Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Netzwelt Lang lebe das Alter!
Nachrichten Medien Netzwelt Lang lebe das Alter!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:28 11.03.2018
Der medizinische Fortschritt hat in den vergangenen 100 Jahren zu einer massiven Lebensverlängerung geführt – und Forscher arbeiten daran, die Geheimnisse des Alterns noch weiter zu enträtseln. Quelle: E+
Anzeige
Köln

Medizinischer Fortschritt, steigender Wohlstand, bewusstere Ernährung, mehr Hygiene. Es gibt viele Gründe dafür, dass die Lebenserwartung immer mehr steigt. Forscher untersuchen sogar schon, ob sich auch die biologische Uhr irgendwann austricksen lässt. Sind häufig im Alter auftretende Krankheiten wie Demenz, Parkinson, Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden künftig besiegbar?

Diesen großen Fragen der Menschheit widmen sich auch Forscher in Köln – und nehmen dafür winzige Zellbestandteile unter die Lupe. Am Max-Planck-Institut (MPI) für Biologie des Alterns, das seit zehn Jahren besteht, untersuchen sie Mitochondrien. Diese tausendstel Millimeter kleinen Strukturen werden auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet. Sie spielen eine zentrale Rolle beim Altern, wie der neue MPI-Direktor Thomas Langer erklärt.

Seine Mission: “Dass wir das Altern auf biologischer und molekularer Ebene besser verstehen und mittelfristig die altersassoziierten Erkrankungen besser behandeln können.“ Es stehe fest, dass mit zunehmendem Alter die “Mitos“ an Leistungsfähigkeit verlieren und dass dies schädliche Folgen habe, erläutert der Biologe etwa mit Blick auf Parkinson. Nun gelte es herauszufinden, wie sich diese Schädigungen in den Zellbestandteilen verhindern lassen – mit möglicherweise lebensverlängernder Wirkung.

“Ich denke definitiv nicht, dass wir einen Endpunkt erreicht haben, was die Lebensspanne betrifft“: Thomas Langer ist Direktor am Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns. Quelle: dpa

“Wenn wir altersassoziierte Erkrankungen verzögern können, weckt das natürlich Hoffnungen, dass es einen Einfluss auf die Lebensspanne hat“, sagt Langer. “In Modellorganismen kann durch eine Manipulation einzelner zellulärer Prozesse eine deutliche Veränderung der Lebensspanne erreicht werden“, ergänzt der Experte. Modellorganismen – Fadenwurm, Fruchtfliege oder Maus – halten also unter bestimmten getesteten Umständen wesentlich länger durch.

Der medizinische Fortschritt hat in den vergangenen 100 Jahren zu einer massiven Lebensverlängerung geführt. Rund 4,9 Millionen Menschen bundesweit sind laut Statistischem Bundesamt mindestens 80 Jahre alt, 2050 sollen es fast zehn Millionen sein. Und auch die ganz Hochbetagten sind auf dem Vormarsch: 2011 waren rund 14 400 Menschen mindestens 100 Jahre alt, schon bald – im Jahr 2025 – könnten zur Ü-100-Gruppe 26 000 Männer und Frauen gehören.

Es gebe “sehr vielversprechende Studien, in denen man bei Mäusen Lebensverlängerungen erzielen konnte, aber eben nur im Modellversuch“, sagt Langer. Er sieht hier noch “viel Potenzial“. Zum jetzigen Zeitpunkt “wäre es aber nicht richtig zu sagen, dass wir so etwas in absehbarer Zeit auf den Menschen anwenden könnten“. An Spekulationen über ein maximal erreichbares Lebensalter will sich der Experte nicht beteiligen. Allerdings: “Ich denke definitiv nicht, dass wir einen Endpunkt erreicht haben, was die Lebensspanne betrifft.“

Wer über längere Altersspannen spricht, darf über Sport nicht schweigen – denn der hält jung und fit: Heinz Stäcker (86), Horst Pfeiffer (88) und Herbert E. Müller (86) sprinten beim 100 Meter Lauf bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften der Leichtathletik. Quelle: dpa

Medizinethikerin Christiane Woopen sagt: “Die Lebensqualität wird zumindest ab einem gewissen Alter bedeutsamer als die Lebenslänge.“ In Wissenschaft und Medizin gehe es darum, schweres körperliches und seelisches Leiden zu vermeiden, betont die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates (EGE). Ziel sei nicht in erster Linie eine Verlängerung des Lebens. “Angesichts der menschlichen Natur, die neben Autonomie und Gestaltungskraft auch von Verletzlichkeit, Begrenztheit und Abhängigkeit geprägt ist, glaube ich nicht an die Möglichkeit einer Unsterblichkeit auf dieser Erde.“

Zugleich stellt Woopen, Leiterin der Forschungsstelle Ethik an der Uni Köln, klar: “Wir müssen über die gesellschaftlichen Folgen und die Bedingungen unseres Zusammenlebens nachdenken, wenn Menschen älter und älter werden können.“ Die heute vorgegebene Gliederung der Lebensverläufe sei absurd: “Die ersten Jahrzehnte sind eine einzige Rennstrecke, um nach dem Ende der Berufstätigkeit atemlos für Jahrzehnte auf der Seitenspur zu landen.“

Als Mit-Projektleiterin einer Repräsentativerhebung am Kölner Forschungszentrum Ceres will Woopen das Wohlbefinden und die Lebensqualität Hochaltriger ermitteln. Denn darauf komme es den meisten an, nicht vorrangig auf die Dauer des Lebens. Auch Biologe Langer meint: “Das primäre Ziel ist weniger eine längere Lebensspanne per se, sondern die Frage, wie wir länger ohne größere gesundheitliche Beschwerden leben können.“

Von Yuriko Wahl-Immel

Netzwelt “Kingdom Come: Deliverance“ im Spieletest - Helm auf, ab ins Mittelalter

Im Rollenspiel “Kingdom Come: Deliverance“ (KCD) ist es schnell vorbei mit der Mittelalteridylle. Das Open-World-Abenteuer versetzt Spieler mit viel Liebe zum Detail ins Böhmen des Jahres 1403.

11.03.2018

Amazon reagiert auf Kunden-Beschwerden: Die hatten sich über das unkontrollierte Lachen der Assistenz-Software Alexa beschwert. Der Konzern will nun mit einem Update für Abhilfe sorgen.

08.03.2018

Er sieht ein bisschen aus wie C-3PO in Weiß, und er trägt ein Dirndl. Ein Ferienhotel in den Berchtesgadener Alpen setzt seit Kurzem einen Roboter als Rezeptionistin ein. Der reisereporter erzählt die skurrile Geschichte.

07.03.2018
Anzeige