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Mann schreibt eine sehr ehrliche Traueranzeige

"Manchem habe ich weh getan – das war gut so" Mann schreibt eine sehr ehrliche Traueranzeige

Keine Reue, keine Versöhnung: In Trier verabschiedete sich ein Mann mit einer selbst geschriebenen und sehr ehrlichen Traueranzeige von seiner Familie. Auf seiner Trauerfeier sollten sich seine Geschwister nicht blicken lassen. "Ihr seid alle ausgeladen!"

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"Manchem habe ich weh getan – das war gut so": Diese Traueranzeige erschien am Mittwoch auf einem Trauerportal.

Quelle: Trierischer Volksfreund/Screenshot

Trier/Hannover. Manche Menschen neigen am Ende ihres Lebens dazu, offene Streitigkeiten mit Freunden oder Angehörigen beizulegen und sich mit ihnen zu versöhnen – selbst wenn es schwer fällt. Oder sie bereuen das eine oder andere.

Ein 64 Jahre alter Mann aus Trier offenbar nicht. Das würde aber auch nicht zu ihm passen. "Offen, ehrlich und nachtragend": So beschreibt er sich selbst. In seiner eigenen Traueranzeige.

Sie ist am Mittwoch auf dem Trauerportal der Zeitung "Trierischer Volksfreund" erschienen. Mittlerweile sind Menschen in ganz Deutschland auf sie aufmerksam geworden. Für die "Bild"-Zeitung ist es "Deutschlands ehrlichste Traueranzeige".

Er dankt den "wenigen Freunden"

"Tschüs", schreibt der 64-jährige Mann, der laut Traueranzeige am vergangenen Freitag (24. Juni 2016) gestorben ist. "Hiermit melde ich mich vom Leben ab." Er habe ein gutes Leben gehabt, "das aber auch von vielen Krankheiten überschattet war. Die letzte war leider unbesiegbar."

Er schreibt von seiner "wunderbaren Frau", seinem "guten Sohn" und den "zwei tollen Enkelkindern". "Bedanken möchte ich mich bei den wenigen Freunden, die mich auf meiner Wegstrecke immer wieder ein Stück begleitet haben".

"Manchem habe ich weh getan"

Auch bei einem türkischen Freund bedankt er sich. "Die Einblicke in seine (mir in Teilen wohl immer fremd gebleibene) Familienkultur waren nicht immer schmerzfrei für mich."

Aber sein türkischer Freund sei ehrlich zu ihm gewesen. "Und Offenheit und Ehrlichkeit waren mir immer sehr wichtig", schreibt der Mann in seiner Traueranzeige. "Manchem habe ich damit weh getan – und das war gut so."

"Ihr seid ausgeladen"

Dann teilt er mit, wann und wo die Trauerfeier ist. Die Gäste sollen keine Trauerkleidung tragen, erst recht keine Kreuze "oder sonstige offene oder versteckte religiöse Symbole". Denn: "Ich war überzeugter Atheist, ich bin es geblieben!"

Aber seine Geschwister sollen nicht erscheinen, macht er deutlich: "Den anderen 5 Kindern meiner Eltern und deren Partnern und Nachkommen verbiete ich die Teilnahme an dieser Feier. Ihr seid ausgeladen!"

"Pass auf Dich auf"

Unter seiner Traueranzeige ist noch eine zweite erschienen. Darin verabschiedet sich seine Frau von ihm. "Ich bin Deinen Weg mit Dir gegangen bis zum Ende", schreibt sie. "Pass auf Dich auf, bis sich unsere Wege wieder kreuzen!"

Auch zwei Enkelkinder verabschieden sich in der zweiten Traueranzeige von ihrem Opa. Seine Geschwister aber nicht. Aber das wäre wahrscheinlich auch nicht ehrlich gewesen. Und Ehrlichkeit war dem Mann offensichtlich sehr wichtig.

RND/wer

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