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Warum iranische Männer jetzt Kopftuch tragen

Netz-Kampagne einer iranischen Journalistin Warum iranische Männer jetzt Kopftuch tragen

Derzeit tauchen in den sozialen Netzwerken überall Männer mit Kopftuch auf, mitunter sieht das äußerst putzig aus. Der Hintergrund ist allerdings ernst: Im Iran können Frauen, die kein Kopftuch tragen, bestraft werden. Eine iranische Journalistin wehrt sich.

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Netzkampagne für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Iran: Auf sämtlichen Portalen im Netz tauchen derzeit Fotos wie dieses auf.

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Berlin. Ein Mann mit Kopftuch ist ein ungewöhnlicher Anblick. Und trotzdem sind sie in den sozialen Medien derzeit überall zu finden: Fotos von Männern, die sich lächelnd mit Kopftuch präsentieren. Unter dem Hashtag #MenInHijab (etwa: "Männer in Kopftüchern") posten seit rund einer Woche männliche Nutzer aus aller Welt Fotos mit der für Männer untypischen Kopfbedeckung auf Facebook, Twitter und Instagram.

Auch wenn ein Mann mit Kopftuch zum Schmunzeln verführen könnte, ist der Hintergrund des Trends ein ernster: Das iranische Gesetz verpflichtet Frauen seit knapp 40 Jahren, ihr Haar in der Öffentlichkeit zu bedecken. Tun sie dies nicht, drohen ihnen Strafen.

Die Entwürdigung spüren

Die iranische Journalistin Masih Alinejad, die hinter der Kampagne steht, wollte das nicht hinnehmen. "Ich wollte, dass die iranischen Männer einmal die Erniedrigung und Entwürdigung spüren, die Millionen von Frauen jeden Tag ertragen müssen", sagte Alinejad, die in New York lebt. Sie forderte iranische Männer auf, den Hijab, das traditionelle Kopftuch im Islam überzuziehen, und ein Selfie zu machen. Sie wollte damit zeigen, wie absurd und lächerlich der Kopftuchzwang für Frauen sei.

Und viele Männer in und außerhalb des Irans folgten ihrem Aufruf: Auf Facebook, Twitter und Instagram finden sich seitdem zahlreiche Fotos von iranischen Männern mit Hijab, die neben den Frauen posieren, deren Kopftuch sie tragen - und die zeigen auf den Schnappschüssen, oft lächelnd, ihr Haar.

"Ich hasse den Kopftuchzwang"

Wie sehr ihr den Kopftuchzwang zuwider ist, fast Alinejad auf ihrer Facebook-Seite mit sehr eindringlichen Worten zusammen. Der Bilderflut zufolge, dürften sie wohl das Gefühl vieler iranischer Frauen widerspiegeln: "Ich hasse den Kopftuchzwang. Und ich hasse es, dass sich kein Gefühl der Sicherheit einstellt, wenn ich Polizisten sehe, sondern mein ganzer Körper stattdessen zittert."

Dazu hat die Journalistin ein Foto gepostet, dass sie an einem Seil an einer Felswand hängend, selbstbewusst in die Kamera winkend zeigt. Es wurde im Iran aufgenommen: "Hier kann ich frei sein und Spaß haben wie Jungs, vielleicht für ein paar Stunden", schreibt Alinejad weiter in ihrem Post.

Iranischer Außenminister mit Hijab

Auslöser für die Aktion war die Aussage des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif, dass Frauen, die den Iran besuchen, aus Respekt gerne ein Kopftuch trügen, wie Alinejad erzählte. Sie habe daraufhin ein bearbeitetes Foto, das Sarif mit Kopftuch zeigt, auf Facebook veröffentlicht - verbunden mit der Aufforderung an die iranischen Männer, sich selbst mit Hijab abzulichten. Sie veröffentlichte die ersten Fotos in den sozialen Medien.

Respekt verdienten in Alinejads Augen aber vor allem die Frauen, die sich neben den Männern ohne Kopfbedeckung zeigten: "Für die Männer ist das nur ein kurzer Moment der Lächerlichkeit, aber die Frauen brechen das Gesetz", sagte Alinejad. "Sie tragen das wahre Risiko, aber sind unerschrocken."

Masih Alinejad ist im Iran keine Unbekannte. Seit Jahren setzt sie sich für die Rechte von Frauen ein. Bereits 2015 startete sie mit "My Stealthy Freedom" eine Kampagne, in der sie Frauen im Iran aufforderte, heimlich Fotos von sich ohne Hijab zu machen. Die Fotos veröffentlichte sie ebenfalls auf unterschiedlichen Plattformen.

RND/dpa/caro

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