und Google. Grooveshark erklärte auf Anfrage, dass man alle Beta-Projekte noch im Laufe der Nacht aus dem Netz nehmen weren.
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