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Netzwelt Tutanota will Mail-Verschlüsselung vereinfachen
Nachrichten Medien Netzwelt Tutanota will Mail-Verschlüsselung vereinfachen
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18:21 23.01.2015
Von Frerk Schenker
Quelle: Tutanota
Hannover

Nein, die Vertreter der NSA sind noch nicht gesichtet worden am Hanomaghof. Dabei ist in dem Kreativzentrum in Hannovers Westen etwas entstanden, das den US-Geheimdienst durchaus interessieren könnte – wenn auch im negativen Sinne. Denn Tutanota soll der NSA das Leben künftig ein bisschen schwerer machen. Der Internetdienst wirbt damit, das Verschlüsseln von E-Mails deutlich zu vereinfachen. Neu erfunden haben die Entwickler Matthias Pfau, Arne Möhle und Thomas Gutsche das Rad mit Tutanota natürlich nicht. Verschlüsselungstechniken wie PGP oder S/MIME sind längst etablierte und sichere Verfahren, nur erscheinen sie vielen Nutzern zu kompliziert. Wer nicht ein Mindestmaß an technischem Verständnis mitbringt, ist schnell entmutigt. Mit ein Grund, warum in Deutschlands Unternehmen laut einer Bitkom-Umfrage nur 16 Prozent aller Mails verschlüsselt werden.

Das wollen die Tutanota-Entwickler ändern. Sie setzen auf das Prinzip Sicherheit und Komfort. „Unser Ziel ist, eine sichere Kommunikation im Internet für Jedermann anzubieten“, sagt Pfau. Er ist wie seine Mitstreiter auch Informatiker. Sie alle haben einige Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor sie vor drei Jahren ihr eigenes Unternehmen am Hanomaghof gründeten – unterstützt durch ein Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.

Einfache Anmeldung: Tutanots setzt auf einfache Bedienung – von der Anmeldung bis zur Verschlüsselung. Quelle: Tutanota

Seit gut einem Jahr ist der Maildienst am Markt, die Nutzerzahlen liegen im fünfstelligen Bereich. Keine rasendschnelle, aber doch eine stetige Entwicklung, wie die Gründer betonen. Das gilt auch für die technische Seite des Projekts. Auch hier nimmt sich das Trio Zeit. „Wir programmieren in Eigenregie“, sagt Möhle, auf externe Entwickler habe man bewusst verzichtet. Denn die Technik ist bei Verschlüsselung das eine, Vertrauen aber das noch wichtigere Gut, um Nutzer von sich zu überzeugen.

Die Tutanota-Entwickler haben deshalb den Programm-Code veröffentlicht, Experten können so ihren Dienst kritisch unter die Lupe zu nehmen. Zudem liegen die Daten der Nutzer ausschließlich auf Severn in Deutschland. Neben Transparenz setzen die Unternehmensgründer auf Unabhängigkeit. „Wir hätten sonst ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagt Pfau. Zwar soll sich Tutanota künftig selbst tragen, es ist aber auch ein idealistischer Gedanke, der die Entwickler antreibt. „Wir wollen, dass jeder Internetnutzer auf einfache Weise verschlüsselt kommunizieren kann“, sagt Möhle. Und wenn doch jemand mit dem großen Geld lockt? „Bei Google und Microsoft nehmen wir das Telefon erst gar nicht ab“, sagt Möhle und lacht.

Die Entwickler: Arne Möhle, Thomas Gutsche und Matthias Pfau. Quelle: von Ditfurth

Bislang sind es vor allem Privatnutzer aus Deutschland und den USA, die sich für die kostenfreie Variante des Dienstes angemeldet haben. Die sollen auch künftig ihre Mails gratis verschicken können, „wir werden aber bald für ein paar Euro zusätzliche Funktionen anbieten“, sagt Möhle. Tragfähig soll Tutanota vor allem über den kostenpflichtigen Dienst für Firmenkunden werden. Neben Rechtsanwälten und Steuerprüfern haben sie Behörden und Versicherungen im Blick – Branchen also, in denen sensible Daten verschickt werden, meist jedoch unverschlüsselt.

Wer Tutanota nutzen will, kann das seit einigen Tagen auch auf dem Tablet und Smartphone. Entsprechende Apps für iOS und Android haben die Entwickler kürzlich veröffentlicht. Mit ihnen hofft das Unternehmer-Trio, bald auch international erfolgreich zu sein.

Die mobile Variante für Apples iOS-Geräte war es auch, die den Tutanota-Machern dann doch noch Kontakt mit der NSA bescherte. Denn bevor ein Programm mit Verschlüsselungstechnik in den Apple Store hochgeladen werden darf, muss der US-Geheimdienst grünes Licht geben. Einwände aus Fort Meat gab es nicht. „Wir sind denen wohl noch zu klein“, sagt Pfau. Er sieht dabei so aus, als wäre es ihm durchaus recht, wenn sie bei der NSA künftig ein bisschen genauer zum Hanomaghof schauen würden.

So funktioniert Tutanota

Tutanota bietet zwei Dienste an: einen kostenfreien für Privatkunden und einen kostenpflichtigen für Firmen. Bei der Anmeldung für den Gratisdienst müssen keine persönlichen Daten wie Namen und Adresse angegeben werden. Das Schreiben und Empfangen der Mails läuft über die Webseite oder die App (gratis für iOS und Android), für Firmenkunden gibt es eine spezielle Outlook-Erweiterung. Zum Verschlüsseln der Mail wird ein Passwort ausgewählt, neben dem Text sind auch die Dateianhänge wie Bilder sowie die Betreffzeile der Mail geschützt. Die Verschlüsselung, von der der Nutzer nichts mitbekommt, läuft im Internetbrowser ab. „Wir können zu keiner Zeit auf den Inhalt der Mail zugreifen“, versichert Arne Möhle. Sichtbar sind lediglich die sogenannten Metadaten, also Absender, Empfänger und Datum.

Um die Mail lesen zu können, benötigt der Empfänger das zuvor festgelegte Passwort. Das Besondere: Er muss dafür nicht Nutzer von Tutanota sein, selbst für eine verschlüsselte Antwort braucht er kein Tutanota-Konto. Der Austausch des zuvor festgelegten Passworts ist die Schwachstelle des Maildienstes, schließlich kann man sie schlecht einfach per Mail verschicken. Möhle rät deshalb zum direkten Austausch bei einem Treffen oder per Telefon. Geschäftskunden haben es da einfacher: Ist die Handynummer des Empfängers bekannt, bekommt dieser das Passwort einfach per SMS zugeschickt.

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