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18:54 15.04.2016
Beim Kurznachrichtendienst Twitter zeigten sich die Nutzer schockiert über die Entscheidung, einer Strafverfolgung Böhmermanns stattzugeben. Quelle: dpa/Twitter
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Hannover

Beim Kurznachrichtendienst Twitter zeigten sich die Nutzer von der Entscheidung, eine strafrechtliche Verfolgung des "Neo Magazin Royale"-Moderators Jan Böhmermann zuzulassen, schockiert. Innerhalb kürzester Zeit schoss der Hashtag "#Merkel" an die Spitze der Twitter-Trends. Eine knappe Stunde nach der Verkündung der Entscheidung waren bereits weit über 15.000 Tweets abgesetzt worden. Die Nutzer diskutierten aber auch unter den Hashtags #gewaltenteilung und #nichtmeinekanzlerin über die Entscheidung der Kanzlerin.

Das Satiremagazin "extra3", das Ende März den Song "Erdowie, Erdowo, Erdogan" veröffentlichte, findet die Aufregung um den "Fall Böhmermann" offenbar übertrieben. Bei Twitter hieß es: "Eilmeldung: Wir können uns jetzt alle wieder mit wichtigen Sachen beschäftigen." Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan war eine Reaktion auf den "extra3"-Beitrag.

Der Düsseldorfer Strafverteidiger Udo Vetter kritisierte die Entscheidung als widersprüchlich:

Der Kabarettist Oliver Kalkofe, der sich bereits am Dienstag auf Facebook zum "Fall Böhmermann" geäußert hat, prophezeite bei dem Kurznachrichtendienst "den Anfang vom Ende der Kanzlerschaft" und schämte sich "für die Rückratlosigkeit" der Bundeskanzlerin. Kalkofe erhielt viel Unterstützung für seinen Tweet.

Der Journalist und Fotograf Mario Sixtus stellte sich schon einmal vor, wie die Gerichtsverhandlung ablaufen könnte.

Einige Nutzer setzten die strafrechtliche Verfolgung mit einer grundsätzlichen Absage an die Meinungsfreiheit gleich. Die Entscheidung sei eine Ohrfeige für freie Meinungsäußerung.

Die Diskussion, ob und inwiefern die Satire Böhmermanns Grenzen überschritten hat, ist für viele Nutzer jetzt hinfällig.

Kolumnist und Moderator Michael "Micky" Beisenherz verurteilte Angela Merkel als bemitleidenswert: Hätte sie "das #schmaehgedicht vorgetragen – #Erdogan hätte aus Mitleid auf die Klage verzichtet."

Merkel erhielt auf Twitter aber auch Zustimmung, unter anderem von ihrem Parteifreund Carsten Ovens aus Hamburg, der wie viele andere über die Gewaltenteilung in Deutschland diskutierte.

Die türkische Regierung hatte die Bestrafung Böhmermanns wegen Beleidigung eines ausländischen Staatschefs am Anfang dieser Woche in einer Verbalnote an das Auswärtige Amt verlangt.

are/wer

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