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Kapitän Schwandt kämpft gegen AfD und Trump

140.000 Fans auf Facebook Kapitän Schwandt kämpft gegen AfD und Trump

Jürgen Schwandt ein Star: Auf Facebook wollen mittlerweile mehr als 140.000 Menschen lesen, was der 80-jährige Kapitän denkt – über die AfD, über Flüchtlinge, aber auch über die Ehe. Oft wird er angefeindet. Aber der Mann ist Sturm gewohnt.

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Der ehemalige Kapitän Jürgen Schwandt ist Seebär, Reisender und Kolumnist und hat auf Facebook rund 140.000 Follower.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Jürgen Schwandt ist Seebär, Reisender und Kolumnist. Als Kapitän hat er sein Leben lang die Weltmeere befahren. Es gibt wohl kaum einen anderen 80-Jährigen, der mehr Follower auf Facebook hat, als ihn: Mehr als 140.000 Menschen folgen ihm.

Kapitän fordert mehr Toleranz

Er äußert sich zu ziemlich allem und jedem auf der Welt, von Labskaus über Donald Trump bis hin zu Pegida und der AfD. "Im schlimmsten Hafenpuff von Rotterdam ging es sachlicher zu als in mancher Kommentarspalte der AfD", postete er eimal. Spitz, direkt und immer mit einem Augenzwinkern – das ist Schwandts Sprache

Der 80-Jährige appelliert in seinen Facebook-Beiträgen für mehr Menschlichkeit und Unterstützung für Flüchtlinge. "Wir brauchen mehr Toleranz, anders geht's nicht", sagt er. Ihn ärgert, dass viele Menschen voller Vorurteile seien, obwohl sie noch nie mit Flüchtlingen in Kontakt getreten sind. "Ich positioniere mich ganz klar gegen rechts – kompromisslos."

Kritiker werfen ihm vor, dass er auf dem linken Auge blind sei. Schwandt widerspricht. Zum Beweis postete er neulich auf Facebook die Meldung über Anschläge auf AfD-Politiker. "Das, liebe Freunde, geht nicht. Gewalt ist abzulehnen, egal von welcher Seite", schrieb Schwandt.

Von Gegnern kommen Hassbriefe

Schwandt befeuert Debatten auf seiner Facebook-Seite. Doch er zieht mit seiner konfrontativen Art auch die Aufmerksamkeit von Gegnern auf sich: Beleidigungen, Hassbriefe, Drohungen – insbesondere von Menschen, die der NPD nahestehen. Gegen einige muss er rechtlich vorgehen.

Und immer wieder muss er auf seiner Facebook-Seite schreiben: "Ich möchte auf eines hinweisen, zum gefühlt tausendsten Male: Wer meint, sich dem Niveau dieser Pöbler anpassen zu müssen, ist hier fehl am Platz. Ich dulde weder Aufrufe zur Gewalt, noch Beleidigungen, Drohungen oder sonst etwas."

Glücklicher Weise hat er eine große Gemeinschaft an Unterstützern hinter sich. "Mit all dem habe ich am Anfang gar nicht gerechnet", erzählt er. Langeweile komme bei ihm jedenfalls nicht auf. Die See vermisse er trotz allem.  

Fans wollen Rat bei Eheproblemen

"Der Kapitän macht die Inhalte, wir machen das Technische", erzählt Verleger Stefan Kruecken. "Als ich ihn fragte, ob wir uns nicht auf Facebook anmelden wollen, war er erstmal etwas skeptisch." Die Idee schlug ein wie eine Bombe. Der Kapitän erzählt, Kruecken schreibt. "An einem Wochenende erhält der Kapitän um die 600 Nachrichten."

Seine Fans kontaktieren Schwandt aber nicht nur wegen seines Engagements für Flüchtlinge, sondern auch wenn es um Eheprobleme oder andere Lebensfragen geht. "Eine Art Briefkastenonkel bin ich mittlerweile", sagt Schwandt. Er selbst ist seit 45 Jahren verheiratet. Kinder hat er nicht. Dafür habe es nie Zeit gegeben.

Mit 16 Jahren heuerte Jürgen Schwandt das erste Mal auf einem Schiff an. Er wollte fort aus dem zerbombten Hamburg, weg vom eigenen Vater, der überzeugter Nationalsozialist war. "Die Konfrontation wurde immer härter", sagt Schwandt. "Er leugnete den Holocaust, all die Gräueltaten, bis zum Schluss." Seitdem schwor sich Schwandt, gegen rechts anzutreten.

Von Jasmin Sarwoko, dpa/RND/wer

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