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Snapchat und das Leben in Echtzeit

So funktioniert der Foto-Dienst Snapchat und das Leben in Echtzeit

Nur vier Jahren nach seiner Gründung zählt der Fotodienst Snapchat bereits 100 Millionen Nutzer. Was macht den Facebook-Konkurrenten aus?

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Die Geister, die ich rief: Snapchat entwickelt sich zum beliebtesten Messengerdienst.

Quelle: dpa
Was ist Snapchat?

Snapchat ist ein kostenloser Kurznachrichtendienst für Smartphone und Tablet. Der Name spielt auf "snap-shot", englisch für Schnappschuss, an. Die Nutzer teilen vor allem Bilder und Videos mit Freunden, vom Chiapudding bis zum Fitnesstraining. Mit dem Modul "Snapchat Stories" lässt sich eine Art visuelles Tagebuch führen. Das Markenzeichen der Plattform ist ein stilisierter Geist.

Wer nutzt Snapchat?

Snapchat hat mehr als 100 Millionen aktive Nutzer, von denen etwa die Hälfte zwischen 13 und 17 Jahren alt ist. Laut Snapchat gebrauchen mehr als 60 Prozent der 13- bis 34-Jährigen US-Amerikaner die Plattform, für Deutschland gibt es keine gesonderte Statistik. Die Zahl der angeschauten Videos hat sich seit Mai weltweit auf sechs Milliarden verdreifacht. Das liegt auch an großen Marken wie CNN, "Cosmopolitan", Yahoo und "National Geographic", die Inhalte für Snapchat produzieren. Auch Stars wie James Franco, Miley Cyrus und Rihanna sowie zahlreiche Modeblogger tummeln sich dort.

Was ist das Besondere?

Die Vergänglichkeit der Beiträge: Gepostete Videos verschwinden schon nach Sekunden wieder. Snapchat ist also so kurzlebig wie das Internet und entzieht sich zugleich seinem unerbittlichen Gedächtnis. Peinliche Partybildchen können nicht Jahre später den neuen Arbeitgeber verstören, sondern bleiben eine Momentaufnahme. Das Leben in Echtzeit. Während Snapchat das eigene Konzept unterwandert, indem man für 99 Cent seit Neuestem auch gelöschte Beiträge zurückholen kann, kopiert Facebook in den USA die sich selbstlöschenden Nachrichten mit der App Slingshot.

Weshalb ist Snapchat bei jungen Nutzern so beliebt?

Die Rügenwalder Teewurst ist inzwischen bei Facebook. Fairy und Vileda auch. Spätestens in dem Moment, wo die Großmutter eine Freundschaftseinladung schickt, schauen sich junge Nutzer nach Alternativen um. Wenn eine Plattform im Mainstream angekommen ist, wandern die ersten wieder ab, das ist das Gesetz des Netzes. Lange hatte der Fototeildienst Instagram die Nase vorn, jetzt geht der Trend zu Snapchat. Die Generation Yolo (you only live once) lebt für den Moment. Snapchat verspricht angeblich unverfälschte Beziehungspflege ohne Instagram-Filter. Konkret und authentisch, das sind die Zauberworte des Snapchat-Geistes. Und dem Nutzer wird die schwere Last genommen, sich perfekt zu inszenieren: Während bei anderen Portalen der Druck wächst, eine Persönlichkeit zu kreieren, ist bei Snapchat alles ganz schnell Schall und Rauch.

Weshalb hat der Name Snapchat einen negativen Beigeschmack?

Snapchat galt lange als Plattform, um Nacktbilder zu verschicken, Stichwort "Sexting". Im Oktober 2014 ist ein Archiv mit rund 200 000 privaten Bildern aufgetaucht, welches bei diversen Erotik-Websites hochgeladen wurde. Die Fotos stammen von Snapchat-Anwendern, viele sind Nacktbilder Minderjähriger. Das Image des Messengers hat sich jedoch gewandelt. Inzwischen veröffentlicht selbst die "Washington Post" dort politische Nachrichten. Die Negativschlagzeilen reißen trotzdem nicht ab: Eine Gruppe von Datenschützern veröffentlichte 2013 die Daten von rund 4,6 Millionen Nutzern, um auf eine Sicherheitslücke aufmerksam zu machen. Eine weitere Lücke ermöglichte es Hackern, innerhalb kürzester Zeit Tausende Spam-Nachrichten an die Anwender zu versenden.

 Was ist die beliebteste Funktion?

Selfies können bei Snapchat so verfremdet werden, dass es aussieht, als käme ein breiter Farbschwall aus dem Mund des Porträtierten geschossen. Bei Snapchat kann man sozusagen Regenbogen spucken.

Snapchat-Advent:

Die evangelische Lippische Landeskirche bietet in diesem Jahr einen Adventskalender über Snapchat an. Bei der Aktion verschicken Jugendliche jeden Tag eine Adventsbotschaft in Form von Fotos und Videos. Das Beispiel zeigt, dass die Smartphone-Anwendung bereits weit verbreitet ist.

Von Nina May

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