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Springer will noch digitaler werden

Investitionen geplant Springer will noch digitaler werden

Der Medienkonzern Axel Springer konnte im Geschäftsjahr 2015 noch mal deutlich zulegen. Mehr als die Hälfte der Einahmen kamen aus dem digitalen Geschäft, auf das sich das Unternehmen mehr und mehr konzentriert. 2016 will Springer an diesem Kurs festhalten.

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Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner gibt bei der Bilanzpressekonferenz die Geschäftszahlen bekannt.

Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin. Der führende digitale Verlag will Axel Springer werden, auch über Europa hinaus. Dazu will der Konzern, der annähernd zwei Drittel seiner Erlöse mit Digitalem erwirtschaftet und nahezu die Hälfte im Ausland, in Zukunft noch internationaler und noch digitaler werden. Das kündigte Vorstandschef Mathias Döpfner bei der Bilanzierung des vergangenen Geschäftsjahrs an.

Digitaler und internationaler wurde der Konzern zuletzt auch dadurch, dass er Teile seiner deutschen Printtitel verkauft hat: sämtliche Regionalzeitungen und mehrere Zeitschriften. Gleichzeitig baute der vierköpfige Vorstand, der 2015 insgesamt 19 Millionen Euro verdient hat, das digitale Rubriken-, Abo- und Vermarktungsgeschäft aus und investierte im englischsprachigen Raum. 2015 kam etwa die Beteiligung an "Politico" hinzu, eine digitale Marke mit Fachinformationen für den Brüsseler Politikbetrieb; außerdem "Business Insider", die  teuerste und wichtigste Investition, wie Döpfner sagte.

"Stepstone" bringt das meiste Geld

Auf eine Milliarde Euro ist der Schuldenstand dadurch gewachsen, knapp eine weitere steht als Kreditrahmen für weitere Investitionen zur Verfügung. Allerdings gilt für das laufende Jahr, die neuen Geschäfte, zu denen das gerade in vier Ländern gestartete, auf dem neuen Samsung-Smartphone integrierte Newsangebot "Upday" gehört, erst einmal zu verdauen und zu verkraften. Entsprechend geht Springer 2016 von nur leicht steigendem Wachstum aus. 2015 erwirtschaftete der Konzern unterm Strich 280 Millionen Euro Gewinn (plus 11 Prozent) bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro (plus 8,5 Prozent). Das operative Ergebnis verbesserte sich um 10 Prozent auf 560 Millionen Euro.

Während das aus den Zeitungen ins Netz gewanderte Rubrikengeschäft, und dort vor allem das Jobportal "Stepstone", das meiste Geld in die Kassen spült, machen die rein journalistischen Angebote nur die Hälfte der Gesamterlöse aus. Von den traditionellen Marken übriggeblieben sind im Wesentlichen "Bild" und "Welt". Mit ihnen experimentiert Springer weiter, um digital an Abonnements zu verdienen. Während "Bild" über "Bild plus" auf 310.000 Abos kommt, will sich die "Welt" mit ihren bisher 74.000 im Netz zahlenden Lesern umorientieren.

Rückgang der Werbeumsätze

Den Rückgang der Werbeumsätze bei den Zeitungen erklärt sich Vorstandsmitglied Jan Beyer auch damit, dass die Werbewirtschaft nicht mehr auf schnelle Klicks aus sei. Im Interesse einer nachhaltigen Markenbildung bevorzuge sie vielmehr loyale Leser, die auf eine Seite im Netz regelmäßig wiederkehren und dort länger verweilen. Darauf will Chefredakteur Stefan Aust mit mehr Recherchetiefe reagieren. Von Herbst an sollen Leser dann nicht mehr ab einer bestimmten Anzahl geklickter Artikel zur Kasse gebeten werden. Stattdessen sollen sie für kurze Texte überhaupt nicht mehr, dafür aber für lange Artikel vom ersten Mal an zahlen (Freemium- statt Metered Model). Um aus den roten Zahlen zu kommen, reduziert Aust parallel die Zahl der "Welt"-Ressorts von 14 auf acht und baut in der Redaktion 50 Stellen ab.

Bleibt die Frage, wie Axel Springers Erbe, über das noch die 73-jährige Mehrheitsaktionärin Friede Springer wacht, künftig geregelt sein wird. Döpfner sprach von einer möglicherweise gemeinnützigen Gesellschaft, wie diese dann auch immer aussehen wird. Den Plan, an frisches, externes Kapital für weitere Investitionen zu kommen, indem die Rechtsform des Konzerns von einer europäischen Aktien- in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt wird, hat Springer kürzlich abgeblasen.

Von Ulrike Simon

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