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Facebook: Startschuss für Instant Articles

Kooperation mit Verlagen Facebook: Startschuss für Instant Articles

Die Testphase ist beendet. Von Dienstag an veröffentlicht Facebook weltweit sogenannte Instant Articles. Für Nutzer erhöht sich damit das Leseerlebnis, Medienunternehmen versprechen sich davon mehr und zufriedenere Leser. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Mit der Einführung der Instant Articles will Facebook ein größeres Leseerlebnis bieten und seine Nutzer so weiter binden.

Quelle: Armin Weigel/dpa

Berlin. Für Facebook sei die Einführung der Instant Articles "unser größtes Projekt in diesem Jahr", sagt Chris Cox, der Chefentwickler im Vorstand des kalifornischen Konzerns.

Was sind Instant Articles?

Wer bisher bei Facebook auf einen Link klickte, wurde auf die jeweilige Webseite eines Mediums geleitet. Das entfällt künftig, denn Instant Articles werden direkt auf der Facebook-Plattform veröffentlicht.

Was hat der Nutzer davon?

Die Ladezeiten entfallen. Dauerte es bisher durchschnittlich acht Sekunden, bis sich nach dem Klick auf einen Link der Artikel öffnet, stehen Instant Articles bereits nach 0,8 Sekunden zur Verfügung. Zudem sind die Instant Articles optisch ansprechend gestaltet.

Wie schafft Facebook das?

Der Beitrag mitsamt Fotos oder Videos liegt auf Facebook-Servern und wird geladen, bevor der Nutzer ihn überhaupt anfordert. Dadurch kann er "instant", also ohne langes Warten angezeigt werden. Seit einem Jahr probiert Facebook das mit "Spiegel Online" und "Bild" aus. Im November wurde der Test auf 25 weitere Medien ausgeweitet. Mit dem Start der Entwicklerkonferenz F8 am Dienstag in San Francisco steht die Technik weltweit jedem zur Verfügung.

Was hat Facebook davon?

Die Nutzer werden nicht mehr zu fremden Seiten geleitet, sondern bleiben im System. Dadurch erfährt der Datensammler noch mehr über seine Nutzer. Informationen über die eigene Person, die Interessen, den Ort und die Beiträge, die er liest, sind die Währung, mit der Facebook-Nutzer für den nur scheinbar kostenlosen Dienst zahlen.

Was haben die Medienunternehmen davon?

Gerade Jüngere verlassen sich darauf, in sozialen Netzwerken wie Facebook von Freunden auf interessante Artikel hingewiesen werden. Das geschieht zunehmend mobil. Dabei ist die Geduld sehr begrenzt. Dauert ihnen das Laden zu lange, brechen sie den Versuch ab, einen Artikel zu lesen. Von Instant Articles versprechen sich die Medienunternehmen daher mehr Leser, also eine höhere Reichweite, die sich besser vermarkten lässt. Facebook hat den Medienunternehmen zugesagt, die Instant Articles entweder in Eigenregie vermarkten zu können – in diesem Fall können sie die Werbeeinnahmen ganz für sich behalten –, oder sie überlassen Facebook die Vermarktung und erhalten von den erzielten Werbeeinnahmen 70 Prozent. Gedacht wird auch an ein Bezahlmodell, um auch für Instant Articles vom Leser Geld zu verlangen – so wie das inzwischen jeder dritte Tageszeitungsverlag auf den eigenen Webseiten praktiziert.

Geben Verleger mit Instant Articles die Kontrolle über ihre Inhalte ab?

Die Skepsis ist groß. Wird den Nutzern künftig noch bewusst sein, dass ein Artikel von der Zeitschrift x oder der Zeitung y stammt – oder wird es heißen: Das habe ich bei Facebook gelesen? Die Abhängigkeit von Facebook wächst jedenfalls. Zwar bestreitet Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, den Konzern vom Technologie- zum Medienunternehmen umzubauen. Facebook soll eine bloße Vertriebsplattform bleiben. Um erfolgreich zu sein, braucht es dafür jedoch attraktive Inhalte, kurzum: Journalismus. Hier kommen die Medienunternehmen ins Spiel, die gleichzeitig die redaktionelle Hoheit über ihre Inhalte an Facebook abgeben. Gut möglich ist auch, dass die originären Medien-Webseiten an Reichweite verlieren, da Facebook-Nutzer nicht mehr dorthin umgeleitet werden und dort folglich auch nicht mehr nach anderen interessanten Beiträgen stöbern.

Beeinflusst Facebook, wer was zu lesen bekommt?

Auf der Grundlage aller Daten und Informationen, die Facebook über jeden Nutzer sammelt, wählt ein Algorithmus aus, was für wen interessant und relevant ist. Es werden also nicht alle Beiträge chronologisch gezeigt. Dadurch entsteht jene Filterblase, von der die Rede ist, wenn es heißt: Wer sich in sozialen Medien bewegt, lässt nur noch das an sich heran, was seine Meinung und Weltanschauung bestärkt. Hinzu kommt, dass Facebook zwar weder im Umgang mit Datenschutz noch beim Verbreiten von Hetze zimperlich ist, umso empfindlicher aber auf das Darstellen von Nacktheit reagiert. Fotos, auf denen eine Brustwarze zu sehen ist, werden umgehend gelöscht. Das musste etwa das "Zeit Magazin" erfahren, als auf dem Cover ein Penis zu sehen war.

Von Ulrike Simon

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