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Reem weint, Angela Merkel streichelt

Kritik an Kanzlerin Reem weint, Angela Merkel streichelt

Politik hat Folgen, auch für eine Bundeskanzlerin. Aber wohl nicht allzu oft wird Angela Merkel so unmittelbar damit konfrontiert. In Rostock war es jetzt ein herzerweichend weinendes Mädchen aus dem Libanon. Mit ihrer Reaktion erntete Merkel im Internet Häme und wütende Kommentare. Der NDR hat jetzt ein ungekürztes Video der Szene veröffentlicht.

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In dieser Schlüsselsende der Sendung versucht Angela Merkel, die weinende Reem zu trösten.

Quelle: Screenshot Youtube/NDR

Rostock. Reem weint. Gerade hat das Mädchen palästinensischer Abstammung Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von ihrem Schicksal erzählt. Dass sie und ihre Familie jüngst kurz vor der Abschiebung standen und dass sie seit Jahren den Rest ihrer im Libanon lebenden Familie nicht mehr gesehen hat. Die Spannung in der Turnhalle der Rostocker Paul-Friedrich-Scheel-Schule ist an diesem Mittwoch deutlich spürbar. Die Kanzlerin wird beim Bürgerdialog "Gut leben in Deutschland" vor 32 Schülern im Alter von 14 bis 17 Jahren direkt mit den Folgen der EU-Flüchtlingspolitik konfrontiert. Emotionaler Höhepunkt: Merkel geht zu der Sechstklässlerin und streichelt ihre Wange.

Das Video dieser Szene kursiert seit gestern im Netz - und sorgt dort für Aufregung. Unter dem Hashtah #merkelstreichelt drücken viele Twitterer ihre Wut und Enttäuschung über die Reaktion der Bundeskanzlerin aus. Beispielsweise als sie sagt: Du bist ein unheimlich sympathischer Mensch", sagt Merkel. Aber Reem wisse halt auch, dass in den palästinensischen Lagern im Libanon noch Abertausende Flüchtlinge sitzen. Deutschland könne es nicht schaffen, allen Flüchtlingen im Nahen Osten oder denen in Afrika zuzurufen: "Ihr könnt alle kommen."

Auf der Seite des NDR können Sie die ungekürzte Version des Videos sehen.

"So kann man doch nicht mit einem kleinen Mädchen umgehen", sagt eine Lehrerin im benachbarten Raum des modernen Schulzentrums, wohin der Dialog live übertragen wird. Der Kanzlerin fehle doch jegliche Empathie.

Einen Kommentar von unserer Autorin Ann-Kathrin Seidel  finden Sie hier.

Seit vier Jahren ist Reem erst an der integrativ arbeitenden Schule, hat in dieser Zeit fließend Deutsch und Englisch gelernt, etwas Schwedisch kann sie auch. Merkel ist beeindruckt und nimmt die Chance wahr, darauf aufmerksam zumachen, wie wichtig die Sprache bei den Integrationsbemühungen sind. Der Hinweis trifft aber nicht die Lebenswirklichkeit von Reem. Ihr Vater habe früher als Schweißer gearbeitet, ohne Aufenthaltsgenehmigung dürfe er nicht beschäftigt werden. "Mir ging es hier an der Schule richtig schlecht." Jetzt sei zwar eine vorläufige Genehmigung da, aber noch immer sei die Familie im Wartestand. "Ich will auch meine Familie im Libanon wiedersehen", sagt Reem.

Joachim Mangler

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