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Netzwelt Mutmaßlicher LulzSec-Sprecher festgenommen
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18:15 28.07.2011
LulzSec: „Man kann keine Idee oder Bewegung festnehmen, die dezentralisiert und ohne Führer ist." Quelle: Screenshot/Twitter
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Die Ermittlungsbehörden verstärken ihren Druck auf Hacker, die zuletzt mit Aktionen gegen PayPal, Sony und andere Unternehmen Schlagzeilen gemacht haben. Britische Fahnder nahmen einen jungen Mann fest, bei dem es sich um den Sprecher der Hacker-Gruppe LulzSec handeln soll. Der 19-Jährige werde auch verdächtigt, mit kriminellen Aktivitäten des Hacker-Kollektivs Anonymous in Verbindung zu stehen, teilte Scotland Yard am Mittwochabend in London mit. Die Hacker reagierten am Donnerstag mit der Erklärung: "Man kann keine Idee oder Bewegung festnehmen, die dezentralisiert und ohne Führer ist."

Bei dem Verdächtigen soll es sich nach Vermutungen der Polizei um den Hacker mit dem Internet-Namen "Topiary" handeln - dies wurde aber am Donnerstag zunächst nicht bestätigt. Der junge Mann wurde am Mittwoch in einer Wohnung auf den zu Schottland gehörenden Shetland-Inseln festgenommen. Die Wohnung wurde von den Beamten durchsucht. Danach sei er zur Vernehmung nach London gebracht worden, teilte die Polizei mit. Dem 19-Jährigen wird vorgeworfen, an Aktionen beteiligt gewesen zu sein, bei denen Internet-Seiten von großen Unternehmen massenhaft mit Zugriffen überhäuft wurden, so dass sie zusammenbrachen. Ziele solcher Distributed Denial-of-Service-Attacken (DDoS) waren seit Dezember vergangenen Jahres mehrere Finanzunternehmen sowie Sicherheitsbehörden und Webseiten von Regierungen. Eines der bevorzugten Angriffsziele von LulzSec war der japanische Elektronikkonzern Sony. Die Hackerbewegung Anonymous rief ihre Sympathisanten am Mittwoch dazu auf, Konten beim Online-Bezahldienst PayPal zu kündigen und dies mit einem Bildschirmfoto im Internet-Dienst Twitter zu dokumentieren. Dort teilte Anonymous mit, es seien mindestens 35 000 PayPal-Konten geschlossen worden.

„Nur Dummköpfe machen sich Sorgen"

Ein PayPal-Sprecher in Deutschland sagte auf Anfrage, es seien bis Mittwochabend "keine signifikanten Auffälligkeiten" festgestellt worden. Die Ablehnung von PayPal gründet in der Entscheidung dieses Unternehmens, das Konto der Enthüllungsplattform WikiLeaks zu schließen. Anonymous startete daraufhin im Dezember vergangenen Jahres die "Operation Payback" mit DDoS-Attacken auf PayPal sowie auf Mastercard und Visa, die ebenfalls ihre Geschäftsbeziehungen zu WikiLeaks abgebrochen haben. Der Hacktivist namens "Topiary" sagte im Juni dem amerikanischen Internet-Portal gawker.com, er mache sich keine Sorgen, verhaftet zu werden. "Nur Dummköpfe machen sich Sorgen." Zu Spekulationen, wonach die Polizei einen falschen Verdächtigen und nicht "Topiary" festgenommen haben könnte, machte ein Scotland-Yard-Sprecher am Donnerstag keine Angaben. Der Verdächtige sei weiter in Haft, hieß es lediglich. Bereits in der vergangenen Woche sowie im Juni hatte die britische Polizei mutmaßliche Hacker festgenommen.

Auch in den USA wurden im Zusammenhang mit der "Operation PayBack" mehrere Beschuldigte verhaftet. Anonymous hat nach eigenen Angaben keine Führung, keine feste Organisation und keine Zentrale. Weil es keine klar umrissene Führung gibt, wechseln auch die Ziele der Gruppe. Ihre Angehörigen, unter ihnen auch Aktivisten in Deutschland, verbinden sich ad hoc zu einzelnen "Operationen". Die vermutlich von Anonymous abgespaltene Gruppe LulzSec hatte Ende Juni ihre Auflösung verkündet, sich dann aber mit einem Angriff auf die Londoner Boulevardzeitung "The Sun" zurückgemeldet: Auf der Webseite der Zeitung verbreiteten sie eine Falschmeldung mit dem Tod des Medienunternehmers Rupert Murdoch, zu dessen Konzern die "Sun" gehört.

Unterdessen wurde der vermutlich bislang größte Fall eines Datendiebstahls in Südkorea bekannt. Dort haben sich Hacker nach Behördenangaben den Zugriff auf persönliche Daten von bis zu 35 Millionen Internetnutzern verschafft. Ziel des Hackerangriffs waren die Onlineplattform Nate und das Soziale Netzwerk Cyworld, die beide vom Internetunternehmen SK Communications betrieben werden, wie die Koreanische Kommunikationskommission (KCC) am Donnerstag mitteilte. Die Hacker hätten dabei eine Internetadresse in China benutzt.

dpa

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